Bioidentische Hormone erleben gerade ein Revival. Der Begriff klingt nach natürlicher Alternative, ist aber medizinisch nicht so eindeutig, wie er wirkt. Dieser Guide erklärt, was bioidentische Hormone wirklich sind, wo sie sich von synthetischen Hormonen unterscheiden, was die Studienlage zeigt und für wen eine Hormontherapie sinnvoll ist.
Bioidentische Hormone sind gerade überall. In Podcasts, auf Instagram, in Arztpraxen, die sich auf menopausale Medizin spezialisiert haben. Gleichzeitig gibt es viel Verwirrung darüber, was der Begriff wirklich bedeutet, was zugelassen ist und was die Forschung zeigt. Dieser Guide räumt auf.
Was sind bioidentische Hormone genau?
Der Begriff ist medizinisch nicht geschützt. Jede Klinik, jede Apotheke und jeder Anbieter kann ihn verwenden. Das führt zu Verwirrung, denn unter "bioidentische Hormone" werden zwei sehr unterschiedliche Dinge verstanden:
Kategorie 1
Zugelassene Fertigarzneimittel
Estrogel, Gynokadin Gel, Lenzetto (Östradiol), Utrogest, Progestan (mikronisiertes Progesteron). Standardisiert, in Apotheken erhältlich, von Leitlinien empfohlen. Das ist evidenzbasierte Medizin.
Kategorie 2
Compoundierte Individualrezepturen
Von Spezialapotheken individuell hergestellt, oft auf Basis von Speicheltests. Nicht standardisiert, keine Zulassungsstudien. Von AWMF, IMS und ACOG ausdrücklich nicht empfohlen.
Wenn deine Ärztin dir also Estrogel und Utrogest verschreibt, nimmst du bereits bioidentische Hormone. Das ist kein alternativer Ansatz, das ist moderne Menopausenmedizin nach aktuellem Leitlinienstandard.
Der entscheidende Unterschied: bioidentisch vs. synthetisch
| Wirkstoff | Bioidentisch | Synthetisch |
|---|---|---|
| Östrogen | 17-beta-Östradiol (Estrogel, Pflaster, Spray) | Konjugierte equine Östrogene (z. B. Premarin, heute selten) |
| Gestagen | Mikronisiertes Progesteron (Utrogest, Progestan) | MPA, Norethisteronacetat, Levonorgestrel u. a. |
| Thromboserisiko | Transdermal: kein erhöhtes Risiko | Oral: leicht erhöhtes Risiko |
| Brustkrebsrisiko | Mikronisiertes Progesteron: kein signifikanter Anstieg (E3N) | Bestimmte synthetische Gestagene: leicht erhöhtes Risiko |
Die E3N-Kohortenstudie aus Frankreich mit knapp 100.000 Frauen ist in diesem Zusammenhang besonders relevant: Sie zeigte, dass eine Kombination aus transdermalem Östradiol und mikronisiertem Progesteron im Gegensatz zu synthetischen Gestagenen keinen signifikanten Anstieg des Brustkrebsrisikos mit sich brachte. Das ist ein wichtiger Hinweis, aber kein abschließender Beweis, weil Kohortenstudien keine Kausalität belegen können.
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Häufige Fragen zu bioidentischen Hormonen
Was ist der Unterschied zwischen bioidentischen und synthetischen Hormonen?
Sind bioidentische Hormone sicherer als normale HRT?
Welche bioidentischen Hormone sind in Deutschland zugelassen?
Wann ist eine Hormontherapie in den Wechseljahren sinnvoll?
Was sind compoundierte bioidentische Hormone und warum sind sie problematisch?
Kann man bioidentische Hormone ohne Rezept kaufen?
Wissenschaftliche Quellen
- AWMF S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause. (2020). AWMF-Registernummer 015-062. DOI: 10.1055/a-1296-3480
- Fournier A, Berrino F, Clavel-Chapelon F. (2008). Unequal risks for breast cancer associated with different hormone replacement therapies: results from the E3N cohort study. Breast Cancer Research and Treatment, 107(1):103-111. DOI: 10.1007/s10549-007-9523-x
- Canonico M, Oger E, Plu-Bureau G et al. (2007). Hormone therapy and venous thromboembolism among postmenopausal women: impact of the route of estrogen administration and progestogens: the ESTHER study. Circulation, 115(7):840-845. DOI: 10.1161/CIRCULATIONAHA.106.642280
- Rossouw JE et al. (2002). Risks and benefits of estrogen plus progestin in healthy postmenopausal women: principal results from the Women's Health Initiative randomized controlled trial. JAMA, 288(3):321-333. DOI: 10.1001/jama.288.3.321
- Baber RJ, Panay N, Fenton A; IMS Writing Group. (2016). 2016 IMS Recommendations on women's midlife health and menopause hormone therapy. Climacteric, 19(2):109-150. DOI: 10.3109/13697137.2015.1129166
- de Villiers TJ et al. (2022). EMAS and IMS 2022 updated recommendations on postmenopausal hormone therapy and preventive strategies for midlife health. Maturitas, 165:90-99. DOI: 10.1016/j.maturitas.2022.09.001
- Römer T, Henningsen M, Kiechle M et al. (2024). Eine zeitgemäße Sicht auf die Therapieoptionen in den Wechseljahren. Frauenarzt Sonderpublikation 65.
- Stute P et al. (2021). Individualized hormone replacement therapy: an update. Climacteric, 24(1):1-8. DOI: 10.1080/13697137.2020.1789131
- The Menopause Society. (2022). Hormone therapy position statement. Menopause, 29(7):767-794. DOI: 10.1097/GME.0000000000002028
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