
Aminosäure·Hormonic Base
L‑Glycin
Nicht-essentielle Aminosäure, die Bestandteil zahlreicher Proteine ist – besonders reichlich in Kollagen.
L-Glycin ist die kleinste und strukturell einfachste der proteinogenen Aminosäuren. Sie zählt zu den nicht-essenziellen Aminosäuren, weil der menschliche Körper sie selbst aus Vorstufen wie Serin und Threonin synthetisieren kann. Trotz dieser Eigensynthese kann der tatsächliche Bedarf in bestimmten Lebensphasen oder bei erhöhter Beanspruchung über die endogene Produktion hinausgehen.
Glycin ist Bestandteil zahlreicher Proteine, besonders reichlich in Kollagen – jede dritte Aminosäure im Kollagenmolekül ist Glycin. Nahrungsquellen sind dementsprechend vor allem proteinreiche, kollagenhaltige Lebensmittel: Knochenbrühe, Hühnerhaut, Schweineschwarte, Gelatine sowie bindegewebsreiche Fleischstücke. Auch in Hülsenfrüchten und einigen Samen ist Glycin enthalten, jedoch in geringerer Konzentration. Der heutige Konsum von magerem Muskelfleisch und der weitgehende Verzicht auf bindegewebsreiche Schlachtteile haben dazu geführt, dass die durchschnittliche Glycinaufnahme in modernen Ernährungsweisen tendenziell niedriger ausfällt als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Als Nahrungsergänzungsmittel wird Glycin typischerweise als Pulver oder in Kapseln angeboten. Im Pulver hat Glycin einen leicht süßlichen Geschmack, weshalb es sich gut in Getränken auflöst. Die eingesetzten Dosierungen variieren je nach Anwendungsziel und reichen von wenigen Gramm bis in den einstelligen Grammbereich.
Im wissenschaftlichen Kontext wird Glycin im Zusammenhang mit Proteinsynthese, Bindegewebsstrukturen und neurochemischer Signalübertragung untersucht. Im zentralen Nervensystem wirkt Glycin sowohl als inhibitorischer Neurotransmitter als auch als Co-Agonist am NMDA-Rezeptor. Im Bereich Schlaf und Regeneration existieren Humanstudien, die subjektive Schlafparameter wie Einschlafqualität und Erholungsempfinden betrachten – die Datenlage ist jedoch weniger umfangreich als bei klassischen Mikronährstoffen. In üblichen Mengen gilt Glycin als gut verträglich. In der EU sind derzeit keine spezifischen gesundheitsbezogenen Aussagen für Glycin zugelassen.
Wirkmechanismus
Glycin wirkt im zentralen Nervensystem als inhibitorischer Neurotransmitter (Glycin-Rezeptoren) und gleichzeitig als Co-Agonist an NMDA-Rezeptoren. Periphär ist es unverzichtbar für die Kollagensynthese (jede dritte Aminosäure im Kollagen ist Glycin) und Bestandteil des Glutathion-Tripeptids.
Quellen
Studienlage:
- Antiinflammatory immunomodulatory and cytoprotective effects of L-Glycine: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12589194/
- Glycine ingestion before bedtime improves sleep quality: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22293292/
- Beneficial effects of Glycine (Review): https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28337245/
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