Endometriose: Symptome, Ursachen und was wirklich hilft
Etwa eine von zehn Frauen ist von Endometriose betroffen, doch bis zur Diagnose vergehen oft Jahre. Dieser Artikel erklärt, was Endometriose ist, warum sie so stark von Östrogen und Progesteron abhängt, welche Symptome typisch sind und welche konventionellen und ergänzenden natürlichen Ansätze aktuell diskutiert werden.
Das Wichtigste in Kürze
Endometriose betrifft rund 10 % der Frauen im gebärfähigen Alter und entsteht, wenn gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter wächst. Sie ist östrogenabhängig, oft verbunden mit einer verminderten Wirkung von Progesteron im Gewebe. Gestagene oder orale GnRH-Antagonisten sind laut Leitlinie die erste Wahl gegen Schmerzen, eine Bauchspiegelung kann Herde entfernen, und beides lässt sich kombinieren. Ergänzend zeigen Nährstoffe wie NAC, Vitamin D, Zink und EGCG aus grünem Tee in Studien vielversprechende Ansätze, ersetzen aber keine Behandlung.
Der vollständige Endometriose Guide
Dies ist unser zentraler Leitfaden zu Endometriose: ein Überblick über Ursachen, Symptome, Hormone und Therapie. Einzelne Themen vertiefen wir in eigenen Artikeln, die Du weiter unten nach Thema sortiert und am Ende der Seite findest.
Etwa eine von zehn Frauen ist von Endometriose betroffen, weltweit rund 200 Millionen. Trotzdem dauert es im Schnitt Jahre bis zur Diagnose, weil die Symptome vielfältig sind und oft als „normale" Regelschmerzen abgetan werden. Dieser Artikel erklärt, was Endometriose ist, welche Rolle Östrogen und Progesteron spielen und welche schulmedizinischen und ergänzenden Strategien aktuell diskutiert werden.
Wie Endometriose entsteht
Normalerweise wird die Gebärmutterschleimhaut in jedem Zyklus auf- und abgebaut. Bei Endometriose passiert dieser Prozess an Stellen außerhalb der Gebärmutter. Die am weitesten verbreitete Erklärung ist die retrograde Menstruation: Menstruationsblut gelangt durch die Eileiter zurück in die Bauchhöhle, und dabei können sich Schleimhautzellen im Bauchraum ablagern. Da dieses Phänomen aber auch bei vielen Frauen ohne Endometriose auftritt, müssen weitere Faktoren mitspielen, darunter genetische Veranlagung, Fehlfunktionen des Immunsystems und epigenetische Veränderungen, die das Überleben und Wachstum des Gewebes außerhalb der Gebärmutter begünstigen.
Was Endometriose besonders macht, ist ihre starke Östrogenabhängigkeit. Östrogen stimuliert nicht nur das Wachstum des Gewebes, sondern verstärkt auch die Ausschüttung entzündungsfördernder Botenstoffe wie Zytokine, die Schmerzen und Gewebeveränderungen antreiben. Das erklärt, warum viele Therapien gezielt den Östrogenspiegel senken oder den Hormonzyklus pausieren, um die Symptome zu lindern.
Wusstest Du, dass …
… Endometriose in sehr seltenen Fällen auch bei Männern beobachtet wurde, die eine östrogenbasierte Hormontherapie erhalten haben? Das unterstreicht, wie zentral Östrogen als Treiber der Erkrankung ist.
Wie häufig ist Endometriose?
Etwa 10 % der Frauen im gebärfähigen Alter sind betroffen. Bei Frauen mit chronischen Unterleibsschmerzen oder unerfülltem Kinderwunsch steigt die Häufigkeit auf bis zu 50 %. Trotz dieser Verbreitung wird Endometriose oft erst spät erkannt, weil die Beschwerden von starken Regelschmerzen über chronische Schmerzen bis zu Verdauungsproblemen reichen und leicht fehlgedeutet werden.
