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Künstliche Süßstoffe - So ungesund sind sie wirklich
Ernährung21. Jul 20248 Min. Lesezeit

Künstliche Süßstoffe - So ungesund sind sie wirklich

Dieser Artikel ist Teil von: Stoffwechsel, Hormone und Gewicht: Der komplette Guide für Frauen

Künstliche Süßstoffe stecken in unzähligen Light-Produkten. Dieser Artikel ordnet ehrlich ein, wie sie auf Blutzucker, Darm und Hormone wirken, was belegt ist und was noch offen bleibt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zugelassene Süßstoffe gelten im Rahmen der empfohlenen Höchstmengen (ADI) als sicher, sie sind besser untersucht als ihr Ruf.
  • Ihr Vorteil: kaum Kalorien, kein direkter Blutzuckeranstieg und keine Karies.
  • Offene Fragen betreffen vor allem das Darmmikrobiom, den Appetit und mögliche indirekte Effekte, hier ist die Studienlage gemischt.
  • Der Hormonbezug läuft am ehesten indirekt über Darm und Blutzucker, ein direkter Effekt ist nicht belegt.
  • Entscheidend ist wie so oft das Maß, und eine insgesamt gering gesüßte Ernährung.

Kaum ein Ernährungsthema ist so aufgeladen wie künstliche Süßstoffe. Für die einen sind sie der clevere Trick, um Zucker zu sparen, für die anderen ein Gesundheitsrisiko. Als Ärztin sehe ich meine Aufgabe darin, hier weder zu verharmlosen noch Panik zu schüren, sondern einzuordnen, was die Forschung tatsächlich zeigt.

Denn eines vorweg: Zu viel Zucker ist gut belegt ungünstig für Stoffwechsel und hormonelle Gesundheit. Süßstoffe sind ein Werkzeug, um ihn zu reduzieren. Ob sie dabei helfen oder eigene Nachteile mitbringen, hängt von der Menge, dem Kontext und dem einzelnen Körper ab.

Was sind künstliche Süßstoffe?

Künstliche oder nicht-nutritive Süßstoffe sind Verbindungen, die viele Male süßer als Zucker sind, aber nahezu keine Kalorien liefern. Zu den gängigsten gehören Aspartam, Acesulfam K, Sucralose, Saccharin und Cyclamat. Davon abzugrenzen sind Zuckeralkohole wie Erythrit und Xylit sowie pflanzliche Süßstoffe wie Stevia und Monkfruit. Alle in der EU zugelassenen Süßstoffe wurden von Behörden wie der EFSA bewertet und gelten innerhalb der festgelegten Tageshöchstmenge als sicher.

Die Vorteile: warum Süßstoffe überhaupt eingesetzt werden

Der Hauptvorteil liegt auf der Hand: Süßstoffe liefern Süße fast ohne Kalorien und lassen den Blutzucker nicht oder kaum ansteigen. Das kann beim Reduzieren von Zucker helfen und ist besonders für Menschen mit Diabetes oder Insulinresistenz interessant. Anders als Zucker verursachen sie außerdem keine Karies. Als Übergangshilfe weg von stark gezuckerten Getränken können sie deshalb durchaus sinnvoll sein.

Die offenen Fragen: Darm, Appetit und Stoffwechsel

Interessant wird es bei den indirekten Effekten, und hier ist die Forschung noch nicht abschließend. Drei Punkte werden am meisten diskutiert.

  • Darmmikrobiom: Einzelne Studien deuten darauf hin, dass manche Süßstoffe die Zusammensetzung der Darmbakterien und bei einem Teil der Menschen die Blutzuckerregulation verändern können. Die Effekte sind individuell unterschiedlich und ihre gesundheitliche Bedeutung ist noch nicht geklärt.
  • Appetit und Heißhunger: Es gibt die Hypothese, dass sehr intensive Süße das Verlangen nach Süßem aufrechterhalten kann. Die Datenlage dazu ist gemischt, ein eindeutiger Beleg fehlt.
  • Herz-Kreislauf und Langzeit: Große Beobachtungsstudien fanden Zusammenhänge zwischen sehr hohem Süßstoffkonsum und Herz-Kreislauf-Ereignissen. Solche Studien zeigen Zusammenhänge, keine bewiesene Ursache.

Wichtig ist die Einordnung: Zusammenhänge aus Beobachtungsstudien sind Hinweise, kein Beweis. Menschen, die viele Süßstoffe konsumieren, unterscheiden sich oft auch in anderen Lebensstilfaktoren.

Und die Sache mit dem Krebs?

2023 stufte die Krebsforschungsagentur IARC den Süßstoff Aspartam als möglicherweise krebserregend ein (Gruppe 2B). Diese Kategorie beschreibt, dass ein Zusammenhang nicht ausgeschlossen ist, nicht dass ein relevantes Risiko belegt wäre. Der zuständige Sachverständigenausschuss (JECFA) beließ die empfohlene Tageshöchstmenge deshalb unverändert. Für den normalen Konsum gilt Aspartam damit weiterhin als sicher.

