Quercetin ist ein gut untersuchtes Flavonoid mit Bezug zur Hormongesundheit. In Studien zeigt es entzündungshemmende, insulinbezogene und antiandrogene Eigenschaften. Entscheidend ist dabei weniger die reine Dosis als die Aufnahme und die Kombination mit anderen Pflanzenstoffen. Dieser Artikel erklärt, was die Forschung wirklich zeigt.
In der Sprechstunde zeigen mir Frauen oft ihre kleine Supplement-Sammlung, und fast immer ist ein hoch dosiertes Quercetin dabei. Meine erste Rückfrage lautet dann meistens: Wie gut wird es überhaupt aufgenommen? Denn die große Zahl auf der Dose sagt erstaunlich wenig darüber aus, wie viel davon wirklich in Deinen Zellen ankommt. Genau darum geht es in diesem Beitrag.
Quercetin gehört zu den am besten untersuchten Flavonoiden mit Bezug zur Hormongesundheit. In klinischen Studien wurden Effekte auf Androgene, Insulinsensitivität und Entzündungsmarker bei PCOS beobachtet. Zwei Dinge werden dabei oft übersehen: Quercetin wird allein nur schlecht aufgenommen, und es entfaltet sich am ehesten im Zusammenspiel mit anderen Pflanzenstoffen. Genau deshalb sagt die reine Milligramm-Zahl auf einer Verpackung weniger aus, als viele denken.
Was ist Quercetin?
Quercetin kommt in hohen Konzentrationen in vielen pflanzlichen Lebensmitteln vor. Über die Ernährung lässt sich der Quercetinstatus auf natürliche Weise unterstützen.
Kapern
~234 mg/100g
Dill getr.
~55 mg/100g
Rote Zwiebeln
~39 mg/100g
Grünkohl
~23 mg/100g
Oregano
~42 mg/100g
Äpfel m. Schale
~4 mg/100g
Was zeigen klinische Studien bei PCOS?
Zwischen 50 und 70 Prozent der Frauen mit PCOS weisen eine Insulinresistenz auf. Quercetin wird in diesem Kontext zunehmend erforscht, weil es über mehrere Mechanismen gleichzeitig ansetzen könnte.
Androgene und LH
Vaez et al. (2023) beobachteten Veränderungen bei Testosteron- und LH-Werten unter Quercetin bei PCOS-Patientinnen. Habiburrahman et al. (2023) berichten ebenfalls über hormonelle Marker-Veränderungen. Ob daraus klinisch relevante Effekte entstehen, wird weiter untersucht.
Vaez et al. 2023; Habiburrahman et al. 2023
AMPK und Glukoseaufnahme
Dhanya et al. (2022) beschreiben, dass Quercetin in experimentellen Modellen AMPK-Signalwege aktivieren und die Glukoseaufnahme beeinflussen könnte. Rezvan N et al. (2017) beobachteten Einflüsse auf Adiponectin-Rezeptoren und AMPK bei PCOS-Patientinnen.
Dhanya et al. 2022; Rezvan N et al. 2017
Zytokine und NF-kB
Mehrere Arbeiten beschreiben einen Einfluss auf entzündungsfördernde Zytokine wie TNF-alpha und IL-6, die bei PCOS häufig erhöht sind. Quercetin hemmt in experimentellen Modellen NF-kB-Signalwege.
Amiri et al. 2022; Gorczyca et al. 2022; Islam et al. 2022
Bakterielle Zusammensetzung
Bei PCOS treten häufig Veränderungen der Darmmikrobiota auf. In experimentellen Modellen wurde untersucht, ob Quercetin die bakterielle Zusammensetzung und Produktion kurzkettiger Fettsäuren beeinflusst. Vielversprechend, noch keine klinische Bestätigung.
Cani PD et al.
Einordnung der Evidenz
Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend, aber die Datenlage ist noch heterogen. Es gibt noch keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen für Quercetin. Allgemeingültige Therapieempfehlungen lassen sich aus den bisherigen Studien nicht ableiten. Weitere qualitativ hochwertige RCTs sind notwendig.
