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Supplement Patches – Hype oder wissenschaftlich sinnvoll?

Sie kleben an Oberarmen, Schultern, Handgelenken. Bunt, minimalistisch, mit Namen wie "Energy", "Sleep" oder "Balance". Vitaminpflaster, auch bekannt als supplement patches oder Nährstoffpflaster, versprechen, Nährstoffe direkt über die Haut in den Blutkreislauf zu liefern. Kein Schlucken, kein Verdauungstrakt, keine Verluste. Klingt verlockend. Aber können Vitamine und Mineralstoffe überhaupt durch die Haut in messbare Mengen ins Blut gelangen? Und was sagen wissenschaftlich hochwertige Studien zu der Wirksamkeit?

Die Antwort ist differenzierter, als viele Hersteller hoffen lassen. Dieser Artikel analysiert die Physik der Haut, die relevante klinische Literatur und zeigt für zehn der meistverkauften Nährstoffe in Pflasterform, was die Wissenschaft wirklich weiß – und was sie nicht weiß.

Lee Pape, MSc

Written by

Mein persönliches Anliegen hinter der Analyse

Als Mitgründerin von Hormonic beschäftige ich mich täglich mit der Frage, was Frauen wirklich brauchen, um ihre Gesundheit zu unterstützen. Wir entwickeln Supplements — und trotzdem, oder vielleicht genau deswegen, schaue ich mir jeden neuen Trend in dieser Industrie sehr genau an.

Vitaminpflaster sind seit einiger Zeit überall. Auf TikTok, in meinem Instagram-Feed, in den DMs von Kundinnen, die fragen: „Sind die was? Soll ich die ausprobieren?" Ich hätte einfach Nein sagen können. Aber das wäre keine Antwort gewesen, sondern eine Meinung.

Also habe ich mich hingesetzt und gemeinsam mit unserem Research-Team die Forschung angeschaut. Was ich gefunden habe, hat mich nicht überrascht, aber es hat mich bestätigt: Die Wahrheit ist differenzierter, als die Werbung vermuten lässt — und für die meisten Nährstoffe deutlich klarer, als viele Hersteller zugeben würden.

Dieser Artikel ist mein ehrlicher Blick auf die Wissenschaft hinter Vitaminpflastern. Ohne Eigeninteresse zu verstecken. Denn ja, wir verkaufen Supplements in Form von Kapseln, aber mit dem Anspruch, den wir bei Hormonic von Anfang an hatten: Fakten vor Hype.

Wie funktioniert transdermale Wirkstoffabgabe bei Supplement Patches? Das Grundprinzip

Um zu verstehen, ob Vitaminpflaster funktionieren können, lohnt sich ein kurzer Blick darauf, wie Wirkstoffe überhaupt durch die Haut ins Blut gelangen, und warum das manchmal tatsächlich klappt.

Die Haut ist kein undurchdringlicher Panzer. Ihre äußerste Schicht – die Hornschicht, auf Fachlatein Stratum corneum – besteht aus abgestorbenen Hautzellen, die in Fettschichten eingebettet sind. Stell dir eine Ziegelmauer vor: Die Zellen sind die Ziegel, das Fett der Mörtel. Kleine, fettlösliche Moleküle können durch diese Fettschicht hindurchschlüpfen und von den feinen Blutgefäßen direkt darunter aufgenommen werden. Das alles ohne das Wirkstoffe Magen oder Leber passieren und ohne dass ein Teil des Wirkstoffs schon vorab abgebaut wird.

Genau das macht medizinische Pflaster so interessant. Östrogen, Nikotin, Fentanyl – sie alle erfüllen diese Bedingungen. Und sie werden täglich nur in winzigen Mengen (Mikrogramm) benötigt, die ein Pflaster problemlos liefern kann.

Das Schlüsselprinzip: Damit ein Wirkstoff durch die Haut ins Blut kommt, muss er

  1. klein genug sein,

  2. fettlöslich genug sein und

  3. in sehr kleinen Mengen wirksam sein.

Die meisten Vitamine und Mineralstoffe erfüllen mindestens eine dieser Bedingungen nicht.