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Der Hormonbezug: meist indirekt

Ein direkter Effekt von Süßstoffen auf die Sexualhormone ist nicht belegt. Der wahrscheinlichere Weg ist indirekt: Das Darmmikrobiom ist an der Verstoffwechselung und dem Kreislauf von Hormonen beteiligt, und ein stabiler Blutzucker ist für die hormonelle Balance wichtig, etwa bei PCOS und Insulinresistenz. Wenn Süßstoffe über Darm oder Blutzucker wirken, dann am ehesten auf diesem Umweg. Auch hier gilt: plausibel, aber nicht abschließend bewiesen.

Für Frauen mit Insulinresistenz oder PCOS ist deshalb weniger der einzelne Süßstoff entscheidend als das Gesamtbild: eine Ernährung, die den Blutzucker stabil hält, und ein insgesamt reduzierter Hang zu sehr Süßem.

Natürliche Alternativen und das richtige Maß

Natürliche Optionen wie Stevia, Erythrit oder Monkfruit sind eine mögliche Alternative, auch sie sind aber nicht automatisch unbegrenzt gut. Am sinnvollsten ist es, die Gewöhnung an intensive Süße insgesamt zu senken, egal aus welcher Quelle. Wer Zucker reduzieren möchte, kann Süßstoffe als Übergangshilfe nutzen, sollte sich aber nicht darauf verlassen, dass sie den Geschmack für Süßes von selbst zurückstellen.

Wenn Dich Heißhunger auf Süßes stark begleitet, lohnt der Blick auf die Ursachen. Mehr dazu liest Du im Beitrag zu Heißhunger auf Süßes.

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Fazit: kein Feindbild, aber auch kein Freibrief

Künstliche Süßstoffe sind weder das Gift, als das sie manchmal dargestellt werden, noch ein Freifahrtschein. Zugelassene Süßstoffe gelten im Rahmen der Höchstmengen als sicher und können helfen, Zucker zu reduzieren. Gleichzeitig gibt es offene Fragen zu Darm und Appetit, die weiter erforscht werden.

Am Ende zählt das große Ganze: eine überwiegend unverarbeitete, gering gesüßte Ernährung, die den Blutzucker stabil hält. In diesem Rahmen sind Süßstoffe in Maßen ein vertretbares Werkzeug, kein Grund zur Sorge und kein Wundermittel.

Häufige Fragen zu künstlichen Süßstoffen

Sind künstliche Süßstoffe gesundheitsschädlich?

In der EU zugelassene Süßstoffe gelten im Rahmen der empfohlenen Tageshöchstmenge als sicher, sie gehören zu den am besten untersuchten Lebensmittelzusätzen. Offene Fragen betreffen vor allem indirekte Effekte auf Darm und Appetit bei hohem Konsum. Für den normalen, maßvollen Gebrauch gibt es keinen Beleg für einen relevanten Schaden.

Beeinflussen Süßstoffe den Blutzucker und die Insulinausschüttung?

Süßstoffe lassen den Blutzucker direkt kaum ansteigen, das ist einer ihrer Vorteile. Einzelne Studien deuten an, dass manche Süßstoffe über das Darmmikrobiom bei einem Teil der Menschen die Blutzuckerregulation beeinflussen können. Die Effekte sind individuell und ihre Bedeutung noch nicht abschließend geklärt.

Machen Süßstoffe Heißhunger auf Süßes?
Das ist umstritten. Es gibt die Hypothese, dass intensive Süße die Vorliebe für Süßes aufrechterhält, eindeutig belegt ist das aber nicht. Wer den Hang zu Süßem senken möchte, reduziert am besten die Gewöhnung an starke Süße insgesamt, unabhängig von der Quelle.
Sind natürliche Süßstoffe die bessere Wahl?
Natürliche Optionen wie Stevia, Erythrit oder Monkfruit können eine Alternative sein, sind aber nicht automatisch unbegrenzt vorteilhaft. Entscheidend ist weniger die einzelne Quelle als das Ziel, insgesamt weniger stark zu süßen und den Blutzucker stabil zu halten.

Wissenschaftliche Quellen

  • Suez, J. et al. (2022). Personalized microbiome-driven effects of non-nutritive sweeteners on human glucose tolerance. Cell, 185(18), 3307-3328. doi:10.1016/j.cell.2022.07.016
  • Ruiz-Ojeda, F. J. et al. (2019). Effects of Sweeteners on the Gut Microbiota: A Review. Adv Nutr, 10(suppl_1), S31-S48. doi:10.1093/advances/nmy037
  • Debras, C. et al. (2022). Artificial sweeteners and cancer risk (NutriNet-Sante cohort). PLoS Med, 19(3), e1003950.
  • Debras, C. et al. (2022). Artificial sweeteners and risk of cardiovascular diseases. BMJ, 378, e071204.
  • IARC/JECFA (2023). Aspartame hazard and risk assessment results announced. WHO/IARC.
  • EFSA (2013). Scientific Opinion on the re-evaluation of aspartame (E 951) as a food additive. EFSA Journal.

Über die Autorin

Lisa Maria Emmer

Lisa Maria Emmer

Gründerin · Ärztin · Hormonic

Lisa Maria Emmer ist Mitgründerin und medizinische Leiterin bei Hormonic. Sie begleitet Frauen mit hormonellen Beschwerden tagtäglich und hat sich auf Zyklusgesundheit, PCOS und die Wechseljahre spezialisiert.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Studien, Reviews und behördlichen Bewertungen und wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Er dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche oder ernährungsmedizinische Beratung.

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