Bioverfügbarkeit: warum Milligramm nicht gleich Wirkung ist
Quercetin hat ein zentrales praktisches Problem: Es wird vom Körper nur schlecht aufgenommen. Die Bioverfügbarkeit von reinem Quercetin liegt niedrig, je nach Form unter 20 Prozent, und ein Großteil wird innerhalb weniger Tage wieder ausgeschieden (Andres et al. 2018). Das bedeutet: Eine hohe Zahl auf der Verpackung sagt wenig darüber aus, wie viel davon tatsächlich in deinen Zellen ankommt.
Genau hier liegt der entscheidende Punkt. Nicht die isolierte Milligramm-Menge ist ausschlaggebend, sondern wie gut der Stoff aufgenommen wird und mit welchen anderen Stoffen er kombiniert ist. Mehrere Faktoren verbessern die Aufnahme nachweislich:
| Maßnahme | Effekt | Beleg |
|---|---|---|
| Vitamin C kombinieren | Verbessert Plasmaspiegel messbar | Shafabakhsh et al. 2019 |
| Folat kombinieren | Erhöhte Aufnahme | Shafabakhsh et al. 2019 |
| Mit Fett einnehmen | Bessere Absorption (Olivenöl, Avocado) | Andres et al. 2018 |
| Regelmäßige Einnahme | Verbessert Bioverfügbarkeit über Zeit | Andres et al. 2018 |
| Andere Polyphenole | Synergistische Wirkung und bessere Aufnahme möglich | Shafabakhsh et al. 2019 |
Aus diesem Grund ergibt es mehr Sinn, Quercetin nicht als einzelnen Wirkstoff in hoher Dosis zu betrachten, sondern als einen Baustein in einem durchdachten Zusammenspiel mehrerer Pflanzenstoffe. Wie dieses Zusammenspiel aussieht, schauen wir uns als Nächstes an.
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Häufige Fragen zu Quercetin
Was macht Quercetin bei PCOS?
Wie viel Quercetin sollte man einnehmen?
Welche Lebensmittel enthalten viel Quercetin?
Hat Quercetin Nebenwirkungen?
Ist Quercetin dasselbe wie Apigenin?
Wissenschaftliche Quellen
- Andres S et al. (2018). Safety Aspects of the Use of Quercetin as a Dietary Supplement. Molecular Nutrition and Food Research.
- Rezvan N et al. (2017). Effects of Quercetin on Adiponectin-Mediated Insulin Sensitivity in Polycystic Ovary Syndrome: A Randomized Placebo-Controlled Double-Blind Study. Hormone and Metabolic Research.
- Vaez S et al. (2023). Quercetin and androgen markers in PCOS.
- Habiburrahman M et al. (2023). Quercetin effects on hormonal and metabolic markers in PCOS.
- Dhanya R et al. (2022). Quercetin and AMPK activation in experimental models of insulin resistance.
- Mantadaki AE et al. (2024). Quercetin supplementation and quality of life in patients with type 2 diabetes.
- Jian X et al. (2024). Efficacy and safety of dietary polyphenol administration in patients with PCOS: a meta-analysis and systematic review. Critical Reviews in Food Science and Nutrition.
- Unfer V et al. (2017). Myo-inositol effects in women with PCOS: a meta-analysis of randomized controlled trials. Endocrine Connections.
- Resveratrol in women with polycystic ovary syndrome: a systematic review and meta-analysis of randomized clinical trials (2023).
- Apigenin and polycystic ovary syndrome: a comprehensive review of phytochemical evidence. Frontiers in Endocrinology (2025).
- Shafabakhsh R et al. (2019). Bioavailability of quercetin and enhancement strategies.
- Amiri P et al. (2022). Quercetin and inflammatory cytokines.
- Gorczyca G et al. (2022). Quercetin in inflammatory signaling pathways.
- Islam T et al. (2022). Quercetin and cytokine profiles.
- Cani PD et al. Gut microbiota and metabolic health (review).
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