Als ich die Metaanalyse von Viscardi und Kollegen zum ersten Mal gelesen habe, musste ich zweimal hinschauen. 40 randomisierte Studien, 3.285 Frauen nach der Menopause, und Soja-Isoflavone veränderten den Estradiolspiegel nicht messbar. Dabei steht Soja auf fast jeder Liste, die verspricht, Östrogen auf natürliche Weise zu erhöhen.
Diese Studie bringt das Kernproblem auf den Punkt. „Östrogen erhöhen“ klingt nach einer einzigen Aufgabe, ist aber eigentlich drei: Du kannst die körpereigene Produktion wieder anschalten, Du kannst die Wirkung am Rezeptor sanft nachahmen, oder Du kannst Östrogen von außen ersetzen. Welcher Weg für Dich sinnvoll ist, entscheidet die Ursache, nicht die nächstbeste Liste aus dem Internet. In diesem Artikel ordne ich Dir alle drei Wege ehrlich ein, mit Studienlage, konkreten Zahlen und dem Punkt, an dem Du ärztliche Hilfe brauchst.
Kann man Östrogen natürlich erhöhen?
Ja, aber nur, wenn Deine Eierstöcke grundsätzlich noch arbeiten und eine äußere Bremse den Spiegel drückt. Das ist bei jungen Frauen mit Energiemangel, viel Sport, starkem Stress oder nach dem Absetzen der Pille häufig der Fall. Hier lässt sich die eigene Östrogenproduktion durch den Lebensstil tatsächlich wieder hochfahren.
Gesteuert wird diese Produktion über die HPO-Achse, die Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse. Der Hypothalamus im Gehirn prüft laufend, ob genug Energie, Ruhe und Sicherheit vorhanden sind. Fällt diese Prüfung positiv aus, sendet er in regelmäßigen Pulsen das Hormon GnRH. Die Hypophyse antwortet mit LH und FSH, und erst diese Signale bringen die Eierstöcke dazu, Östradiol zu bilden. Natürliche Maßnahmen setzen also nicht an den Eierstöcken an, sondern an den Bedingungen, unter denen Dein Gehirn grünes Licht gibt.
Anders ist es in den Wechseljahren. Ab der Perimenopause, den Jahren vor der letzten Regelblutung, nimmt der Vorrat an Eibläschen ab, und die Eierstöcke bilden Schritt für Schritt weniger Östrogen. Das ist ein natürlicher Prozess, den keine Ernährung umkehren kann. Hier geht es darum, Beschwerden zu lindern und Knochen, Herz und Schleimhäute zu schützen. Ob bei Dir überhaupt ein Mangel vorliegt und woran Du ihn erkennst, erklären wir ausführlich im Artikel zu Östrogenmangel: Symptome und Ursachen.
Östrogen erhöhen je nach Ursache: Welcher Weg zu Dir passt
Der richtige Weg hängt davon ab, ob eine äußere Bremse wirkt oder die Eierstöcke selbst weniger Östrogen bilden. Der häufigste Fehler beim Thema Östrogenmangel ist, alle Ursachen über einen Kamm zu scheren. Die Tabelle ordnet die typischen Situationen danach, was den Spiegel tatsächlich anhebt.
Ein einzelner Estradiolwert sagt übrigens wenig, denn Östrogen schwankt im Zyklus und in der Perimenopause stark. Aussagekräftig wird er erst zusammen mit Zyklusverlauf, Lebensphase und weiteren Werten wie FSH oder AMH. Wie Du Deine Werte sinnvoll testen lässt, zeigt unser Guide zum Hormonstatus.
Energieverfügbarkeit: Der stärkste natürliche Hebel
Bekommt Dein Körper dauerhaft zu wenig Energie, fährt er die Östrogenproduktion als Erstes herunter. Fachleute sprechen von Energieverfügbarkeit: der Energie, die nach Abzug Deines Trainings für Hormone, Immunsystem und Stoffwechsel übrig bleibt.
