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Quercetin bei PCOS: Wirkung auf Hormone, Insulin und Entzündung
Mikronährstoffe22. Aug 20248 Min. Lesezeit

Quercetin bei PCOS: Wirkung auf Hormone, Insulin und Entzündung

Quercetin ist ein viel untersuchtes Flavonoide mit Relevanz für Hormongesundheit. Es zeigt in Studien antiandrogene, entzündungshemmende und insulinsensibilisierende Eigenschaften. Die Datenlage ist vielversprechend, aber noch heterogen. Dieser Artikel erklärt, was die Forschung wirklich zeigt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Quercetin ist ein Polyphenol das in Studien antiandrogene, entzündungshemmende und insulinsensibilisierende Eigenschaften zeigt.
  • Klinische Studien bei PCOS-Patientinnen zeigen Veränderungen bei Testosteron, LH und Insulinresistenz, die Datenlage ist aber noch heterogen.
  • In klinischen Studien wurden 500 mg bis 1 g pro Tag verwendet. Das sind Studienmengen, keine Einnahmeempfehlung.
  • Die Bioverfügbarkeit von Quercetin ist gering (unter 10%). Kombination mit Vitamin C, Folat oder fettreichen Mahlzeiten verbessert die Aufnahme.
  • Es gibt noch keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen für Quercetin. Weiterer Forschungsbedarf besteht.

Quercetin ist eines der am besten untersuchten Flavonoide mit Relevanz für Hormongesundheit. In klinischen Studien wurden Effekte auf Androgenspiegel, Insulinsensitivität und Entzündungsmarker bei PCOS-Patientinnen beschrieben. Die Datenlage ist vielversprechend, aber noch heterogen. Kein Wundermittel, aber ein gut erforschter Pflanzenstoff.

Was ist Quercetin?

Quercetin ist ein bioaktives Flavonoid aus der Gruppe der Polyphenole, eines der am häufigsten vorkommenden Pflanzenpigmente. Es wird in Studien zu Stoffwechsel- und Hormonprozessen, Entzündungssignalwegen und Darmmikrobiom-Interaktionen untersucht. Klinische Evidenz: vorhanden, aber heterogen.

Quercetin kommt in hohen Konzentrationen in vielen pflanzlichen Lebensmitteln vor. Durch regelmäßigen Verzehr kann der Quercetinstatus auf natürliche Weise unterstützt werden.

Kapern

~234 mg/100g

Dill getr.

~55 mg/100g

Rote Zwiebeln

~39 mg/100g

Grünkohl

~23 mg/100g

Oregano

~42 mg/100g

Äpfel m. Schale

~4 mg/100g

Was zeigen klinische Studien bei PCOS?

Zwischen 50 und 70 Prozent der Frauen mit PCOS weisen eine Insulinresistenz auf. Quercetin wird in diesem Kontext zunehmend erforscht, weil es über mehrere Mechanismen gleichzeitig ansetzen könnte.

Hormonstatus

Androgene und LH

Vaez et al. (2023) beobachteten Veränderungen bei Testosteron- und LH-Werten unter Quercetin bei PCOS-Patientinnen. Habiburrahman et al. (2023) berichten ebenfalls über hormonelle Marker-Veränderungen. Ob daraus klinisch relevante Effekte entstehen, wird weiter untersucht.

Vaez et al. 2023; Habiburrahman et al. 2023

Insulinsensitivität

AMPK und Glukoseaufnahme

Dhanya et al. (2022) beschreiben, dass Quercetin in experimentellen Modellen AMPK-Signalwege aktivieren und die Glukoseaufnahme beeinflussen könnte. Rezvan Neda et al. (2018) beobachteten Einflüsse auf Adiponectin-Rezeptoren und AMPK bei PCOS-Patientinnen.

Dhanya et al. 2022; Rezvan Neda et al. 2018

Entzündung

Zytokine und NF-κB

Mehrere Arbeiten beschreiben einen Einfluss auf entzündungsfördernde Zytokine wie TNF-α und IL-6, die bei PCOS häufig erhöht sind. Quercetin hemmt in experimentellen Modellen NF-κB-Signalwege.

Amiri et al. 2022; Gorczyca et al. 2022; Islam et al. 2022

Darmmikrobiom

Bakterielle Zusammensetzung

Bei PCOS treten häufig Veränderungen der Darmmikrobiota auf. In experimentellen Modellen wurde untersucht, ob Quercetin die bakterielle Zusammensetzung und Produktion kurzkettiger Fettsäuren beeinflusst. Vielversprechend, noch keine klinische Bestätigung.

Cani PD et al.

Einordnung der Evidenz

Die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend, aber die Datenlage ist noch heterogen. Es gibt noch keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen für Quercetin. Allgemeingültige Therapieempfehlungen lassen sich aus den bisherigen Studien nicht ableiten. Weitere qualitativ hochwertige RCTs sind notwendig.