Welche Behandlung gibt es? Ein erster Überblick
Welche Behandlung passt, hängt von Deinen Beschwerden, dem Befund und davon ab, ob Du schwanger werden möchtest. Ärztliche Therapien und ergänzende Maßnahmen schließen sich nicht aus, sondern werden oft kombiniert. Wichtig: Eine Hormontherapie und der Versuch, schwanger zu werden, lassen sich nicht gleichzeitig verfolgen, bei Kinderwunsch sieht die Behandlung deshalb anders aus. Die folgende Übersicht ordnet die Möglichkeiten ein.
Ansatz
Wie es wirkt
Einordnung
Gestagene (z. B. Dienogest)
Bremsen das Wachstum der Herde und unterdrücken meist den Eisprung, die Periode wird schwächer oder bleibt aus.
Laut deutscher S2k-Leitlinie eine Therapie der ersten Wahl gegen Endometriose-Schmerzen.
Orale GnRH-Antagonisten
Senken die körpereigene Östrogenbildung, teils kombiniert mit einer niedrig dosierten Hormon-Zugabe.
Laut S2k-Leitlinie ebenfalls erste Wahl. Nebenwirkungen und Dauer mit der Praxis besprechen.
Kombinierte Pille
Unterdrückt den Eisprung und kann, durchgehend genommen, die Periode pausieren.
Kann laut europäischer Leitlinie Schmerzen lindern und verhütet zugleich.
Hormonspirale oder Hormonimplantat
Geben ein Gestagen lokal oder gleichmäßig über längere Zeit ab.
Können laut europäischer Leitlinie Schmerzen lindern, eine Option, wenn tägliche Tabletten nicht passen.
GnRH-Agonisten
Schalten die Hormonbildung der Eierstöcke vorübergehend fast ganz ab.
Zweite Wahl. Wegen wechseljahresähnlicher Beschwerden und möglichem Verlust an Knochendichte meist zeitlich begrenzt und mit Hormon-Zugabe.
Operation (Bauchspiegelung)
Entfernt sichtbare Herde und Zysten, oft im selben Eingriff wie die Diagnose.
Kann Beschwerden deutlich lindern. Endometriose kann wiederkommen, eine Hormontherapie nach der OP senkt dieses Risiko deutlich. Ablauf und Erholung
Bewegung, Ernährung, Entspannung
Unterstützen Schmerzbewältigung und Wohlbefinden.
Die Leitlinie empfiehlt regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene, vitaminreiche Kost. Spezielle Diäten nur mit Grund, etwa Low-FODMAP bei Darmbeschwerden. Mehr zur Ernährung
Polyphenole & Mikronährstoffe
Werden zu Entzündung, oxidativem Stress und dem Wachstum der Herde erforscht.
Vielversprechende Ergebnisse aus Beobachtungs-, Labor- und ersten klinischen Studien, etwa zu NAC, EGCG und Vitamin D. Eine Leitlinien-Empfehlung gibt es noch nicht, deshalb als Ergänzung zur Behandlung, nicht als Ersatz. Studienlage im Überblick
Endometriose ist meist eine langfristige Erkrankung. Es geht selten um die eine Lösung, sondern um eine Behandlung, die zu Deinen Beschwerden, Deinem Kinderwunsch und Deinem Alltag passt.
Wusstest du, dass …
… bei vielen Frauen mit Endometriose eine Progesteronresistenz vorliegt? Das Gewebe reagiert schlechter auf Progesteron, das das Schleimhautwachstum normalerweise bremst, wodurch sich das Gewebe weiter ausbreiten kann.
Symptome und Hinweise auf Endometriose
Die Beschwerden sind von Frau zu Frau sehr unterschiedlich, was die Diagnose erschwert. Typische Hinweise sind:
Sehr schmerzhafte Menstruation (Dysmenorrhoe), die über normale Regelschmerzen hinausgeht.
Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie).
Chronische Unterleibsschmerzen, die den ganzen Zyklus über anhalten können.
Verdauungsprobleme und Schmerzen beim Stuhlgang, vor allem während der Periode.
Unerfüllter Kinderwunsch, für viele Betroffene besonders belastend. Wie hoch die Chancen wirklich stehen, steht in unserem Beitrag zu Endometriose und Kinderwunsch.