Wie empfindlich dieses System reagiert, zeigt ein klassisches Experiment von Loucks und Thuma aus dem Jahr 2003, eine grundlegende Studie, die bis heute zitiert wird. Bei regelmäßig menstruierenden Frauen blieb der LH-Puls stabil, solange die Energieverfügbarkeit bei 30 kcal pro Kilogramm fettfreier Masse und Tag lag. Darunter geriet der Takt aus dem Gleichgewicht. Hält dieser Zustand an, kann die Periode ganz ausbleiben. Man spricht dann von einer funktionellen hypothalamischen Amenorrhoe.
Das Konsensuspapier des Internationalen Olympischen Komitees zum Energiedefizit im Sport, kurz REDs (Mountjoy et al., 2023), betont zwei Punkte, die auch für Frauen ohne Leistungssport gelten. Erstens wirkt Energiemangel auf einem Kontinuum: Nicht jede Diät ist ein Problem, ein anhaltendes Defizit aber schon. Zweitens spielen Kohlenhydrate eine eigene Rolle. In Studien störten kohlenhydratarme Ernährungsformen die Reproduktionshormone selbst dann, wenn die Kalorienmenge stimmte.
Als Orientierung für eine gesunde Hormonachse gelten etwa 45 kcal pro Kilogramm fettfreier Masse und Tag. Ein Beispiel: Wiegst Du 65 Kilogramm bei 25 Prozent Körperfett, hast Du rund 49 Kilogramm fettfreie Masse. Daraus ergeben sich etwa 2.190 kcal pro Tag, und zwar zusätzlich zu dem, was Du beim Training verbrauchst. Für viele Frauen, die „gesund und eher wenig“ essen, ist das deutlich mehr als gedacht.
Die Leitlinie der Endocrine Society zur funktionellen hypothalamischen Amenorrhoe (Gordon et al., 2017) setzt deshalb genau hier an: zuerst das Energiedefizit ausgleichen, die Trainingslast anpassen und psychischen Stress angehen. Erst wenn das nicht reicht, kommen Hormone ins Spiel.
Natürliche Maßnahmen schalten keine Hormone ein. Sie schaffen die Bedingungen, unter denen Dein Gehirn der Östrogenproduktion wieder grünes Licht gibt.
Körperfett, Leptin und Östrogen: Warum Dein Gewicht mitredet
Ein sehr niedriger Körperfettanteil drückt den Östrogenspiegel, ein hoher hebt ihn an, aber keines von beidem ist ein gutes Ziel. Fettgewebe ist hormonell aktiv. Es enthält das Enzym Aromatase, das männliche Hormonvorstufen, die Androgene, in Östrogene umwandelt. Im fruchtbaren Alter stammt der Großteil des Estradiols zwar aus den Eierstöcken, nach der Menopause wird das Fettgewebe aber zur wichtigsten Östrogenquelle des Körpers.
Bei jungen Frauen ist ein sehr niedriger Körperfettanteil vor allem ein Signal für Energiemangel. Übermittelt wird dieses Signal unter anderem über Leptin, ein Hormon, das Fettzellen abgeben und das dem Gehirn meldet, wie gut die Energiespeicher gefüllt sind. Sinkt Leptin stark, dämpft der Hypothalamus die Hormonachse. Entscheidend ist laut REDs-Konsens deshalb die Energiezufuhr und nicht eine bestimmte Zahl auf der Körperfettwaage.
Umgekehrt ist mehr Körperfett kein sinnvoller Weg, Östrogen zu erhöhen. Überschüssiges Bauchfett geht mit Insulinresistenz und einem höheren Risiko für hormonabhängige Erkrankungen einher. Das Ziel ist die gesunde Mitte: genug Energie für Deinen Zyklus, kombiniert mit Muskelaufbau. Krafttraining erhöht Östrogen zwar nicht direkt, stärkt aber genau die Knochen und Muskeln, die unter einem sinkenden Östrogenspiegel leiden.
