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Frau mit PMS und Wärmflasche
Zyklus27. Mai 20269 Min. Lesezeit

Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten für PMS

Das prämenstruelle Syndrom betrifft viele Frauen, wird aber oft missverstanden. Dieser Leitfaden ordnet Symptome, Ursachen und Behandlung nach aktueller Studienlage ein und zeigt, was wirklich hilft.

Das Wichtigste in Kürze

PMS entsteht nicht durch Progesteronmangel, sondern durch eine veränderte Empfindlichkeit des Gehirns gegenüber normalen Hormonschwankungen. Etwa 20 bis 30 Prozent der Frauen haben ein klinisch relevantes PMS, 3 bis 8 Prozent die schwere Form PMDS. Am besten belegt sind Kalzium, Vitamin B6, Mönchspfeffer und Omega-3.

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) betrifft etwa 75% der Frauen weltweit und kann das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen. Dabei variieren die Schweregrade der Symptome erheblich. Etwa 20-30% der Frauen berichten über Symptome, die ihre täglichen Aktivitäten erheblich beeinträchtigen, während etwa 3-8% an einer besonders schweren Form des PMS, bekannt als Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS), leiden. In diesem Blogpost werden die verschiedenen Ursachen von PMS, die Symptome sowie die besten Ernährungs- und Supplementierungsstrategien zur Linderung der Beschwerden ausführlich erläutert. Zudem gehen wir darauf ein, warum Frauen mit PCOS besonders gefährdet für das PMS sind.

Mögliche Ursachen von PMS

1. Hormonelle Schwankungen

Ein Mangel an Progesteron in der zweiten Zyklushälfte ist einer der Hauptursachen für PMS. Ein Progesteronmangel kommt durch ausbleibende Eisprünge, Gelbkörperschwäche oder hohe Stresslevel zustande. Die daraus resultierende Östrogendominanz führt zu typischen Symptomen wie Stimmungsschwankungen und Spannungsgefühlen.

2. Serotoninmangel

Ein niedriger Serotoninspiegel führt zu Depressionen, Reizbarkeit und Heißhungerattacken, die häufige Symptome von PMS sind. Ein Mangel an L-Tryptophan, einer der neun essenziellen Aminosäuren, kann diesen Serotoninmangel verursachen.

3. Hoher Koffeinkonsum

Der Zusammenhang zwischen PMS und hohem Koffeinkonsum wurde in mehreren Studien untersucht, und die Ergebnisse zeigen, dass hoher Koffeinkonsum die Symptome von PMS verschlimmern kann. Koffein beeinflusst das zentrale Nervensystem, erhöht den Cortisolspiegel, kann Angstgefühle und Nervosität verstärken und die Ausscheidung von Magnesium und Kalzium durch den Urin erhöhen. Beide Mineralstoffe sind jedoch wichtig für die Muskelentspannung und die hormonelle Balance. Ein Mangel an diesen Mineralstoffen kann zu stärkeren PMS-Symptomen wie Muskelkrämpfen und Kopfschmerzen führen. Eine Studie der Universität Massachusetts zeigte, dass Frauen, die mehr als 200 mg Koffein pro Tag konsumieren, ein erhöhtes Risiko für schwerere PMS-Symptome haben. 

4. Alkohol 

Der Konsum von Alkohol kann PMS-Symptome verschlimmern und hat weitreichende Auswirkungen auf die Leberfunktion und den Östrogenstoffwechsel. Die Leber spielt eine zentrale Rolle im Metabolismus von Hormonen, einschließlich Östrogen. Alkohol beeinflusst die Leberfunktion und kann dessen Fähigkeit, Östrogen effektiv zu verstoffwechseln, beeinträchtigen. Das führt zu einer erhöhten Verfügbarkeit von Östrogen im Blut, was hormonelle Ungleichgewichte und PMS-Symptome verstärken kann. Eine Studie hat gezeigt, dass Alkohol den Abbau von Östrogen verlangsamen kann, was zu erhöhten Östrogenspiegeln führt. Hohe Östrogenspiegel sind mit verstärkten PMS-Symptomen verbunden. 