Wenn solche Symptome auftreten, lohnt sich das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt. Zur Abklärung dienen unter anderem Ultraschall und in manchen Fällen eine Bauchspiegelung (Laparoskopie). Wie der Weg zur Endometriose-Diagnose nach aktueller Leitlinie abläuft und welche Rolle Blutwerte dabei wirklich spielen, haben wir Schritt für Schritt aufgeschrieben.
Endometriose und Progesteronresistenz
Progesteron wird vor allem nach dem Eisprung vom Gelbkörper gebildet. Es bereitet die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Einnistung vor und gleicht die Wirkung von Östrogen aus, indem es das Schleimhautwachstum bremst.
Bei vielen Frauen mit Endometriose reagiert das betroffene Gewebe schlechter auf Progesteron, unter anderem weil weniger Progesteronrezeptoren gebildet werden. Fachleute sprechen von Progesteronresistenz. Dadurch fällt ein Teil der bremsenden Wirkung weg, und das Gewebe kann weiter wachsen. Ein hoher Östrogeneinfluss im Gewebe zusammen mit einer verminderten Progesteronwirkung gilt als ein zentraler Mechanismus der Endometriose. Das erklärt auch, warum manche Frauen auf Gestagene weniger gut ansprechen.
Wie wird Endometriose ärztlich behandelt?
Ärztliche Therapien setzen dort an, wo die Erkrankung angetrieben wird: beim Östrogeneinfluss und bei den Herden selbst. Laut deutscher S2k-Leitlinie sind ein geeignetes Gestagen wie Dienogest oder ein oraler GnRH-Antagonist die erste Wahl gegen Schmerzen (Burghaus et al., 2026). Auch die kombinierte Pille, die Hormonspirale oder ein Hormonimplantat können Schmerzen lindern. GnRH-Agonisten gelten als zweite Wahl, weil sie wechseljahresähnliche Beschwerden und einen Verlust an Knochendichte auslösen können, und werden deshalb meist zeitlich begrenzt und mit einer Hormon-Zugabe gegeben (ESHRE, 2022). Eine Hormontherapie und der Versuch, schwanger zu werden, lassen sich nicht gleichzeitig verfolgen, bei Kinderwunsch sieht die Behandlung deshalb anders aus.
Eine Bauchspiegelung kann sichtbare Herde und Zysten entfernen und Beschwerden deutlich lindern. Endometriose kann danach aber zurückkehren: Eine viel zitierte Übersicht nennt etwa 21,5 % nach zwei Jahren und 40 bis 50 % nach fünf Jahren, wobei die Definitionen schwanken (Guo, 2009). Eine Hormontherapie nach der Operation senkte das Rückfallrisiko in einer Meta-Analyse deutlich (Zakhari et al., 2021). Die Leitlinie empfiehlt deshalb, bei erneuten Beschwerden zuerst Medikamente einzusetzen, bevor erneut operiert wird, außer es drohen Organschäden.
Eine Therapie, die Endometriose dauerhaft beseitigt, gibt es bisher nicht. Hormontherapien wirken, solange sie genommen werden, und haben Nebenwirkungen, die Du mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt abwägen solltest. Bleiben die Beschwerden trotz zwei Hormontherapien, sieht die Leitlinie eine Neubewertung in einer auf Endometriose spezialisierten Einrichtung vor.
Ärztlich entwickelt mit 16 Wirkstoffen, darunter NAC, Zink und Vitamin D3, die in der Forschung mit Entzündungsprozessen, Zellschutz und hormoneller Balance in Verbindung gebracht werden. Klar dosiert, ohne unnötige Zusätze.
Natürliche Ansätze und Ergänzungen, die erforscht werden
Neben den etablierten Therapien rücken natürliche Ansätze in den Fokus der Forschung, vor allem Ernährungsstrategien und bioaktive Pflanzenstoffe, die im Zusammenhang mit hormonellen Prozessen und Entzündungsreaktionen untersucht werden. Eine Ernährung mit viel Omega-3 und Antioxidantien wird in wissenschaftlichen Arbeiten mit entzündungsbezogenen Mechanismen in Verbindung gebracht. Was daran belegt ist und was nicht, haben wir in unserem Beitrag zur entzündungshemmenden Ernährung bei Endometriose im Detail aufgeschlüsselt.