Stress und Schlaf: Wie Cortisol die Östrogenachse bremst
Dauerstress kann die Östrogenproduktion drosseln, weil das Stresshormon CRH die GnRH-Pulse im Hypothalamus hemmt. Die Stressachse und die Hormonachse teilen sich im Gehirn gewissermaßen eine Schaltzentrale. Läuft die Stressachse dauerhaft auf Hochtouren, wird Fortpflanzung aus Sicht des Körpers zur Nebensache, und die Signale an die Eierstöcke werden leiser.
Schlaf ist dabei mehr als Erholung. Ein großer Teil der hormonellen Pulse folgt einem Tag-Nacht-Rhythmus. Kurze Nächte und ständig wechselnde Schlafzeiten bringen diesen Rhythmus durcheinander, besonders in Kombination mit Kaloriendefizit und intensivem Training.
Dass sich hier wirklich etwas bewegen lässt, zeigt eine kleine, aber bemerkenswerte randomisierte Studie von Berga und Kollegen (2003). Frauen mit funktioneller hypothalamischer Amenorrhoe erhielten entweder kognitive Verhaltenstherapie oder wurden nur beobachtet. In der Therapiegruppe nahmen 7 von 8 Frauen ihre Eierstockaktivität ganz oder teilweise wieder auf, in der Beobachtungsgruppe 2 von 8. Mit 16 Teilnehmerinnen ist die Studie klein, die Endocrine Society nennt Verhaltenstherapie aber ausdrücklich als Baustein der Behandlung.
Im Alltag helfen vor allem einfache, konsequente Routinen: Tageslicht innerhalb der ersten halben Stunde nach dem Aufstehen, eine feste Aufstehzeit auch am Wochenende, sieben bis neun Stunden Schlaf und Trainingswochen mit bewusst weniger Intensität. Intervallfasten ist in einer Phase mit Energiemangel kein guter Begleiter, regelmäßige Mahlzeiten sind hier die bessere Wahl.
Lebensmittel mit natürlichem Östrogen: Was Phytoöstrogene wirklich leisten
Lebensmittel mit echtem Östrogen gibt es nicht. Soja, Rotklee oder Leinsamen enthalten Phytoöstrogene: Pflanzenstoffe, die dem Estradiol strukturell ähneln und schwach an Östrogenrezeptoren binden. Ihre Wirkung hängt vom Umfeld ab. Ist wenig körpereigenes Östrogen vorhanden, können sie an manchen Geweben leicht östrogenartig wirken, an anderen eher bremsend. Fachleute vergleichen das mit selektiven Östrogenrezeptor-Modulatoren.
Was sie nicht tun, zeigt die bisher umfassendste Auswertung. In der Metaanalyse von Viscardi und Kollegen (Advances in Nutrition, 2025) mit 40 randomisierten Studien und 3.285 Frauen nach der Menopause veränderten Soja-Isoflavone weder den Estradiolspiegel noch FSH, die Gebärmutterschleimhaut oder die Scheidenschleimhaut messbar. Wer Phytoöstrogene isst, um einen Laborwert zu verändern, wird also enttäuscht. Wer sie nutzt, um Beschwerden in den Wechseljahren zu lindern, hat bessere Karten.
Die wichtigsten Quellen im Überblick
Geröstete Sojabohnen und Sojamehl: mit rund 150 mg Isoflavonen pro 100 g die konzentriertesten Quellen (USDA-Datenbank).
Grüne Sojabohnen (Edamame): roh rund 49 mg Isoflavone pro 100 g.
Miso: rund 41 mg pro 100 g, allerdings meist in kleinen Mengen gegessen.
Tofu, Tempeh und Sojadrink: mittlere Mengen, die je nach Herstellung stark schwanken.
Rotklee: enthält die Vorstufen Formononetin und Biochanin A, die im Körper zu Daidzein und Genistein werden. Er wird meist als standardisierter Extrakt verwendet.
