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Fehlende Nährstoffe bei Unfruchtbarkeit – was sagt die Forschung? - Hormonic
Fruchtbarkeit25. Mär 20267 Min. Lesezeit

Fehlende Nährstoffe bei Unfruchtbarkeit – was sagt die Forschung?

Dieser Artikel ist Teil von: Kinderwunsch? Diese Nährstoffe machen laut Studien den Unterschied
Worum es geht
Nährstoffmängel und Unfruchtbarkeit, ehrlich eingeordnet

Eine große US-Analyse (NHANES, 2013 bis 2020) zeigt: Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch nehmen mehrere Mikronährstoffe im Schnitt seltener in ausreichender Menge auf. Das beweist keine Ursache, deckt aber echte Versorgungslücken auf. Wir ordnen ein, was die Daten wirklich bedeuten.

Das Wichtigste in Kürze
  • Eine 2026 in PLOS ONE veröffentlichte NHANES-Analyse verglich die Nährstoffaufnahme von Frauen mit und ohne selbstberichtete Infertilität.
  • Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch lagen bei mehreren Mikronährstoffen häufiger unter dem Referenzwert, besonders bei Vitamin E, A, C, K, B6, Magnesium, Kalium, Selen und Omega-3.
  • Die Studie zeigt Zusammenhänge, keine Ursache: Sie kann nicht sagen, ob Mängel die Fruchtbarkeit beeinflussen oder umgekehrt.
  • Gemessen wurde die Aufnahme über die Ernährung, nicht der Blutspiegel; Supplemente wurden getrennt erfasst.
  • Kein Nahrungsergänzungsmittel heilt Unfruchtbarkeit, wer das verspricht, vereinfacht zu stark.
  • Eine gute Grundversorgung ist trotzdem sinnvoll, gerade bei Kinderwunsch lohnt der Blick auf die eigene Ernährung.

Wenn ich Studien zu Ernährung und Fruchtbarkeit lese, begegnen mir meistens zwei Lager: „Nimm dieses eine Vitamin und das Problem ist gelöst“ oder „Ernährung spielt ohnehin keine Rolle“. Die Wahrheit liegt, wie so oft, dazwischen, und genau dort wird es spannend.

Als Research Fellow interessiert mich weniger die Schlagzeile als die Methode dahinter. Deshalb schauen wir uns hier eine große, sauber gemachte Bevölkerungsstudie an, was sie zeigt, und vor allem, was sie eben nicht zeigt. Denn diese Ehrlichkeit ist der eigentliche Wert guter Wissenschaft.

Welche Nährstoffe fehlen Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch am häufigsten?

In der NHANES-Analyse von Murphy und Kollegen (PLOS ONE, 2026) nahmen Frauen mit selbstberichteter Infertilität mehrere Mikronährstoffe im Schnitt seltener in ausreichender Menge auf als Frauen ohne Kinderwunschprobleme. Besonders auffällig war Vitamin E, wo über 87 Prozent unter dem Schätzwert für den durchschnittlichen Bedarf lagen. Weitere Lücken zeigten sich bei Vitamin A, C und K, Vitamin B6, Magnesium, Kalium, Selen sowie den Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Wichtig: Diese Zahlen beziehen sich auf die Aufnahme über Lebensmittel und belegen keine Ursache, sondern einen Zusammenhang.

Nährstoff Rolle im Körper Befund der Studie
Vitamin E Fettlösliches Antioxidans, schützt Zellen vor oxidativem Stress Größte Lücke: über 87 % unter dem Referenzwert
Vitamin A, C, K Zellschutz, Immun- und Hormonstoffwechsel Niedrigere Aufnahme bei Infertilität
Vitamin B6 Aminosäure- und Neurotransmitterstoffwechsel Signifikant niedriger
Magnesium & Kalium Über 300 Enzymreaktionen, Herz- und Zellfunktion Messbar niedriger
Selen Schilddrüse und antioxidativer Schutz Signifikant niedriger
EPA + DHA (Omega-3) Entzündungsregulation, reproduktive Gesundheit Niedrigere Aufnahme
Wusstest Du?

Eizellen und Spermien reifen über rund 90 Tage. Was Du heute an Deiner Ernährung veränderst, wirkt sich also erst nach etwa drei Monaten voll aus. Deshalb lohnt es sich, früh anzufangen, und zwar bei beiden Partnern.

Was die NHANES-Studie 2026 untersucht hat

Veröffentlicht wurde die Analyse im Januar 2026 in der Fachzeitschrift PLOS ONE (Murphy et al.). Grundlage sind die Daten der National Health and Nutrition Examination Survey, einer der größten und methodisch robustesten Gesundheitsbefragungen der USA. Eingeschlossen wurden Frauen im reproduktiven Alter, ein Teil von ihnen gab an, mindestens zwölf Monate erfolglos versucht zu haben, schwanger zu werden. Diese Gruppe galt in der Auswertung als infertil, allerdings auf Basis der Selbstauskunft, nicht einer ärztlichen Diagnose.