Polyphenole im Fokus der Forschung
Polyphenole sind bioaktive Verbindungen aus pflanzlichen Lebensmitteln wie Beeren, Zitrusfrüchten, Zwiebeln, Kurkuma und grünem Tee. Sie werden im Zusammenhang mit oxidativem Stress, Entzündung, Zellwachstum und Angiogenese diskutiert, alles Mechanismen, die auch bei Endometriose eine Rolle spielen. Einige Polyphenole wirken als Phytoöstrogene und können potenziell mit Östrogenrezeptoren interagieren, was bei einer östrogenabhängigen Erkrankung besonders untersucht wird.
Quercetin aus Zwiebeln, Äpfeln, Beeren und Paprika wird in präklinischen und ersten klinischen Arbeiten auf Effekte bei Entzündungsmarkern, oxidativem Stress und Gewebeveränderungen untersucht. Tierstudien deuten auf einen Einfluss auf Entzündungsparameter und Gewebewachstum hin, ohne negativen Effekt auf die körpereigene Hormonproduktion. Die Datenlage ist begrenzt und nicht abschließend, die einzelnen Studien ordnen wir in unserem Beitrag zu Quercetin bei Endometriose ein.
Curcumin aus Kurkuma wird für antioxidative und entzündungsbezogene Eigenschaften erforscht. Studien beschreiben Effekte auf Signalwege rund um Entzündung, Zellwachstum und Angiogenese sowie eine mögliche Modulation von Östrogen-Signalwegen. Eine klinische Untersuchung in Wien prüft derzeit Zusammenhänge zu Schmerz und Lebensqualität.
Trans-Resveratrol aus roten Trauben und Beeren wird vor allem in Zell- und Tiermodellen rund um Entzündung, Östrogensignale und Gewebewachstum untersucht. Wie belastbar diese Daten wirklich sind, steht in unserem Beitrag zu Resveratrol bei Endometriose.
Apigenin aus Petersilie, Sellerie, Äpfeln und Orangen wird mit antioxidativen und entzündungsmodulierenden Eigenschaften beschrieben. Präklinische Arbeiten untersuchen Effekte auf entzündliche Signalwege und Gewebeveränderungen. Ein offizieller Health Claim existiert nicht.
EGCG aus grünem Tee gehört zu den am besten erforschten Pflanzenstoffen bei Endometriose. Im Tiermodell bildeten sich Endometrioseherde unter EGCG zurück, und die Blutversorgung der Herde ging gezielt zurück, ohne die Gefäße in den Eierstöcken zu beeinträchtigen (Laschke et al., 2008). Eine weitere Arbeit zeigte, dass EGCG die Vernarbung von Endometriosegewebe bremste, sowohl in Zellen von Patientinnen als auch im Tiermodell (Matsuzaki und Darcha, 2014). Studien mit Grüntee-Extrakt bei Betroffenen laufen bereits. Grüner Tee als Getränk gilt als gut verträglich, sehr hoch dosierte Extrakte können dagegen die Leber belasten.
Diese Beobachtungen werden in der Literatur als vielversprechend, aber noch nicht abschließend bewertet. Größere klinische Studien sind nötig, um die Rolle der Polyphenole bei Endometriose zu klären.
Mikronährstoffe, die im Kontext von Endometriose untersucht werden
Omega-3-Fettsäuren sind für entzündungshemmende Eigenschaften bekannt und modulieren die Produktion von Prostaglandinen, ein Mechanismus, der auch bei Schmerzmitteln wie Ibuprofen angesprochen wird. Das Verhältnis von Omega-3 zu Omega-6 scheint relevant zu sein.
N-Acetylcystein (NAC) zählt zu den spannendsten Nährstoffen in der Endometriose-Forschung. In einer italienischen Studie mit 92 Frauen wurden Endometriome unter NAC bei 62 % der Frauen kleiner, ohne NAC nur bei 28 %, und 24 Frauen aus der NAC-Gruppe sagten eine geplante Operation ab, in der Vergleichsgruppe nur eine (Porpora et al., 2013). In einer zweiten Studie mit 120 Frauen gingen nach drei Monaten Regelschmerzen, Schmerzen beim Sex und Beckenschmerzen deutlich zurück, und weniger Frauen brauchten Schmerzmittel (Anastasi et al., 2023). Beide Studien hatten keine Placebogruppe, liefern aber ein starkes Argument für größere kontrollierte Studien. Alles dazu in unserem Beitrag zu NAC bei Endometriose.