Leinsamen: kaum Isoflavone, dafür die reichste Quelle für Lignane, eine zweite Gruppe von Phytoöstrogenen, deren Effekte beim Menschen noch wenig belegt sind.
Kichererbsen, Linsen und Sesam: nur geringe Mengen. Sie lohnen sich eher wegen Ballaststoffen und Eiweiß.
Rotklee und Soja in den Wechseljahren: Was Studien zeigen
In den Wechseljahren können Isoflavone Hitzewallungen moderat lindern, auch wenn sie den Östrogenspiegel nicht anheben. Am besten untersucht ist Rotklee. Eine Metaanalyse von Kanadys und Kollegen (Nutrients, 2021) mit acht randomisierten Studien und 1.043 Frauen fand, dass Rotklee-Extrakt die Zahl der Hitzewallungen im Vergleich zu Placebo im Schnitt um etwa 1,7 pro Tag senkte. Nach zwölf Wochen lag der Unterschied bei rund zwei Hitzewallungen täglich.
Auch die deutschsprachige Medizin sieht Isoflavone als Option. In der Konsultationsfassung der aktualisierten S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause (AWMF, 2026) heißt es, dass Isoflavone Frauen mit Hitzewallungen und Schweißausbrüchen angeboten werden können. Das ist eine Kann-Empfehlung, also schwächer als die Empfehlung zur Hormontherapie, aber ein klares Signal, dass Isoflavone ihren Platz haben.
Zur Ehrlichkeit gehört auch die Gegenstimme. Die nordamerikanische Menopause-Gesellschaft bewertet die Studienlage in ihrem Positionspapier von 2023 strenger und empfiehlt Soja und Rotklee nicht routinemäßig, weil die Ergebnisse zwischen den Studien stark schwanken. Ein Grund dafür ist der Equol-Effekt: Nicht jeder Darm verarbeitet Isoflavone gleich. Ein realistischer Test sind deshalb zwölf Wochen. Spürst Du bis dahin keinen Unterschied, gehörst Du vermutlich zu den Frauen, bei denen Isoflavone wenig ausrichten.
Aus genau diesen Gründen setzen wir in der Midlife Formula auf Isoflavone aus Rotklee. Ergänzt werden sie durch affron® Safran und L-Theanin, die in Studien im Zusammenhang mit Stimmung und innerer Ruhe untersucht wurden. Ein Hinweis zur Sicherheit: Wenn Du eine hormonabhängige Erkrankung hast oder hattest, etwa Brustkrebs, sprich vor der Einnahme von Isoflavon-Präparaten mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.
Wenn Dein Östrogen niedrig ist, zählen zwei Dinge: eine stabile Hormonregulation und starke Knochen. Hormonic Base liefert dafür 16 Mikronährstoffe in einer Formel, darunter Vitamin B6, das zur Regulierung der Hormontätigkeit beiträgt, sowie Vitamin D, Magnesium und Zink, die zur Erhaltung normaler Knochen beitragen.
Mikronährstoffe bei niedrigem Östrogen: Hormontätigkeit und Knochen absichern
Mikronährstoffe heben Estradiol nicht an, sie sichern aber zwei Dinge ab, die bei niedrigem Östrogen auf dem Spiel stehen: die hormonelle Regulation und Deine Knochen. Östrogen bremst im Körper den Knochenabbau. Fehlt es über Monate oder Jahre, verliert der Knochen schneller an Dichte, und genau deshalb raten Leitlinien bei jungen Frauen mit Östrogenmangel zu einer zügigen Abklärung.
Hier kommt der indirekte Weg ins Spiel. Vitamin D, Magnesium und Zink tragen laut EU-Zulassung zur Erhaltung normaler Knochen bei, Vitamin D zusätzlich zu einer normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium. Vitamin B6 ist der einzige Mikronährstoff mit der zugelassenen Aussage, zur Regulierung der Hormontätigkeit beizutragen, und hilft außerdem, Müdigkeit und Ermüdung zu verringern. Zink trägt zu einer normalen Fruchtbarkeit und Reproduktion bei, Selen zu einer normalen Schilddrüsenfunktion. Das ist relevant, weil eine Unterfunktion der Schilddrüse den Zyklus ebenfalls aus dem Takt bringen kann, mehr dazu im Artikel zu Östrogenmangel und Schilddrüse.