5. Chronische Entzündungen

Chronische Entzündungen im Körper werden häufig durch erhöhte Werte von Entzündungsmarkern wie C-reaktivem Protein (CRP), Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α) und Interleukinen (z. B. IL-6) angezeigt. Studien haben gezeigt, dass Frauen mit PMS höhere Werte dieser Entzündungsmarker haben und es einen direkten Zusammenhang zwischen erhöhten Entzündungsmarkern und der Schwere der PMS-Symptome gibt.

6. Chronischer Stress

Chronischer Stress führt zu einer anhaltenden Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol. Cortisol stört das Gleichgewicht zwischen Östrogen und Progesteron, indem es die Produktion von Progesteron senkt und die Östrogendominanz fördert, was typische PMS-Beschwerden wie Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und Brustspannen verstärken kann. Das sogenannte "Cortisol-Steal"-Phänomen beschreibt, wie der Körper unter Stress Progesteron in Cortisol umwandelt, um den erhöhten Bedarf an Stresshormonen zu decken. Dies führt zu einem Progesteronmangel, der PMS-Symptome wie Schlaflosigkeit, Angst und Depression verschlimmern kann. 

7. Magnesiummangel

Magnesium spielt eine wichtige Rolle bei der Muskelentspannung und -funktion. Ein Magnesiummangel kann zu Muskelkrämpfen, Spannungen und Schmerzen führen, die häufige Symptome von PMS sind. Frauen mit PMS berichten oft von verstärkten Krämpfen und Schmerzen, die durch niedrige Magnesiumspiegel verschlimmert werden können. Magnesium hat eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem und hilft, Stress und Angst zu reduzieren. Frauen mit PMS erleben oft erhöhte Stresslevel und Angstzustände. Ein ausreichender Magnesiumspiegel kann dazu beitragen, diese Symptome zu mildern, indem er das Nervensystem unterstützt und die Produktion von Stresshormonen wie Cortisol reguliert. Frauen, die Magnesium einnehmen, berichten häufig über signifikante Verbesserungen ihrer PMS-Symptome, einschließlich reduzierter Krämpfe, verbesserter Stimmung und weniger Müdigkeit.

8. Vitamin D-Mangel

Vitamin D hat entzündungshemmende Eigenschaften, die dazu beitragen können, chronische Entzündungen zu reduzieren. Da Entzündungen eine Rolle bei der Verschlimmerung von PMS-Symptomen spielen, kann ein Vitamin-D-Mangel zu einer erhöhten Entzündungsreaktion und damit zu verstärkten PMS-Symptomen führen. Frauen mit niedrigen Vitamin-D-Spiegeln leiden häufiger und intensiver unter PMS-Symptomen. Die Einnahme von Vitamin D kann die Symptome signifikant verbessern. Auch täglich etwa 15-20 Minuten Sonnenlicht auf unbedeckter Haut kann ausreichen, um die körpereigene Vitamin-D-Produktion zu unterstützen.

9. Schilddrüsenunterfunktion

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) tritt auf, wenn die Schilddrüse nicht genügend Schilddrüsenhormone produziert. Schilddrüsenhormone, insbesondere Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3), spielen eine Schlüsselrolle bei der Regulation anderer Hormone im Körper, einschließlich Östrogen und Progesteron. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann zu unregelmäßigen Menstruationszyklen führen, was die prämenstruellen Symptome verstärken kann. Frauen mit Hypothyreose berichten häufig von verlängerten und schweren Periodenblutungen sowie von intensiveren PMS-Symptomen. 

10. Prostaglandin-Ungleichgewicht durch Schmerzmittel

Prostaglandine sind hormonähnliche Substanzen, die in fast allen Geweben des Körpers vorkommen und eine Vielzahl von Funktionen erfüllen, einschließlich der Regulation von Entzündungen, Schmerzen und der Menstruation. Ein Ungleichgewicht oder eine übermäßige Produktion von Prostaglandinen kann zu den Schmerzen und Beschwerden beitragen, die mit dem prämenstruellen Syndrom (PMS) einhergehen. Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) - wie Ibuprofen und Aspirin - werden häufig zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt, insbesondere zur Linderung von PMS-Symptomen. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass NSAIDs den Eisprung hemmen können, was negativ auf den Progesteronspiegel und PMS-Symptome auswirken könnte. Es wird empfohlen, NSAIDs nur kurzfristig zur Linderung von akuten Schmerzen und Krämpfen einzusetzen, um mögliche Auswirkungen auf den Eisprung zu minimieren.