Vitamin D3 ist eng mit dem Immunsystem verbunden. In der Nurses' Health Study II mit über 70.000 Frauen hatten Frauen mit dem höchsten Vitamin-D-Status ein um 24 % geringeres Risiko, an Endometriose zu erkranken, als Frauen mit dem niedrigsten (Harris et al., 2013). In einer placebokontrollierten Studie mit 60 Frauen gingen unter ärztlich begleitetem, hoch dosiertem Vitamin D die Beckenschmerzen und der Entzündungswert CRP zurück (Mehdizadehkashi et al., 2021). Andere Studien fanden keinen Unterschied (Kalaitzopoulos et al., 2022), am ehesten scheinen Frauen mit einem Mangel zu profitieren. Deshalb lohnt es sich, Deinen Spiegel prüfen zu lassen.
Zink ist ein Baustein der antioxidativen Schutzsysteme im Körper. Eine systematische Übersicht fand in den meisten Studien niedrigere Zinkspiegel bei Frauen mit Endometriose (Pokorska-Niewiada et al., 2025). Indirekt spannend: Bei starken Regelschmerzen ohne Endometriose senkte Zink in einer Meta-Analyse aus sechs randomisierten Studien die Schmerzen deutlich, vor allem bei Einnahme über acht Wochen oder länger (Hsu et al., 2024). Studien direkt bei Endometriose fehlen noch, und mehr ist nicht besser: Die Obergrenze liegt bei 25 mg am Tag. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Zink und Antioxidantien bei Endometriose.
Vitamin C und E werden meist kombiniert und in hohen Dosen untersucht. In kleinen randomisierten Studien gingen Beckenschmerzen zurück, die Qualität der Daten ist aber begrenzt (Zheng et al., 2023).
Diese Substanzen können einen breiter angelegten Ansatz ergänzen. Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung, und die Evidenz ist je nach Stoff unterschiedlich stark. Welche Nährstoffe am besten untersucht sind und wo die Daten dünn bleiben, haben wir in der Übersicht zu den besten Supplements bei Endometriose zusammengetragen.
Take-Home Messages
Weit verbreitet: etwa 10 % der Frauen im gebärfähigen Alter sind betroffen, die Diagnose kommt oft spät.
Hormonell getrieben: Endometriose ist östrogenabhängig, häufig mit einer verminderten Progesteronwirkung im Gewebe.
Vielfältige Symptome: starke Regelschmerzen, chronische Unterleibsschmerzen und Verdauungsprobleme können Hinweise sein.
Behandlung nach Leitlinie: Gestagene oder orale GnRH-Antagonisten sind erste Wahl gegen Schmerzen, eine Bauchspiegelung kann Herde entfernen, Rückfälle sind möglich.
Vielversprechend als Ergänzung: NAC, EGCG, Vitamin D und Zink zeigen in Beobachtungs-, Labor- und indirekten Studien interessante Ergebnisse, dazu Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Sie ersetzen keine Behandlung.
Unser ärztliches Team begleitet dich beim Zusammenhang zwischen Endometriose, Östrogen und Progesteron. Buche dir ein kostenloses 15-minütiges Erstgespräch.
Endometriose ist eine der komplexesten Erkrankungen der Frauenheilkunde, und der Weg zu Diagnose und Behandlung ist für viele lang und frustrierend. Die Forschung schreitet aber voran, und es gibt heute gute Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern. Ob ärztliche Therapie oder ergänzende Maßnahmen: Entscheidend ist, dass Du Dich informierst, Deine Beschwerden ernst nimmst und Dich nicht mit unnötigem Leiden abfindest.
Bestimmte Polyphenole, Vitamine und Mikronährstoffe werden als Ergänzung erforscht, größere Studien stehen aber noch aus. Wenn Du Deine Beschwerden einordnen und einen Plan für Ernährung und Mikronährstoffe besprechen möchtest, begleitet Dich das ärztliche Team von Hormonic Care. Diagnose und Therapie bleiben in Deiner gynäkologischen Praxis.