Magnesium trägt darüber hinaus zu einer normalen Funktion des Nervensystems und zur normalen psychischen Funktion bei. Ob das über eine ruhigere Stressachse auch die Hormonachse entlastet, ist plausibel, aber noch nicht direkt belegt. Und weil Östrogen aus Cholesterin gebildet wird, gilt für die Ernährung: Fette nicht aus Angst vor Kalorien streichen. Nüsse, Olivenöl, Avocado und fetter Fisch gehören auf den Teller.
In Hormonic Base haben wir 16 Mikronährstoffe in einer Formel kombiniert, darunter Vitamin B6, Vitamin D3, Zink, Selen, Folat und Magnesium als Komplex aus Bisglycinat, Malat und Citrat, also drei gut verwertbaren organischen Formen. Sie ersetzt keine ausreichende Energiezufuhr, schließt aber die Lücken, die bei Stress, Sport und einseitiger Ernährung schnell entstehen.
Darm und Estrobolom: Ein junges Forschungsfeld
Dein Darm beeinflusst, wie viel Östrogen im Umlauf bleibt, die Studienlage dazu ist aber noch überwiegend theoretisch. Als Estrobolom bezeichnet man die Gesamtheit der Darmbakterien, die Östrogen verstoffwechseln können. Über das Enzym Beta-Glucuronidase können sie bereits zur Ausscheidung vorbereitetes Östrogen wieder aktivieren, sodass es erneut ins Blut gelangt.
Daraus folgt nicht, dass ein bestimmtes Probiotikum Deinen Östrogenspiegel anhebt. Ein solcher direkter Effekt ist beim Menschen nicht belegt. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit Gemüse, Hülsenfrüchten und fermentierten Lebensmitteln schadet aber nicht, und sie unterstützt nebenbei die Bakterien, die Isoflavone zu Equol umbauen.
Hormontherapie: Wann Östrogen von außen der richtige Weg ist
Wenn die Eierstöcke selbst kaum noch Östrogen bilden, ist eine Hormontherapie der einzige Weg, den Spiegel tatsächlich anzuheben. Das betrifft vor allem die Wechseljahre und die vorzeitige Ovarialinsuffizienz.
Für die Perimenopause formuliert die Konsultationsfassung der S3-Leitlinie (AWMF, 2026) deutlich: Frauen mit Hitzewallungen und Schweißausbrüchen soll eine Hormontherapie angeboten werden. Moderne Therapien setzen meist auf Östradiol als Gel oder Pflaster über die Haut, kombiniert mit Progesteron, wenn die Gebärmutter noch vorhanden ist. Nutzen und Risiken haben wir in unserem Artikel zur Hormonersatztherapie in den Wechseljahren ausführlich gegenübergestellt.
Bei einer vorzeitigen Ovarialinsuffizienz, also wenn die Eierstöcke schon vor dem 40. Lebensjahr ihre Arbeit weitgehend einstellen, empfiehlt die Leitlinie eine Hormontherapie bis zum durchschnittlichen Menopausenalter von etwa 50 bis 52 Jahren, sofern nichts dagegen spricht. Hier geht es nicht um Komfort, sondern um den Schutz von Knochen, Herz und Gefäßen. Und bei Scheidentrockenheit, einer der häufigsten Folgen von Östrogenmangel, soll laut Leitlinie eine lokale Östrogentherapie angeboten werden. Sie wirkt fast nur dort, wo sie aufgetragen wird, mehr dazu im Artikel zu Libidoverlust und Scheidentrockenheit.
Natürlich und medizinisch schließen sich dabei nicht aus. Energie, Schlaf, Krafttraining und eine gute Nährstoffversorgung bleiben auch unter einer Hormontherapie das Fundament.