Die Haut als Barriere

Die Haut hat eine Hauptaufgabe: Sie schützt uns vor Schadstoffen, Bakterien oder auch Chemikalien. Sie sollen draußen bleiben und nicht durch die Haut durchdringen dürfen. Die Hornschicht ist evolutionär so optimiert, dass sie fast alles abblockt. Das ist gut für die Gesundheit, aber schlecht für die Idee, Vitamine über ein Pflaster aufzunehmen.

Wie groß darf ein Molekül sein?

In der Pharmakologie gibt es eine einfache Faustformel dafür, was durch intakte Haut passt und was nicht: die 500-Dalton-Regel. Ein Dalton ist eine winzige Gewichtseinheit für Moleküle, und 500 Dalton ist in etwa die Grenze, über der ein Molekül zu groß wird, um passiv durch die Fettschicht der Hornhaut zu diffundieren.

Diese Regel wurde 2000 von den Wissenschaftlern Bos und Meinardi in der Fachzeitschrift Experimental Dermatology beschrieben. Ihre Beobachtung: Alle bekannten Wirkstoffe, die nachweislich durch intakte Haut ins Blut gelangen, wiegen weniger als 500 Dalton. Alle zugelassenen medizinischen Pflaster, sei es Nikotin, Östrogen oder Fentanyl, halten sich an diese Grenze.

Einfach erklärt: Stell dir die Poren der Hautbarriere wie ein feines Sieb vor. Winzige Moleküle passen durch. Größere bleiben hängen. Vitamin B12 ist fast dreimal so groß wie das, was "durchpasst" – egal wie viel davon auf dem Pflaster ist.

Neuere Forschung hat gezeigt, dass die 500-Dalton-Grenze keine absolute Naturkonstante ist. Bei entzündeter Haut oder mit Spezial-Technologien können auch etwas größere Moleküle eindringen. Für ein einfaches Pflaster auf gesunder Haut gilt sie aber als verlässlicher Orientierungswert.

Fettlöslich oder wasserlöslich – warum das entscheidend ist

Die zweite Bedingung ist Fettlöslichkeit. Die Barriere der Hornschicht besteht aus Fett – und Fett und Wasser mischen sich nicht. Moleküle, die wasserlöslich sind (wie Vitamin C oder Vitamin B12), perlen an der Fettbarriere ab, ähnlich wie Wasser auf einer eingefetteten Pfanne.

Vitamin D ist ein interessanter Sonderfall: Es ist klein genug und fettlöslich – klingt perfekt. Das Problem ist, dass es zu fettlöslich ist. Es bleibt in der Fettschicht der Hornhaut kleben, anstatt tiefer zu diffundieren. Wie ein Schwamm, der das Wasser aufsaugt, aber nicht weitergibt.

Und die Menge?

Selbst wenn ein Nährstoff durch die Haut käme: Wie viel kann ein Pflaster überhaupt liefern? Medizinische Pflaster funktionieren, weil die Wirkstoffe in Mikrogramm-Mengen ausreichen – das sind tausendstel Milligramm. Magnesium braucht der Körper täglich über 300 Milligramm. Das ist, grob gesagt, das Äquivalent davon, einen vollen LKW durch ein Mäuseloch zu schieben.

Unabhängige Analysen eines populären Vitaminpflasters (PatchMD) ergaben: Das Pflaster wog insgesamt etwa 80 Milligramm – behauptete aber, über 3.600 Milligramm Nährstoffe zu enthalten. Das ist physikalisch schlicht nicht möglich.

Welche Nährstoffe können wirklich über die Haut aufgenommen werden? Das zeigen Studien

Theorie ist gut. Aber was zeigen echte Studien an echten Menschen? Stand März 2026 liefert Grammatikopoulou et al. in Metabolism Open (2021) die bisher umfassendste wissenschaftliche Analyse zu transdermaler Mikronährstoffabgabe. Ergänzt durch Einzelstudien ergibt sich folgendes Bild zum ehrliche Stand der Forschung für jeden der zehn häufigsten Nährstoffe in kommerziellen Vitaminpflastern:

Pflaster wirksam?

Das sagen Studien

Melatonin

✅ Belegt (2 randomisierte kontrollierte Studien)

Das kleine Molekül gelangt nachweislich durch die Haut ins Blut. Einziger Nährstoff mit echter klinischer Evidenz aus kontrollierten Studien (Aeschbach et al., 2009; Soliman et al., 2016).