Bioverfügbarkeit: Das wichtigste Problem

Die Bioverfügbarkeit von Quercetin ist gering — unter 10 Prozent ohne geeignete Maßnahmen. Das ist der wichtigste praktische Faktor bei der Einnahme.

Maßnahme Effekt Beleg
Vitamin C kombinieren Verbessert Plasmaspiegel messbar Shafabakhsh et al. 2019
Folat kombinieren Erhöhte Aufnahme Shafabakhsh et al. 2019
Mit Fett einnehmen Bessere Absorption (Olivenöl, Avocado) Andres et al. 2018
Regelmäßige Einnahme Verbessert Bioverfügbarkeit über Zeit Andres et al. 2018
Andere Flavonoide Synergistische Wirkung möglich Shafabakhsh et al. 2019

In klinischen Studien wurden 500 mg bis 1 g Quercetin pro Tag verwendet. Diese Angaben spiegeln Studienmengen wider und sind keine Einnahmeempfehlung. Ob und in welcher Form eine Supplementierung sinnvoll ist, sollte immer ärztlich besprochen werden.

Schon gewusst?

Quercetin kommt natürlicherweise in sehr hohen Mengen in roten Zwiebeln, Grünkohl, Dill und Kapern vor. Ein einziger Esslöffel getrockneter Dill enthält mehr Quercetin als viele Supplementkapseln mit Niedrigdosierung. Das ist kein Argument gegen Supplements, aber ein Argument dafür, die Ernährung als Basis zu verstehen.

Östrogenregulation und weitere Wirkfelder

Untersuchungen zu Quercetin und dem Östrogenhaushalt sind bislang widersprüchlich. Einige Arbeiten zeigen Effekte auf Follikelentwicklung und Östrogenmarker, andere dagegen gegenteilige Befunde. Wahrscheinlich ist die Wirkung abhängig vom hormonellen Ausgangszustand der Frau, was eine differenzierte Betrachtung notwendig macht.

Lebensqualität und Stimmung: Eine randomisierte Studie an Patientinnen mit Typ-2-Diabetes (Mantadaki et al., 2024) berichtete über Verbesserungen von Lebensqualitätsparametern wie Schlaf und Angstzuständen unter Quercetin-Supplementierung. Ob sich diese Ergebnisse auf PCOS übertragen lassen, ist bislang unklar, wird von vielen Frauen aber individuell ausprobiert.

Quercetin und Apigenin im Vergleich: Beide sind Flavonoide aus der Gruppe der Polyphenole, wirken aber über teilweise unterschiedliche Mechanismen. Quercetin gehört zu den Flavonolen und zeigt besonders starke antiinflammatorische und insulinsensibilisierende Eigenschaften. Apigenin gehört zu den Flavonen und wirkt stärker über androgene Rezeptoren sowie beruhigende GABA-Rezeptormechanismen. In Kombination ergänzen sie sich und sind deshalb beide in Cycle+ enthalten.

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Dosierung und praktische Anwendung

In klinischen Studien wurden Dosierungen zwischen 500 mg und 1 g Quercetin pro Tag verwendet. Die Dosierung von 1 g täglich wurde in Studien mit PCOS-Patientinnen eingesetzt und zeigte Verbesserungen der Stoffwechselfunktion und hormoneller Marker (Rezvan Neda et al., 2018). Eine weitere Studie mit Typ-2-Diabetes-Patientinnen verwendete 500 mg täglich (Mantadaki et al., 2024).

Diese Angaben spiegeln ausschließlich die in Studien verwendeten Mengen wider. Sie stellen keine Einnahmeempfehlung dar. Ob und in welcher Form eine Supplementierung sinnvoll ist, sollte immer ärztlich besprochen werden.

Einnahmezeitpunkt: Die meisten Studien geben keine klare Aussage über den besten Einnahmezeitpunkt. Da die Bioverfügbarkeit mit Fett und Vitamin C verbessert wird, empfiehlt sich die Einnahme zur Hauptmahlzeit.

Sicherheit: Quercetin gilt bei den in Studien verwendeten Mengen als gut verträglich. In sehr hohen Dosen können Magen-Darm-Beschwerden auftreten. In der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Medikamenteneinnahme ist ärztliche Rücksprache vor der Supplementierung notwendig.

Was Quercetin nicht kann

Quercetin ist kein PCOS-Medikament und ersetzt keine ärztlich geleitete Behandlung. Es gibt keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen für Quercetin in der EU. Allgemeingültige Therapieempfehlungen lassen sich aus den bisherigen Studien nicht ableiten, weil:

Die meisten positiven Studien klein und kurz sind, oft unter sechs Monaten. Viele Ergebnisse stammen aus experimentellen Modellen, nicht aus RCTs am Menschen. Die Datenlage zur Östrogenregulation ist widersprüchlich. Langzeitdaten zur Sicherheit fehlen weitgehend.