Was Du ab heute tun kannst
Iss genug: Prüfe ehrlich, ob Deine Energiezufuhr zu Deinem Training passt, und plane Kohlenhydrate rund um das Training ein.
Iss regelmäßig: Drei Mahlzeiten statt langer Fastenphasen, solange Dein Zyklus unregelmäßig ist.
Dosiere Dein Training: Weniger hochintensive Einheiten, dafür Krafttraining und bewusste Erholungswochen.
Schütze Deinen Schlaf: Feste Aufstehzeit, Morgenlicht und sieben bis neun Stunden Schlaf.
Teste Phytoöstrogene gezielt: In den Wechseljahren zwölf Wochen lang Soja oder Rotklee ausprobieren und Hitzewallungen notieren.
Sichere Deine Knochen ab: Vitamin D, Calcium, Magnesium und Eiweiß im Blick behalten.
Wann Du ärztlich abklären lassen solltest
Ein Östrogenmangel ist kein reines Lifestyle-Thema, wenn er lange anhält oder früh beginnt. Lass Dich ärztlich untersuchen, wenn einer dieser Punkte auf Dich zutrifft:
Deine Periode bleibt länger als drei Monate aus, ohne Schwangerschaft, Stillzeit oder hormonelle Verhütung.
Du hast vor Deinem 40. Geburtstag Hitzewallungen, Scheidentrockenheit oder starke Zyklusstörungen.
Du verlierst ungewollt Gewicht und Dein Zyklus wird gleichzeitig unregelmäßig.
Du hattest einen Knochenbruch nach einem leichten Sturz oder es besteht der Verdacht auf Osteoporose.
Beschwerden in den Wechseljahren bestimmen Deinen Alltag.
Wenn Du unsicher bist, wo Du anfangen sollst, kannst Du Deine Situation in einem kostenlosen 15-minütigen Erstgespräch mit einer unserer Ärztinnen einordnen lassen, ganz unverbindlich und mit Raum für all Deine Fragen.
Die Midlife Formula vereint Isoflavone aus Rotklee, die Pflanzenstoffgruppe, die in Studien zu den Wechseljahren am häufigsten untersucht wurde, mit affron® Safran und L-Theanin. Neun Wirkstoffe, entwickelt für Frauen ab der Perimenopause, die diese Lebensphase aktiv begleiten möchten.
Östrogen zu erhöhen ist keine Frage des richtigen Superfoods, sondern der richtigen Diagnose. Drückt eine äußere Bremse wie Energiemangel, Übertraining oder Dauerstress den Spiegel, kann Dein Körper die eigene Produktion wieder hochfahren, wenn Du ihm genug Energie, Ruhe und Schlaf gibst. In den Wechseljahren und bei einer vorzeitigen Ovarialinsuffizienz ist eine Hormontherapie dagegen der einzige Weg, der den Spiegel tatsächlich anhebt.
Phytoöstrogene aus Soja und Rotklee ersetzen kein Östrogen, können in den Wechseljahren aber Hitzewallungen moderat lindern. Eine gute Versorgung mit Vitamin B6, Vitamin D, Magnesium und Zink unterstützt in jeder Lebensphase die Hormontätigkeit und Deine Knochen. Wer weiß, welcher der drei Wege für sie passt, spart sich Monate des Ausprobierens.
Häufige Fragen zum Thema Östrogen erhöhen
Kann man Östrogen natürlich steigern?
Ja, wenn eine äußere Bremse wie Energiemangel, sehr viel Sport oder Dauerstress den Spiegel drückt. Dann bringen ausreichend Kalorien und Kohlenhydrate, angepasstes Training und guter Schlaf die eigene Produktion oft innerhalb einiger Monate wieder in Gang. In den Wechseljahren lässt sich der Östrogenspiegel dagegen nicht natürlich anheben: Hier können Isoflavone Beschwerden lindern, und eine Hormontherapie ersetzt das fehlende Östrogen.