Berberin

⚠️ Fraglich

Berberin ist molekular klein genug, aber stark hydrophil – es prallt an der Lipidbarriere ab wie Wasser auf Teflon. Kein publizierter RCT belegt die Wirksamkeit über Pflaster.

Reseveratol

⚠️ Fraglich

Humane Studien (RCTs) zu systemischer Bioverfügbarkeit über Pflaster fehlen vollständig.

Vitamin D3

⚠️ Unzureichend

Ist zwar klein genug, klebt aber lieber in der Hornschicht als ins Blut zu diffundieren. Beste Vergleichsstudie: 81 % Mangelrate bei Pflaster-Nutzern vs. 41 % bei Kapsel-Nutzern.

Vitamin C

❌ Nicht belegt

Zu wasserlöslich für Hautpenetration. Kein einziger RCT zeigt messbar höhere Blutspiegel durch Pflaster.

Vitamin B12

❌ Physikalisch unmöglich

Mit Abstand zu groß für die Hautbarriere – fast 3x über der kritischen Grenze. Studien bestätigen: B12-Spiegel bei Supplement Patch-Nutzern signifikant schlechter als bei oraler Einnahme.

Vitamin K2

❌ Nicht belegt

Zu groß für passive Hautdurchdringung. Nur Labor-Experimente vorhanden, keine einzige Humanstudie.

Folat (B9)

❌ Nicht belegt

Vielversprechende Tier-Experimente mit speziellen Trägersystemen, aber keine Humandaten zur systemischen Wirksamkeit über Pflaster.

Magnesium

❌ Nicht belegt

Das Ion ist zu stark elektrisch geladen, um durch die fettige Hautbarriere zu wandern. Tages­bedarf (300+ mg) wäre über ein Pflaster ohnehin nicht lieferbar.

Eisen

❌ Nicht belegt

Einzige ranomdisierte, kontrollierte Studie (Apte et al., 2021, N=444 Säuglinge): kein signifikanter Effekt auf Blutbild. Auch Eisen ist ein Ion , d.h. gleiches Problem wie Magnesium.

Zink

❌ Nicht belegt

Nur Tierstudien. Als Ion scheitert Zink aus demselben Grund wie Magnesium und Eisen.

Omega 3/DHA

❌ Nicht belegt

Kein einzige hochwertige Humanstudie zu Blutspiegeln nach Pflaster-Anwendung gefunden. Lokal auf der Haut wirksam, systemisch unbelegt.

NAD+ (direkt)

❌ Nicht belegt

NAD+ ist ein großes, geladenes Molekül (~663 Da) – weit über der Hautbarriere-Grenze. Kein einziger humaner RCT belegt systemisch messbare NAD+-Erhöhung über ein Pflaster.

NMN (NAD+ Vorstufe)

❌ Nicht belegt

NMN ist kleiner als NAD+ und unter der 500-Da-Grenze. Studien zeigen lokale Hautpenetration bis in die Dermis, aber NMN ist hydrophil, was Hautdiffusion stark erschwert. Kein humaner RCT belegt systemische NAD+-Erhöhung über ein NMN-Pflaster.

CoEnzym Q10

❌ Physikalisch unmöglich

Zu groß und stark lipophil. Es verbleibt in der Hornschicht und erreicht nachweislich nicht den systemischen Kreislauf. In Kosmetika wirkt es lokal antioxidativ auf die Haut. Als systemisches Supplement über Pflaster: keine Evidenz.

Kollagen

❌ Physikalisch unmöglich

Mit 2.000–300.000 Da viel zu groß für passive Hautdurchdringung. Kein Hersteller legt Daten vor, die systemisch messbare Kollagenerhöhung im Blut durch Pflaster zeigen.

Quellen u.a.: Grammatikopoulou et al., Metabolism Open (2021); Saurabh et al., Obesity Surgery (2019); Aeschbach et al., Clinical Pharmacology & Therapeutics (2009); Gröber et al., Nutrients (2017); Apte et al., BMC Nutrition (2021); Fan et al., Experimental Dermatology (2024); Hamasaka et al., PMC (2025); PMC Microneedle NMN Study (2023).

Melatonin: Der einzige Ausnahmefall, wo Supplement Patches Sinn machen könnten

Melatonin ist das Schlafhormon, das unser Körper selbst produziert – und das einzige weit verbreitete Supplement, für das es tatsächlich kontrollierte Studien zur transdermalen Aufnahme gibt. Das liegt an seiner Größe (klein genug) und seiner Löslichkeit (weder zu fett- noch zu wasserlöslich).

Aeschbach und Kolleginnen testeten 2009 in einem randomisierten, doppelblinden Versuch – der strengsten Form von klinischen Studien – ein Melatonin-Pflaster an 8 Probanden. Ergebnis: Die Blutspiegel stiegen signifikant an, und die Probandinnen wachten nachts seltener auf. Eine weitere RCT von Soliman et al. (2016, N=75) testete Melatonin-Pflaster als Schmerzunterstützung nach Operationen – ebenfalls mit messbaren Effekten. Aber: Die Stichprobengröße war sehr klein, weswegen eine Generalisierung der Ergebnisse nicht möglich ist.

Fazit zu Melatonin: Es gibt echte, wenn auch kleine Studien. Die Qualität ist moderat – keine Mega-Studie, aber methodisch solide. Melatonin-Schlafpflaster gehören damit zu den wenigen Produkten in dieser Kategorie, die einen Versuch wert sind.

Was ist mit "verbesserten" Pflastern? Mikronadelpatches, Nanotechnologie & Co.

Wer tiefer recherchiert, stößt auf Versprechen von Technologien, die die Hautbarriere umgehen sollen: Mikronadelpatches, Nanoemulsionen, Iontophorese. Was steckt dahinter?

Mikronadelpatches: Die vielversprechendste Technologie

Die Idee ist clever: Statt auf passive Diffusion zu warten, trägt das Pflaster Tausende von mikroskopisch kleinen Nadeln – dünner als ein Haar –, die beim Aufkleben sanft in die obere Hautschicht eindringen und den Wirkstoff direkt dort einbringen, wo die Blutgefäße warten.

In Tierversuchen funktioniert das beeindruckend: Ratten-Studien zeigten messbare B12-Blutspiegel innerhalb von 30 Minuten, Ex-vivo-Versuche mit Schweinehaut zeigten Vitamin-K-Abgabe von 35 % der Dosis. Das klingt gut.

Das Problem: Es gibt bis heute keinen einzigen veröffentlichten, kontrollierten Versuch am Menschen, der zeigt, dass Mikronadelpatches die Nährstoffversorgung im Blut messbar verbessern. Die Technologie ist im Bereich Impfstoffe und Kosmetik weiter – für Nahrungsergänzung ist sie noch im Frühstadium.

Nanoemulsionen und Liposome

Ähnliche Geschichte: Labordaten an Tieren zeigen Potenzial – zum Beispiel eine Studie von Kapoor et al. (Scientific Reports, 2018), die im Rattenmodell einen stark erhöhten Folatgehalt im Blut nach transdermaler liposomaler Anwendung fand. Aber: keine Humanstudie zur systemischen Nährstoffversorgung.

Iontophorese

Hierbei wird ein schwacher elektrischer Strom genutzt, um Wirkstoffe "einzutreiben". Eine kleine klinische Studie zu Vitamin C (Yan et al., 2022, N=24) maß lokale Hauteffekte – also Verbesserungen an der Haut selbst, nicht im Blut. Für systemische Nährstoffversorgung: kein RCT.

Kurz gesagt: Fortgeschrittene Technologien könnten irgendwann das Potenzial von Vitaminpflastern steigern. Aber was heute in Shops für €20–€50 pro Monat verkauft wird, nutzt diese Technologien in den allermeisten Fällen nicht. Fan et al. (Experimental Dermatology, 2024) fassen die Forschungslage ernüchternd zusammen: Der Bereich leide unter fehlenden Studien, mangelnden Qualitätsstandards und unzureichenden Sicherheitsdaten.

Warum Hormonpflaster funktionieren – und Vitaminpflaster (meist) nicht

Diese Frage kommt oft: "Wenn Hormonpflaster funktionieren, warum dann nicht auch Vitaminpflaster?" Der Vergleich liegt nahe, aber er hinkt.

Östrogenpflaster

  • Zulassung: EU-Arzneimittel mit jahrzehntelanger klinischer Prüfung

  • Wie viel Wirkstoff pro Tag? 0,025–0,1 mg – also Mikrogramm-Mengen

  • Wissenschaft dahinter: Über 49 randomisierte Studien, Cochrane-Reviews

Nikotin Pflaster

  • Zulassung: EU-Arzneimittel

  • Wie viel Wirkstoff pro Tag? 7–21 mg – wenige Milligramm, hochpotenter Stoff

  • Wissenschaft dahinter: 136 Studien, 64.640 Teilnehmende (Cochrane 2018)

Vitamin B12 Pflaster

  • Zulassung: Kein Arzneimittel, kein Medizinprodukt – rechtliches Graugebietr

  • Wie viel Wirkstoff pro Tag? Angeblich 1.000+ µg – aber das Molekül ist physikalisch zu groß für die Haut

  • Wissenschaft dahinter: Keine klinischen Studien; einzige Vergleichsdaten zeigen Unterlegenheit

Der entscheidende Unterschied liegt in der Dosis. Östrogen und Nikotin werden vom Körper in Mikrogramm-Mengen benötigt – das sind tausendstel Milligramm. Ein Pflaster kann diese Winzigmengen problemlos liefern. Vitamin B12, Magnesium, Eisen – die werden in Milligramm- bis Gramm-Mengen gebraucht. Das ist, je nach Nährstoff, das 100- bis 10.000-Fache.

Hinzu kommt: Jeder zugelassene Wirkstoff in einem medizinischen Pflaster hat jahrelange klinische Prüfprogramme durchlaufen. Nikotin-Pflaster sind durch einen Cochrane-Review mit 136 Studien und über 64.000 Teilnehmenden abgesichert. Die Daten für kommerzielle Vitaminpflaster? Im besten Fall eine Handvoll kleiner Studien – im schlechtesten Fall gar nichts.

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Was sagen die einzigen Vergleichsstudien zu echten Produkten?

Es gibt weltweit genau zwei veröffentlichte, peer-reviewte Studien, die ein kommerzielles Vitaminpflaster mit oraler Supplementierung verglichen haben. Beide untersuchten dasselbe Produkt: PatchMD, das meistverkaufte Multivitamin-Pflaster der USA.

Studie 1: Saurabh et al., Obesity Surgery, 2019

Untersucht wurden 17 Pflaster-Nutzerinnen und 27 Kapsel-Nutzerinnen nach einer Magenbypass-Operation – Menschen, die besonders auf verlässliche Nährstoffversorgung angewiesen sind.

Ergebnis: 82 % der Pflaster-Gruppe hatten mindestens einen Nährstoffmangel. In der Kapsel-Gruppe waren es 41 %. Der Unterschied war statistisch signifikant (p=0,012). Vitamin D, B1 und B12 waren bei Pflaster-Nutzern durchgehend schlechter versorgt.

Studie 2: Culpepper et al., Cureus, 2022

Prospektive Beobachtung über ein Jahr an 92 bariatrischen Patientinnen, die ausschließlich Pflaster nutzten. Keine Kontrollgruppe – methodisch schwächer. Ergebnis: 19 % der vollständig untersuchten Patientinnen hatten nach einem Jahr zwei oder mehr Mikronährstoffmängel. Die Autoren schlussfolgern selbst: Weitere kontrollierte Studien sind dringend nötig.

Das Fazit aus beiden Studien: Sie wurden ausgerechnet an einer Patientengruppe durchgeführt, bei der funktionierende Supplements am dringendsten gebraucht werden. Und selbst dort versagten die Pflaster. Für gesunde Menschen mit intakter Verdauung ist kein einziges Pflasterprodukt je getestet worden.

Rechtliche Grauzone: Was steht eigentlich auf dem Etikett?

Wer ein Vitaminpflaster kauft, kauft kein Nahrungsergänzungsmittel – zumindest nicht im rechtlichen Sinne. Die EU-Richtlinie 2002/46/EG definiert Nahrungsergänzungsmittel als Produkte, die zur Einnahme bestimmt sind: Kapseln, Tabletten, Pulver, Flüssigkeiten. Ein Pflaster wird nicht geschluckt. Es fällt damit aus der Definition heraus.

Gleichzeitig ist es kein zugelassenes Arzneimittel und kein Medizinprodukt. In Deutschland gilt dieselbe EU-Definition über die Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV). Das BfR und die EFSA haben bislang keine Stellungnahmen zu Vitaminpflastern veröffentlicht. Stiftung Warentest hat sie nicht getestet.