Das bedeutet nicht, dass Quercetin wirkungslos ist, sondern dass die Forschung noch nicht abgeschlossen ist. Es ist ein gut erforschter Pflanzenstoff mit biologisch plausiblen Mechanismen, der im Rahmen einer umfassenden Strategie sinnvoll sein kann, aber kein Ersatz für Lebensstilanpassungen, Insulinmanagement oder medizinische Behandlung.

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Das Wichtigste zusammengefasst

  • Quercetin ist ein Polyphenol mit antiandrogenen, entzündungshemmenden und insulinsensibilisierenden Eigenschaften in Studien.
  • Klinische Daten bei PCOS zeigen Effekte auf Testosteron, LH, Insulinresistenz und Entzündungsmarker. Die Datenlage ist aber noch heterogen.
  • Die Bioverfügbarkeit ist gering (unter 10%). Kombination mit Vitamin C, Folat oder fettreichen Mahlzeiten verbessert die Aufnahme.
  • Studienmengen lagen bei 500 mg bis 1 g täglich. Das sind keine Einnahmeempfehlungen.
  • Es gibt noch keine zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen. Quercetin ersetzt keine ärztliche Behandlung.
  • Beste natürliche Quellen: Kapern, Dill, rote Zwiebeln, Grünkohl, Oregano, Äpfel mit Schale.

Häufige Fragen zu Quercetin

Was macht Quercetin bei PCOS?

In klinischen Studien wurden Effekte auf Androgenmarker wie Testosteron und LH, auf Insulinresistenz und auf Entzündungsparameter beschrieben. Quercetin aktiviert in experimentellen Modellen Insulinsignalwege wie AMPK, hemmt entzündliche Zytokine und beeinflusst Adiponectin-Rezeptoren. Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber die Datenlage ist noch heterogen. Allgemeingültige Therapieaussagen lassen sich daraus noch nicht ableiten.

Wie viel Quercetin sollte man einnehmen?

In klinischen Studien wurden 500 mg bis 1 g pro Tag verwendet. Diese Angaben spiegeln Studienmengen wider und sind keine Einnahmeempfehlung. Ob und in welcher Form eine Supplementierung sinnvoll ist, sollte immer ärztlich besprochen werden. Die Bioverfügbarkeit ist gering und wird durch Kombination mit Vitamin C, Folat oder fettreichen Mahlzeiten verbessert.

Welche Lebensmittel enthalten viel Quercetin?

Die reichhaltigsten Quellen sind Kapern, Dill, rote Zwiebeln, Grünkohl, Oregano, Äpfel mit Schale, Cranberries, Kirschen, Spinat und Spargel. Durch regelmäßigen Verzehr dieser Lebensmittel kann der Quercetinspiegel auf natürliche Weise unterstützt werden.

Hat Quercetin Nebenwirkungen?

In klinischen Studien mit 500 mg bis 1 g täglich wurde Quercetin als gut verträglich beschrieben. In sehr hohen Dosen können Magen-Darm-Beschwerden auftreten. In der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Einnahme von Medikamenten sollte vor einer Supplementierung ärztlich Rücksprache gehalten werden.

Ist Quercetin dasselbe wie Apigenin?

Nein, beides sind Flavonoide aus der Gruppe der Polyphenole, aber mit unterschiedlichen chemischen Strukturen und Wirkprofilen. Quercetin gehört zur Untergruppe der Flavonole, Apigenin zu den Flavonen. Beide zeigen entzündungshemmende und hormonrelevante Eigenschaften, wirken aber über teilweise unterschiedliche Mechanismen. Hormonic Cycle+ enthält beide Wirkstoffe.

Wissenschaftliche Quellen

  • Habiburrahman M et al. (2023). Quercetin effects on hormonal and metabolic markers in PCOS.
  • Dhanya R et al. (2022). Quercetin and AMPK activation in experimental models of insulin resistance.
  • Rezvan Neda et al. (2018). Quercetin effects on adiponectin receptors and AMPK activity in PCOS patients.
  • Vaez S et al. (2023). Quercetin and androgen markers in PCOS.
  • Mantadaki AE et al. (2024). Quercetin supplementation and quality of life in type 2 diabetes.
  • Amiri P et al. (2022). Quercetin and inflammatory cytokines.
  • Gorczyca G et al. (2022). Quercetin in inflammatory signaling pathways.
  • Islam T et al. (2022). Quercetin and cytokine profiles.
  • Cani PD et al. Gut microbiota changes in PCOS.
  • Shafabakhsh R et al. (2019). Bioavailability of quercetin and enhancement strategies.
  • Andres S et al. (2018). Quercetin bioavailability and safety.

Über die Autorin

Lisa Maria Emmer

Ärztin & Medizinische Leiterin · Hormonic

Lisa Maria Emmer ist Mitgründerin und medizinische Leiterin bei Hormonic. Sie begleitet Frauen mit hormonellen Beschwerden tagtäglich und hat sich auf Zyklusgesundheit, PCOS und die Wechseljahre spezialisiert.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei bestehenden Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder Stillzeit sowie bei der Einnahme von Medikamenten sollte vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ärztliche Rücksprache gehalten werden.

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