Welche Lebensmittel erhöhen den Östrogenspiegel?
Kein Lebensmittel erhöht den Estradiolspiegel messbar. Soja, Edamame, Miso, Tofu und Leinsamen enthalten Phytoöstrogene, die schwach an Östrogenrezeptoren binden und in den Wechseljahren Hitzewallungen moderat lindern können. Eine Metaanalyse aus 40 Studien fand jedoch keinen Anstieg des Estradiols durch Soja-Isoflavone.
Wie merke ich, dass ich zu wenig Östrogen habe?
Typische Hinweise sind eine unregelmäßige oder ausbleibende Periode, Hitzewallungen, Scheidentrockenheit, Schlafprobleme, Stimmungstiefs und trockene Haut. Weil sich viele dieser Zeichen mit anderen Ursachen überschneiden, bringt erst die Kombination aus Zyklus, Lebensphase und Blutwerten Klarheit. Eine ausführliche Übersicht findest Du in unserem Artikel zu den Symptomen von Östrogenmangel.
Welches natürliche Mittel wirkt wie Östrogen?
Am besten untersucht sind Isoflavone aus Soja und Rotklee. Sie wirken nicht wie Östrogen selbst, sondern binden schwach und selektiv an Östrogenrezeptoren. In einer Metaanalyse mit acht Studien senkte Rotklee-Extrakt die Zahl der Hitzewallungen im Schnitt um etwa 1,7 pro Tag. Bei hormonabhängigen Erkrankungen solltest Du solche Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen.
Wissenschaftliche Quellen
Mountjoy M, Ackerman KE, Bailey DM, et al. (2023). 2023 International Olympic Committee's (IOC) consensus statement on Relative Energy Deficiency in Sport (REDs). Br J Sports Med 57(17):1073-1097. doi:10.1136/bjsports-2023-106994
Gordon CM, Ackerman KE, Berga SL, et al. (2017). Functional Hypothalamic Amenorrhea: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab 102(5):1413-1439. doi:10.1210/jc.2017-00131
Loucks AB, Thuma JR (2003). Luteinizing hormone pulsatility is disrupted at a threshold of energy availability in regularly menstruating women. J Clin Endocrinol Metab 88(1):297-311. doi:10.1210/jc.2002-020369
Berga SL, Marcus MD, Loucks TL, et al. (2003). Recovery of ovarian activity in women with functional hypothalamic amenorrhea who were treated with cognitive behavior therapy. Fertil Steril 80(4):976-981. doi:10.1016/S0015-0282(03)01124-5
Viscardi G, Back S, Ahmed A, et al. (2025). Effect of Soy Isoflavones on Measures of Estrogenicity: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Adv Nutr 16(1):100327. doi:10.1016/j.advnut.2024.100327
Kanadys W, Barańska A, Błaszczuk A, et al. (2021). Evaluation of Clinical Meaningfulness of Red Clover (Trifolium pratense L.) Extract to Relieve Hot Flushes and Menopausal Symptoms in Peri- and Post-Menopausal Women: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Nutrients 13(4):1258. doi:10.3390/nu13041258
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Fujitani T, Fujii Y, Lyu Z, et al. (2021). Urinary equol levels are positively associated with urinary estradiol excretion in women. Sci Rep 11:19532. doi:10.1038/s41598-021-98872-2
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Verordnung (EU) Nr. 432/2012 der Kommission über zugelassene gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel (Vitamin B6, Vitamin D, Magnesium, Zink, Selen)
Über die Autorin
Amelie Weiss
Research Fellow, PhD · Hormonic
Amelie Weiss ist Research Fellow bei Hormonic und beschäftigt sich mit wissenschaftlicher Recherche rund um hormonelle Gesundheit, Mikronährstoffe und evidenzbasierte Frauengesundheit.
Hinweis: Dieser Artikel basiert auf aktuellen Leitlinien und wissenschaftlichen Arbeiten (Stand 2026). Er dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.