In den USA war die FDA deutlicher: Sie stellte in einem offiziellen Schreiben klar, dass topische Pflasterprodukte keine Nahrungsergänzungsmittel sind – und ohne Arzneimittelzulassung eigentlich nicht mit Gesundheitsversprechen vermarktet werden dürfen.

Was das bedeutet: Kein Hersteller muss nachweisen, dass sein Vitaminpflaster wirkt. Es gibt keine Pflicht zu Studien, keine Behörde, die die Wirksamkeit prüft. Der Hinweis "nicht zur Behandlung von Krankheiten" auf der Verpackung ist kein Qualitätssiegel – er ist ein Freifahrtschein.

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Fazit zu Supplement Patches: Sinnvoll oder Hype?

Nach allem, was die Forschung zeigt, ist meine Überzeugung als Gründerin dieselbe wie am Anfang — aber jetzt mit Zahlen und Studien untermauert: Die orale Einnahme ist für Mikronährstoffe der Goldstandard. Nicht weil wir Kapseln verkaufen. Sondern weil der Körper so gebaut ist.

Der Verdauungstrakt ist kein Fehler im System, sondern er ist das System. Er wurde über Millionen Jahre optimiert, um Nährstoffe aus dem, was wir essen und schlucken, aufzunehmen, zu verarbeiten und dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden. Hochwertige orale Supplemente nutzen genau das: die richtige Molekülform, die richtige Dosierung, die richtige Kombination und die richtige Technologie, sodass möglichst viel davon auch wirklich ankommt.

Was mich an Pflastern stört, ist nicht die Idee, denn die ist legitim und in bestimmten medizinischen Kontexten sogar brilliant. Östrogenpflaster oder Niktoinpatches sind das beste Beispiel. Aber es funktioniert wie wir gelernt haben nicht für alle Wirkstoffe. Was mich stört, ist das Versprechen ohne Belege. Frauen, die ernsthaft an ihrer hormonellen Gesundheit arbeiten, verdienen keine bunte Verpackung und ein vages Gefühl. Sie verdienen Transparenz.

Wer sein Geld in Suppement Patches investiert (abgesehen von Meltaonin), zahlt für eine Idee und einen Trend, aber nicht für bewiesene Wirkung.

FAQs

In Einzelfällen ja – wenn das Molekül klein, fettlöslich und in winzigen Mengen wirksam ist. Melatonin erfüllt diese Bedingungen. Die meisten gängigen Vitamine und Mineralstoffe aber nicht: B12 ist zu groß, Vitamin C zu wasserlöslich, Magnesium zu stark geladen. Für diese Nährstoffe liefert die Forschung keinen Nachweis, dass Pflaster zu messbaren Blutspiegelerhöhungen führen.

Nein, im Gegenteil. Die beste verfügbare Vergleichsstudie (Saurabh et al., 2019) zeigte das genaue Gegenteil: Pflaster-Nutzerinnen hatten signifikant häufiger Nährstoffmängel als Kapsel-Nutzerinnen. Die orale Aufnahme ist der Weg, den der Körper evolutionär entwickelt hat – und bei hochwertiger Formulierung sowie bei den meisten Wirkstoffen ist sie schwer zu schlagen.

Ein sehr grundlegender. Medizinische Hormonpflaster enthalten Wirkstoffe, die in Mikrogramm-Mengen wirken, klein genug für die Haut sind und jahrelange klinische Prüfprogramme durchlaufen haben. Vitaminpflaster enthalten Nährstoffe, die der Körper in Milligramm bis Gramm braucht, oft zu groß oder zu wasserlöslich für die Haut sind – und für die keine vergleichbare klinische Evidenz existiert.

In der Regel nicht, zumindest nicht für die beworbenen Nährstoffe. Kein Massenmarkt-Vitaminpflaster hat je eine unabhängige, placebo-kontrollierte Studie zur Wirksamkeit vorgelegt. Für Melatonin-Schlafpflaster ist die Evidenz etwas freundlicher. Für Multivitamin-Pflaster, Energiepflaster oder Magnesiumpflaster gibt es keine überzeugenden Belege.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Studien, Reviews und Meta-Analysen und wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Er dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Erwähnte Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie einen gesunden Lebensstil. Bei bestehenden Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder Stillzeit sowie bei der Einnahme von Medikamenten solltest Du vor dem Beginn therapeutische Schritte sowie der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln stets Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt halten.