Alle Artikel rund um Endometriose
Dieser Guide ist Dein Ausgangspunkt. Die einzelnen Themen vertiefen wir hier, nach Bereich sortiert:
Welche dieser Nährstoffe in unseren Formeln stecken und wofür es überhaupt eine zugelassene Aussage gibt, siehst Du in der Übersicht zur Nahrungsergänzung bei Endometriose. Wichtig bleibt: Nährstoffe sind keine Behandlung, die gehört in ärztliche Hände.
Häufige Fragen zu Endometriose
Was ist Endometriose genau?
Endometriose ist eine chronische, östrogenabhängige Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst, etwa an Eierstöcken, Eileitern, Darm oder Blase. Dieses Gewebe verdickt sich, blutet im Zyklus und kann Entzündungen, Narben und Verwachsungen verursachen. Typisch sind starke, wiederkehrende Unterleibsschmerzen. Etwa eine von zehn Frauen ist betroffen.
Welche Symptome deuten auf Endometriose hin?
Typisch sind sehr schmerzhafte Menstruationen, die über normale Regelschmerzen hinausgehen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, chronische Unterleibsschmerzen über den ganzen Zyklus, Verdauungsprobleme und Schmerzen beim Stuhlgang vor allem während der Periode sowie unerfüllter Kinderwunsch. Die Beschwerden sind sehr unterschiedlich, weshalb die Diagnose oft spät gestellt wird. Bei solchen Symptomen lohnt sich die Abklärung über Ultraschall und gegebenenfalls eine Bauchspiegelung.
Heilt eine Operation die Endometriose?
Eine Operation entfernt sichtbare Herde und Zysten und kann Beschwerden deutlich lindern, eine dauerhafte Heilung ist aber nicht garantiert. Endometriose kann wiederkommen: Eine viel zitierte Übersicht nennt etwa 21,5 % nach zwei Jahren und 40 bis 50 % nach fünf Jahren. Eine Hormontherapie nach der Operation senkt dieses Risiko deutlich. Ob und wann operiert wird, entscheidest Du gemeinsam mit Deiner gynäkologischen Praxis.
Können Ernährung und Mikronährstoffe bei Endometriose helfen?
Als Ergänzung zeigen sie vielversprechende Ansätze. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Omega-3 und Antioxidantien wird mit weniger entzündlichen Prozessen in Verbindung gebracht. Besonders spannend sind NAC, unter dem in Beobachtungsstudien Endometriome kleiner wurden und Schmerzen zurückgingen, EGCG aus grünem Tee mit starken Ergebnissen im Labor und Tiermodell, Vitamin D, das in einer großen Kohortenstudie mit einem geringeren Endometriose-Risiko verbunden war, sowie Zink und die Vitamine C und E. Größere kontrollierte Studien stehen noch aus. Diese Ansätze ergänzen die ärztliche Behandlung, ersetzen sie aber nicht.
Welche Rolle spielen Hormone bei Endometriose?
Endometriose ist stark östrogenabhängig: Östrogen treibt das Wachstum des Gewebes an und verstärkt entzündungsfördernde Botenstoffe. Zusätzlich besteht bei vielen Betroffenen eine Progesteronresistenz, das Gewebe reagiert schlechter auf Progesteron, das das Wachstum normalerweise bremst. Weitere Faktoren sind genetische Veranlagung, Fehlfunktionen des Immunsystems und epigenetische Veränderungen. Die retrograde Menstruation gilt als eine mögliche Mitursache.