Warum Frauen mit PCOS besonders gefährdet für PMS sind

Frauen mit PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) sind besonders gefährdet für PMS, da sie häufig unter hormonellen Ungleichgewichten leiden, die PMS verschlimmern können:

  1. Seltene Eisprünge: Frauen mit PCOS haben aufgrund seltener Ovulationen oft niedrige Progesteronspiegel. Da Progesteron hilft, die Menstruationsbeschwerden zu lindern, kann ein Mangel zu stärkeren PMS-Symptomen führen.

  2. Insulinresistenz: Viele Frauen mit PCOS leiden an Insulinresistenz, was zu höheren Androgenspiegeln führen kann. Diese hormonellen Ungleichgewichte verstärken PMS-Symptome wie Stimmungsschwankungen, Akne und vermehrte Körperbehaarung.

  3. Chronische Entzündungen: Frauen mit PCOS haben häufig erhöhte Entzündungsmarker im Blut, die PMS-Symptome verschlimmern können.

  4. Stress und Cortisol: Frauen mit PCOS haben oft höhere Stresslevel und damit erhöhte Cortisolspiegel, die die Progesteronproduktion weiter beeinträchtigen und PMS-Symptome verstärken können.

Symptome im Überblick

Wie erkenne ich PMS?

Beschrieben sind weit über 100 verschiedene Symptome. Sie treten regelmäßig in der zweiten Zyklushälfte auf und klingen mit Einsetzen der Periode wieder ab. Grob lassen sie sich in drei Gruppen einteilen.

Körperlich

  • Brustspannen
  • Wassereinlagerungen
  • Blähungen und Bauchschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Heißhunger oder Appetitlosigkeit
  • Müdigkeit und Lethargie
  • Akne und Hautveränderungen

Seelisch

  • Reizbarkeit
  • Stimmungsschwankungen
  • Gedrückte Stimmung
  • Angst und innere Unruhe
  • Plötzliche Weinkrämpfe
  • Überempfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen

Verhalten und Kognition

  • Schlafstörungen
  • Verminderte Konzentration
  • Sozialer Rückzug
  • Schwindel
  • Verdauungsbeschwerden

Treten die Beschwerden auch unabhängig vom Zyklus auf, steckt häufig etwas anderes dahinter. Genau hier hilft ein Symptomtagebuch über mind. zwei Zyklen.

Behandlungsmöglichkeiten

Ernährung

Eine anti-entzündliche, proteinreiche Ernährung kann helfen, PMS-Symptome zu lindern. Hier sind unsere Strategien:

  1. Hoher Konsum von Omega-3-Fettsäuren: Diese haben entzündungshemmende Eigenschaften und können in fettem Fisch wie Lachs, Walnüssen und Leinsamen gefunden werden.
  2. Meiden von verarbeiteten und prozessierten Lebensmittel: viele abgepackte, "Grab & Take" Lebensmitteln enthalten oft viel Zucker, Süßstoffe, Konservierungsmittel und gesättigte Fette (z.B. raffiniertes Rapsöl), die Entzündungen fördern können.
  3. Mehr komplexe Kohlenhydrate: Vollkornprodukte (Hafer, Gerste), Pseudogetreide (Quinoa, Amaranth, Buchweizen) und gewisse Gemüsesorten (Süßkartoffeln, Karotten, Kürbis, grüne Erbsen, Brokkoli) können helfen, den Blutzuckerspiegel zu stabilisieren.
  4. Magnesiumreiche Lebensmittel: Nüsse, Samen, dunkelgrünes Blattgemüse und Vollkornprodukte sind gute Quellen für Magnesium, das helfen kann, Muskelkrämpfe und Müdigkeit zu lindern.
  5. Ausreichende Vitamin-D-Zufuhr: Durch Sonnenlicht und Lebensmittel wie fetten Fisch, Eier und angereicherte Milchprodukte.

Supplements

Ergänzungsmittel können ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Linderung von PMS-Symptomen spielen:

  1. Vitamin D: Fördert die Insulinsensitivität und hat entzündungshemmende Eigenschaften.
  2. Myo-Inositol: Kann die Insulinresistenz verringern und die Symptome von PMS und PCOS lindern
  3. Vitamin B6: Unterstützt die Serotoninproduktion und kann die Stimmung verbessern.
  4. Omega-3-Fettsäuren: Reduzieren Entzündungen und können Stimmungsschwankungen lindern.
  5. Vitex Agnus Castus (Mönchspfeffer): Kann hormonelle Ungleichgewichte ausgleichen und Symptome wie Brustspannen und Stimmungsschwankungen lindern.
  6. Calcium: Kann dazu beitragen, körperliche und emotionale PMS-Symptome zu reduzieren.
  7. Magnesium: Hilft bei der Muskelentspannung und der Regulation von Neurotransmittern. Magnesiumcitrat ist eine der am besten absorbierten Formen von Magnesium. Es wird häufig bei Verstopfung verwendet, kann aber auch effektiv bei der Linderung von PMS-Symptomen wie Krämpfen und Stimmungsschwankungen sein. Magnesiummalat wird gut absorbiert und ist besonders nützlich bei Müdigkeit und Muskelschmerzen. Es ist eine gute Wahl für Frauen, die unter PMS-Symptomen wie Energiemangel und Muskelverspannungen leiden. Magnesiumglycinat: ist eine Chelatverbindung von Magnesium und Glycin. Diese Form wird besonders gut vom Körper aufgenommen und hat eine beruhigende Wirkung, was sie ideal für die Behandlung von PMS-bedingter Reizbarkeit, Angst und Schlaflosigkeit macht.

Lebensstilanpassungen

  1. Stressmanagement: Techniken wie Meditation, Yoga und ausreichender Schlaf können helfen, Stress zu reduzieren und die Hormonbalance zu unterstützen.
  2. Regelmäßige Bewegung: Kann die Endorphinproduktion ankurbeln und Symptome wie Stimmungsschwankungen und Müdigkeit lindern.
  3. Hydration: Ausreichend Wasser trinken hilft, Flüssigkeitsretention zu verhindern und die allgemeine Gesundheit zu unterstützen.

PMS ist ein komplexes Syndrom, das eine ganzheitliche Herangehensweise erfordert. Durch die Kombination von gesunder Ernährung, regelmäßiger Bewegung und geeigneten Nahrungsergänzungsmitteln kannst du die Symptome lindern und dein Wohlbefinden verbessern.

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Was passiert bei PMS im Körper?

Lange galt PMS als reiner Hormonmangel, vor allem als Progesteronmangel oder „Östrogendominanz“. Dieses Bild ist nach heutigem Stand überholt. Die meisten Frauen mit PMS haben völlig normale Hormonspiegel. Entscheidend ist nicht die Menge der Hormone, sondern wie empfindlich das Gehirn auf die natürlichen Schwankungen in der zweiten Zyklushälfte reagiert (ACOG 2023, ISPMD-Konsensus).

Im Zentrum steht Allopregnanolon, ein Abbauprodukt des Progesterons. Es wirkt am sogenannten GABA-A-Rezeptor, dem wichtigsten „Beruhigungssystem“ des Gehirns. Bei Frauen mit PMS scheint dieses System empfindlicher oder anders auf Allopregnanolon zu reagieren. Das erklärt, warum dieselben Hormonwerte bei der einen Frau kaum Beschwerden auslösen und bei der anderen ausgeprägte Symptome.

Mehrere weitere Faktoren modulieren die Beschwerden:

  • Serotonin: Ein niedriger Serotoninspiegel in der Lutealphase ist mit Reizbarkeit, gedrückter Stimmung und Heißhunger verbunden. Dass Antidepressiva vom SSRI-Typ bei schwerem PMS wirken, stützt diese Rolle.
  • Niedriggradige Entzündung: Einige Studien finden bei PMS erhöhte Entzündungsmarker. Die Datenlage ist allerdings uneinheitlich, ein klarer Ursache-Wirkung-Zusammenhang ist nicht belegt.
  • Stress und die HHN-Achse: Chronischer Stress kann über Cortisol die Steuerhormone aus dem Gehirn (GnRH) dämpfen und so indirekt die Progesteronbildung im Eierstock verringern. Das oft zitierte Bild vom „Cortisol, das Progesteron stiehlt“ ist physiologisch nicht korrekt und sollte nicht als Erklärung herangezogen werden.
  • Schilddrüse: Eine Schilddrüsenunterfunktion verursacht ähnliche Beschwerden wie PMS und kann den Zyklus stören. Bei anhaltenden Symptomen lohnt sich eine Abklärung.

Welche Rolle spielen Lebensstil-Faktoren?

Koffein und Alkohol werden oft als PMS-Verstärker genannt. Hier lohnt ein genauer Blick auf die Evidenz, weil sie schwächer ist als häufig dargestellt:

  • Koffein: Eine Querschnittsstudie aus dem Jahr 1985 zeigte einen Zusammenhang zwischen koffeinhaltigen Getränken und PMS-Symptomen. Eine spätere, methodisch deutlich stärkere prospektive Auswertung der Nurses' Health Study II (Bertone-Johnson et al. 2016, rund 3.660 Frauen) fand jedoch keinen klaren Zusammenhang zwischen Koffeinkonsum und der Entstehung von PMS. Da Koffein bei manchen Frauen Brustspannen und Unruhe verstärken kann, empfiehlt das ACOG dennoch, in der zweiten Zyklushälfte eher zurückhaltend zu sein.
  • Alkohol: Beobachtungsstudien verbinden höheren Alkoholkonsum mit einem etwas höheren PMS-Risiko. Alkohol kann den Östrogenabbau in der Leber beeinflussen. Ob Alkohol PMS-Beschwerden tatsächlich verursacht oder verstärkt, ist durch kontrollierte Studien nicht eindeutig belegt.
  • Schmerzmittel (NSAR): Gelegentlich eingenommen sind Ibuprofen oder Naproxen wirksame und sichere Mittel gegen menstruelle Schmerzen. Nur bei chronischer, hochdosierter Einnahme kann der Eisprung gestört werden. Für die kurzfristige Schmerzlinderung sind NSAR weiterhin ausdrücklich empfohlen.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für PMS?

PMS kann jede Frau im gebärfähigen Alter betreffen. Einige Gruppen sind jedoch häufiger oder stärker betroffen:

  • Frauen mit PCOS: Eine schwedische Registerstudie (Opatowski et al. 2025) fand bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom ein rund 1,5-fach erhöhtes Risiko für prämenstruelle Störungen. Hintergrund sind häufigere Zyklen ohne Eisprung, Insulinresistenz und eine niedriggradige Entzündung.
  • Frauen in der Perimenopause: In den Jahren vor der Menopause schwanken die Hormone stärker, was PMS-ähnliche Beschwerden verstärken kann.
  • Frauen mit einer früheren Depression oder Angststörung
  • Frauen mit familiärer Vorbelastung für PMS oder PMDS
  • Frauen mit einer unbehandelten Schilddrüsenunterfunktion

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Wie wird PMS festgestellt?

Für PMS gibt es keinen Bluttest. Die Diagnose stützt sich auf das zeitliche Muster der Beschwerden. Maßgeblich ist, dass die Symptome regelmäßig in der zweiten Zyklushälfte auftreten und mit Einsetzen der Periode wieder abklingen. Fachgesellschaften wie das ACOG empfehlen, die Beschwerden über mindestens zwei aufeinanderfolgende Zyklen prospektiv zu dokumentieren, zum Beispiel in einem Symptomtagebuch oder einer Zyklus-App.

Wichtig ist die Abgrenzung: Treten die Symptome auch unabhängig vom Zyklus auf, steckt eher etwas anderes dahinter, etwa eine Depression, eine Schilddrüsenstörung oder eine Angststörung. Genau hier hilft die strukturierte Dokumentation.

Was hilft wirklich gegen PMS?

Die folgende Übersicht ordnet die gängigen Maßnahmen nach Stärke der wissenschaftlichen Evidenz. A bedeutet gut belegt, B moderat, C schwach oder uneinheitlich. Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine ärztliche Behandlung. Bei schweren Beschwerden ist eine ärztliche Begleitung sinnvoll.

  • Kalzium, 1.000 bis 1.200 mg/Tag (Evidenz A): In einer großen kontrollierten Studie (Thys-Jacobs et al. 1998) senkte Kalzium die Gesamtsymptome deutlich stärker als ein Scheinmedikament. Eines der am besten belegten Einzelmittel.
  • Vitamin B6, 50 bis 100 mg/Tag (Evidenz B): Eine Meta-Analyse (Wyatt et al. 1999) zeigte einen Vorteil gegenüber Placebo, besonders bei stimmungsbezogenen Symptomen. Wichtig: dauerhaft nicht über 100 mg/Tag, da höhere Dosen Nervenschäden auslösen können.
  • Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus), 20 mg/Tag (Evidenz B): Standardisierte Extrakte können Beschwerden wie Brustspannen und Reizbarkeit lindern (Csupor et al. 2019). In Deutschland sind einzelne Mönchspfeffer-Präparate sogar als Arzneimittel zugelassen.
  • Omega-3-Fettsäuren, 1 bis 2 g EPA/DHA pro Tag (Evidenz B): Können die Symptomschwere senken (Mohammadi et al. 2022). Die Studien sind allerdings uneinheitlich.
  • Magnesium, 200 bis 360 mg/Tag (Evidenz B/C): Kann Wassereinlagerungen und Reizbarkeit lindern, die Datenlage ist gemischt. Gut verträglich sind Magnesiumcitrat oder Magnesiumbisglycinat, weniger Magnesiumoxid.
  • Vitamin D (Evidenz C): Vor allem bei nachgewiesenem Mangel sinnvoll. Die Studienlage speziell für PMS ist begrenzt.
  • Bewegung, Schlaf, Stressreduktion (Evidenz B): Regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und Entspannungsverfahren wie Yoga oder Achtsamkeit können Beschwerden spürbar mildern.
  • Verschreibungspflichtige Optionen: Bei schwerem PMS oder PMDS sind SSRI-Antidepressiva und bestimmte Antibabypillen wirksam. Diese Entscheidung gehört in ärztliche Hände.

Ernährung bei PMS: die Lutealphase im Blick

Eine entzündungsarme, eiweißbetonte Ernährung kann PMS-Beschwerden unterstützen. Konkret bedeutet das:

  • Mehr Omega-3-Quellen wie fetter Fisch, Walnüsse und Leinsamen
  • Komplexe Kohlenhydrate wie Hafer, Quinoa, Hülsenfrüchte und Gemüse, um den Blutzucker stabil zu halten
  • Magnesiumreiche Lebensmittel wie Nüsse, Samen und dunkelgrünes Blattgemüse
  • Weniger stark verarbeitete Produkte mit viel Zucker und gesättigten Fetten
  • Koffein und Alkohol in der zweiten Zyklushälfte eher reduzieren

Das Wichtigste in Kürze

  • PMS betrifft viele Frauen, etwa 3 bis 8 Prozent leiden an der schweren Form PMDS.
  • Ursache ist nicht zu wenig Progesteron, sondern eine veränderte Empfindlichkeit des Gehirns gegenüber normalen Hormonschwankungen.
  • Die Diagnose erfolgt über ein Symptomtagebuch über mindestens zwei Zyklen.
  • Am besten belegt sind Kalzium, Vitamin B6, Mönchspfeffer und Omega-3.
  • Bei schweren oder zyklusunabhängigen Beschwerden gehört PMS ärztlich abgeklärt.

Wann du ärztlichen Rat suchen solltest

Hol dir ärztliche Unterstützung, wenn die Beschwerden deinen Alltag, deine Arbeit oder deine Beziehungen deutlich beeinträchtigen, wenn sie über die Periode hinaus anhalten oder wenn ausgeprägte Niedergeschlagenheit auftritt. Bei dem Gedanken, dir selbst etwas anzutun, wende dich bitte sofort an die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 (kostenfrei, rund um die Uhr).

Häufige Fragen zu PMS

Was hilft schnell gegen PMS?

Kurzfristig können Bewegung, ausreichend Schlaf, Magnesium und bei Schmerzen ein NSAR wie Ibuprofen Linderung bringen. Mittel wie Kalzium, Vitamin B6 oder Mönchspfeffer wirken nicht sofort, sondern entfalten ihren Effekt über mehrere Zyklen.

Ist es PMS oder bin ich schwanger?

Viele frühe Schwangerschaftsanzeichen ähneln PMS, etwa Brustspannen und Müdigkeit. Der entscheidende Unterschied: PMS-Symptome verschwinden mit Einsetzen der Periode. Bleibt die Periode aus, schafft ein Schwangerschaftstest Klarheit.

Hilft die Pille gegen PMS?

Bestimmte Antibabypillen, vor allem solche mit dem Gestagen Drospirenon, können PMS- und PMDS-Beschwerden lindern. Jedoch ist die Pille eher als Pflaster von Symptomen zu sehen, und nicht als langfristige Lösung, da sie die Ursachen nicht behebt. Ob die Pille für dich geeignet ist, sollte ärztlich besprochen werden.

Wie lange dauert PMS?

PMS-Symptome treten typischerweise in den letzten ein bis zwei Wochen vor der Periode auf und klingen mit Beginn der Blutung wieder ab. Halten die Beschwerden länger an, sollte eine andere Ursache abgeklärt werden.

Welche Vitamine und Nährstoffe helfen bei PMS?

Bei PMS sind vor allem Kalzium, Vitamin B6 und Magnesium gut untersucht. Auch Mönchspfeffer und Omega-3 zeigen in manchen Studien positive Effekte. Zudem können Wirkstoffe wie Vitamin D3, Zink, Selen, NAC, Curcumin oder L-Glycin in Erwägung gezogen werden - also mehrere Nährstoffe, die den Körper im Zyklus, bei oxidativem Stress, Energie- und Stoffwechselprozessen unterstützen können.

Wissenschaftliche Quellen

  • American College of Obstetricians and Gynecologists (2023). Premenstrual Syndrome (PMS). ACOG Clinical Guidance.
  • Opatowski M. et al. (2025). Polycystic Ovary Syndrome and the Risk of Premenstrual Disorders: A Nationwide Register-Based Study in Sweden. PMC12221545.
  • Thys-Jacobs S. et al. (1998). Calcium carbonate and the premenstrual syndrome. Am J Obstet Gynecol 179(2):444-452. doi:10.1016/S0002-9378(98)70377-1
  • Wyatt K.M. et al. (1999). Efficacy of vitamin B6 in the treatment of premenstrual syndrome: systematic review. BMJ 318:1375-1381. doi:10.1136/bmj.318.7195.1375
  • Csupor D. et al. (2019). Vitex agnus-castus in premenstrual syndrome: a meta-analysis. Complement Ther Med 47:102190. doi:10.1016/j.ctim.2019.08.024
  • Mohammadi M.M. et al. (2022). Effect of omega-3 fatty acids on premenstrual syndrome: a meta-analysis. J Obstet Gynaecol Res 48(6):1293-1305. doi:10.1111/jog.15217
  • Bertone-Johnson E.R. et al. (2016). Caffeine and premenstrual syndrome (Nurses' Health Study II). PMID:27385613
  • Robinson J. et al. (2025). Micronutrient supplementation and premenstrual syndrome: a systematic review. Nutrition Reviews 83(2):280-306.
  • IQWiG / gesundheitsinformation.de (2022). Behandlung von PMS-Beschwerden.

Über die Autorin

Lisa Maria Emmer

Lisa Maria Emmer

Ärztin & Medizinische Leiterin · Hormonic

Lisa Maria Emmer ist Mitgründerin und medizinische Leiterin bei Hormonic. Sie begleitet Frauen mit hormonellen Beschwerden tagtäglich und hat sich auf Zyklusgesundheit, PCOS und die Wechseljahre spezialisiert.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf aktuellen Leitlinien und wissenschaftlichen Arbeiten (Stand 2026). Er dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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