Wie wurde die Nährstoffaufnahme gemessen?

Die Aufnahme wurde über zwei 24-Stunden-Ernährungsprotokolle erfasst, ein persönliches Interview und ein späteres Telefoninterview. Weil niemand jeden Tag gleich isst, nutzten die Forschenden ein statistisches Verfahren (die NCI-Methode), um daraus eine geschätzte übliche Aufnahme zu berechnen. Das glättet zufällige Schwankungen und bildet die langfristige Versorgung realistischer ab. Genau das macht die Studie belastbarer als ein einfacher Tagesdurchschnitt.

Was Mangel hier bedeutet

Ein wichtiger Punkt, der oft missverstanden wird: Die Studie misst keinen Blutmangel. Sie berechnet, welcher Anteil der Frauen unter dem sogenannten EAR liegt, dem geschätzten durchschnittlichen Bedarf. Darunter ist die Wahrscheinlichkeit einer unzureichenden Versorgung statistisch erhöht. Es geht also um die Wahrscheinlichkeit einer zu geringen Aufnahme über die Ernährung, nicht um eine medizinische Diagnose. Wer dauerhaft zu wenig aufnimmt, riskiert langfristig aber eine Unterversorgung.

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Was die Studie zeigt und was nicht

Es handelt sich um eine Querschnittsanalyse, Nährstoffaufnahme und Fruchtbarkeitsstatus wurden zum selben Zeitpunkt erhoben. Daraus lässt sich nicht ableiten, ob ein Nährstoffmangel zur Infertilität beigetragen hat oder ob andere Faktoren wie Stress, Erkrankungen oder ein durch den unerfüllten Kinderwunsch verändertes Essverhalten beides beeinflusst haben. Auch war die Infertilität selbst berichtet, nicht klinisch diagnostiziert. Das ist für eine Bevölkerungsstudie üblich und valide, bedeutet aber, dass andere Ursachen nicht ausgeschlossen sind.

Was die Analyse aber klar zeigt: Es gibt messbare, systematische Unterschiede in der Mikronährstoffversorgung zwischen beiden Gruppen. Das ist kein Zufall und für die Beratung von Frauen mit Kinderwunsch durchaus relevant.

Welche Nährstoffe bei Kinderwunsch besonders zählen

Über die NHANES-Daten hinaus tauchen in der Fruchtbarkeitsforschung immer wieder dieselben Nährstoffe auf. Am besten belegt ist Folat (Folsäure): Ein guter Folatstatus vor der Empfängnis senkt das Risiko für Neuralrohrdefekte, weshalb Fachgesellschaften eine Einnahme schon vor der Schwangerschaft empfehlen. Mehr dazu liest Du in unserem Beitrag zu Folsäure und Folat bei Kinderwunsch.

Daneben werden Antioxidantien wie Selen, Zink und Vitamin E mit dem Schutz von Eizellen vor oxidativem Stress in Verbindung gebracht, Omega-3-Fettsäuren mit einem günstigen hormonellen Umfeld und Vitamin D mit der Zyklusregulation. Bei PCOS oder eingeschränkter Eizellreserve wird zusätzlich Myo-Inositol untersucht. Einen Überblick über die Nährstoffe bei Kinderwunsch findest Du in unserem Guide zu Nährstoffen bei Kinderwunsch, speziell zur Eizellreifung in unserem Beitrag Eizellqualität verbessern.

Warum das Muster zählt, nicht die einzelne Kapsel

Die ehrlichste Schlussfolgerung aus der Forschung: Wichtiger als ein einzelnes Präparat ist das Ernährungsmuster insgesamt. Eine mediterrane Ernährung mit Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Olivenöl und fettem Fisch ist bei Frauen und Männern mit besserer reproduktiver Gesundheit assoziiert. Nahrungsergänzung kann Lücken schließen, ersetzt aber keine gute Grundversorgung.

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Das Wichtigste auf einen Blick

  • Echte Lücken, keine Ursache: Die NHANES-Analyse zeigt niedrigere Nährstoffaufnahmen bei Frauen mit Infertilität, beweist aber keinen ursächlichen Zusammenhang.
  • Vitamin E sticht heraus: Über 87 Prozent der betroffenen Frauen lagen bei Vitamin E unter dem Referenzwert.
  • Aufnahme, nicht Blutwert: Gemessen wurde die übliche Zufuhr über die Ernährung, Supplemente getrennt.
  • Kein Wundermittel: Nahrungsergänzung heilt keine Unfruchtbarkeit, kann aber ein günstiges Umfeld unterstützen.
  • Muster schlägt Einzelpille: Eine mediterrane, nährstoffreiche Ernährung ist der wichtigste Hebel, für beide Partner.

Wann Du ärztlichen Rat suchen solltest

Wenn ihr unter 35 seid und seit etwa einem Jahr ohne Erfolg versucht, schwanger zu werden, oder über 35 seit rund sechs Monaten, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Auch bei unregelmäßigem oder ausbleibendem Zyklus, bekanntem PCOS, Endometriose oder Schilddrüsenproblemen lohnt sich ein frühes Gespräch. Nahrungsergänzung ersetzt diese Abklärung nicht.

Fazit

Die NHANES-Analyse liefert keinen Beweis, dass fehlende Nährstoffe unfruchtbar machen. Sie zeigt aber, dass viele Frauen im reproduktiven Alter nicht optimal versorgt sind, und bei unerfülltem Kinderwunsch besonders häufig. Eine gezielte, gut abgestimmte Versorgung ist deshalb kein Luxus, sondern eine sinnvolle Grundlage. Wenn Du wissen möchtest, wo Du tatsächlich stehst, schauen wir das gemeinsam an.

Häufige Fragen zu Nährstoffen und Fruchtbarkeit

Kann ein Nährstoffmangel bei Frauen Unfruchtbarkeit verursachen?

Das lässt sich aus der aktuellen Studienlage nicht pauschal sagen. Die NHANES-Analyse 2026 zeigt, dass Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch häufiger niedrigere Nährstoffaufnahmen haben, aber sie ist eine Querschnittsstudie und kann Ursache und Wirkung nicht trennen. Korrelation ist nicht dasselbe wie Kausalität, und gute Wissenschaft macht diesen Unterschied deutlich.

Welche Nährstoffe fehlen Frauen mit Kinderwunsch am häufigsten?

In der Studie waren die auffälligsten Lücken Vitamin E (über 87 Prozent unter dem Referenzwert), außerdem Vitamin A, C und K, Vitamin B6, Magnesium, Kalium, Selen sowie die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Diese Zahlen beziehen sich auf die Aufnahme über Lebensmittel; Supplemente wurden getrennt erfasst.

Sollte ich einfach Nahrungsergänzung nehmen, wenn ich schwanger werden möchte?
Supplemente können sinnvoll sein, aber als Ergänzung, nicht als Ersatz für eine gute Ernährung und eine ärztliche Bestandsaufnahme. Folsäure sollte schon vor einer geplanten Schwangerschaft eingenommen werden. Bevor Du unkontrolliert hoch dosierst, lohnt es sich, den eigenen Status zu kennen und gezielt aufzufüllen.
Ist Vitamin E wichtig für die Fruchtbarkeit?
Vitamin E ist ein fettlösliches Antioxidans, das Zellen vor oxidativem Stress schützt. In der NHANES-Studie war es der Nährstoff mit der größten Unterversorgung bei Frauen mit Infertilität. Ob eine bessere Versorgung die Fruchtbarkeit direkt verbessert, lässt die Studie offen, der Befund ist aber ernst zu nehmen.

Wissenschaftliche Quellen

  • Murphy M.M. et al. (2026). Nutrient gaps are prevalent among women experiencing infertility, a cross-sectional analysis of the National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES), 2013-2020. PLOS ONE. doi:10.1371/journal.pone.0341444
  • Kuchakulla M. et al. (2024). The Role of Nutrient Supplements in Female Infertility: An Umbrella Review and Hierarchical Evidence Synthesis. Nutrients, 17(1), 57. doi:10.3390/nu17010057
  • Mashhadi F. et al. (2025). Nutritional Interventions for Enhancing Female Fertility: A Comprehensive Review of Micronutrients and Their Impact. Nursing Research and Practice. doi:10.1155/nrp/2137328
  • Skoracka K. et al. (2021). Female Fertility and the Nutritional Approach: The Most Essential Aspects. Advances in Nutrition, 12(6), 2372-2386. doi:10.1093/advances/nmab068
  • Schütz D. et al. (2025). Effect of micronutrients on fertility and aneuploidy rates in human conceptions: a systematic review and meta-analysis. Reproductive BioMedicine Online. doi:10.1016/j.rbmo.2025.104987
  • Maitin-Shepard M. et al. (2024). Food, nutrition, and fertility: from soil to fork. The American Journal of Clinical Nutrition. doi:10.1016/j.ajcnut.2023.12.005

Über die Autorin

Amelie Weiss

Research Fellow · PhD · Hormonic

Amelie Weiss ist Research Fellow bei Hormonic und beschäftigt sich mit wissenschaftlicher Recherche rund um hormonelle Gesundheit, Mikronährstoffe und evidenzbasierte Frauengesundheit.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf aktuellen Leitlinien und wissenschaftlichen Arbeiten (Stand 2026). Er dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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