Wissenschaftliche Quellen
Burghaus S, Schäfer SD, Ulrich UA, et al. (2026). Diagnosis and Therapy of Endometriosis. Guideline of the DGGG, OEGGG and SGGG (S2k-Level, AWMF Registry No. 015/045, April 2025). Geburtshilfe und Frauenheilkunde 86(2):133-188. doi:10.1055/a-2760-4867
Becker CM, Bokor A, Heikinheimo O, et al. (2022). ESHRE guideline: endometriosis. Human Reproduction Open 2022(2):hoac009. doi:10.1093/hropen/hoac009
Guo SW (2009). Recurrence of endometriosis and its control. Human Reproduction Update 15(4):441-461. doi:10.1093/humupd/dmp007
Zakhari A, Delpero E, McKeown S, et al. (2021). Endometriosis recurrence following post-operative hormonal suppression: a systematic review and meta-analysis. Human Reproduction Update 27(1):96-107. doi:10.1093/humupd/dmaa033
Kalaitzopoulos DR, Samartzis N, Daniilidis A, et al. (2022). Effects of vitamin D supplementation in endometriosis: a systematic review. Reproductive Biology and Endocrinology 20:176. doi:10.1186/s12958-022-01051-9
Zheng SH, Chen XX, Chen Y, et al. (2023). Antioxidant vitamins supplementation reduce endometriosis related pelvic pain in humans: a systematic review and meta-analysis. Reproductive Biology and Endocrinology 21:79. doi:10.1186/s12958-023-01126-1
Porpora MG, Brunelli R, Costa G, et al. (2013). A Promise in the Treatment of Endometriosis: An Observational Cohort Study on Ovarian Endometrioma Reduction by N-Acetylcysteine. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine 2013:240702. doi:10.1155/2013/240702
Anastasi E, Scaramuzzino S, Viscardi MF, et al. (2023). Efficacy of N-Acetylcysteine on Endometriosis-Related Pain, Size Reduction of Ovarian Endometriomas, and Fertility Outcomes. International Journal of Environmental Research and Public Health 20(6):4686. doi:10.3390/ijerph20064686
Laschke MW, Schwender C, Scheuer C, et al. (2008). Epigallocatechin-3-gallate inhibits estrogen-induced activation of endometrial cells in vitro and causes regression of endometriotic lesions in vivo. Human Reproduction 23(10):2308-2318. doi:10.1093/humrep/den245
Matsuzaki S, Darcha C (2014). Antifibrotic properties of epigallocatechin-3-gallate in endometriosis. Human Reproduction 29(8):1677-1687. doi:10.1093/humrep/deu123
Harris HR, Chavarro JE, Malspeis S, et al. (2013). Dairy-Food, Calcium, Magnesium, and Vitamin D Intake and Endometriosis: A Prospective Cohort Study. American Journal of Epidemiology 177(5):420-430. doi:10.1093/aje/kws247
Mehdizadehkashi A, Rokhgireh S, Tahermanesh K, et al. (2021). The effect of vitamin D supplementation on clinical symptoms and metabolic profiles in patients with endometriosis. Gynecological Endocrinology 37(7):640-645. doi:10.1080/09513590.2021.1878138
Pokorska-Niewiada K, et al. (2025). The Role of Antioxidant Minerals in the Pathophysiology and Treatment of Endometriosis: Systematic Review. Antioxidants 14(10):1238. doi:10.3390/antiox14101238
Hsu et al. (2024). The Effect of Zinc Supplementation on Primary Dysmenorrhea: A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients 16(23):4116. doi:10.3390/nu16234116
VanBuren W et al. (2024). Imaging and diagnosis of endometriosis.
Rogers PAW et al. (2009). Priorities for endometriosis research. Reprod Sci.
MacLean JA et al. (2022). Progesterone resistance in endometriosis.
Tassinari V et al. (2022). Polyphenols and endometriosis: mechanisms and evidence.
Golabek A et al. (2021). Polyphenols in the management of endometriosis.
Bahat PY et al. (2022). Quercetin supplementation in endometriosis.
Park S et al. (2019). EGCG and angiogenesis in endometriosis.
Signorile et al. (2018). Antioxidants and oxidative stress in endometriosis.
Über die Autorin
Lisa Maria Emmer
Gründerin · Ärztin · Hormonic
Lisa Maria Emmer ist Mitgründerin und medizinische Leiterin bei Hormonic. Sie begleitet Frauen mit hormonellen Beschwerden tagtäglich und hat sich auf Zyklusgesundheit, PCOS und die Wechseljahre spezialisiert.
Hinweis: Dieser Artikel basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Studien, Reviews und Meta-Analysen und wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Er dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Erwähnte Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und einen gesunden Lebensstil. Bei bestehenden Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder Stillzeit sowie bei der Einnahme von Medikamenten halte vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln stets Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt.