HPV loswerden: Wie Dein Körper das Virus wieder los wird
Eine HPV-Diagnose trifft viele Frauen völlig unvorbereitet. Plötzlich steht ein Virus im Raum, von dem man weiß, dass es theoretisch mit Krebs in Verbindung stehen kann. Die häufigste Frage lautet dann: „Wie werde ich HPV wieder los?“
Die ehrliche, medizinisch korrekte Antwort ist weniger spektakulär als viele Internetversprechen – aber sie ist deutlich beruhigender: In den allermeisten Fällen erledigt Dein Körper das ganz von selbst.
Dieser Artikel soll Dir keine Angst machen sondern soll Dir erklären, was HPV biologisch ist, warum es meist verschwindet, warum es keine schnelle Therapie gibt – und was Du realistisch tun kannst, um Deinen Körper dabei zu unterstützen.

Written by
Lee Pape, MSc

Was HPV wirklich ist (und warum es meist von selbst verschwindet)
HPV sind winzige Viren, die Haut- und Schleimhautzellen infizieren und sich dort vermehren. Einige HPV-Typen (z. B. 6 und 11) lösen gutartige Warzen aus, andere (Hochrisiko-Typen wie HPV 16 oder 18) können mit der Zeit Zellveränderungen im Gebärmutterhals oder an anderen Schleimhäuten anstoßen. „Hochrisiko“ bedeutet dabei nur, dass diese Typen das Potenzial für Krebsentstehung haben – nicht, dass jede Infektion in Krebs mündet. Im Gegenteil: Die meisten Infektionen klingen von selbst ab, bevor sie Probleme verursachen. NetDoktor und Frauenärzte-im-Netz betonen, dass etwa 90 % der Infektionen innerhalb von zwei Jahren ohne Behandlung ausheilen.
Dein Körper ist darauf vorbereitet, HPV loszuwerden. Ein starkes Immunsystem erkennt infizierte Zellen und vernichtet sie meist zuverlässig. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wie der PAP-Abstrich helfen dabei, eventuelle Zellveränderungen früh zu entdecken (mehr zur Abstrich-Methode in unserem PAP-Grundlagenartikel). Solange noch keine auffälligen Veränderungen da sind, braucht es meist nur Zeit. Dein Körper schafft es in neun von zehn Fällen ganz ohne „Wunderheilung“, HPV zu eliminieren
Warum es keine "HPV-Therapie" gibt
Es gibt leider kein Medikament oder Wundermittel, das HPV direkt “abtöten" kann – solch eine Therapie existiert schlicht nicht. HPV nistet sich in Deine Zellen ein, und antivirale Pillen wie bei Herpes sind für HPV nicht entwickelt. Da es für die HPV-Infektion keine Medikamente gibt, dauert es also oft einige Zeit, bis das Virus wieder verschwindet. Die Dauer kann dabei von Frau zu Frau variieren.
In der Praxis behandelt man daher nur die Folgen von HPV: Genitalwarzen (Feigwarzen) kann man entfernen, auffällige Zellveränderungen am Gebärmutterhals durch kleine Eingriffe beheben.
Wenn in einem PAP-Abstrich bereits Zellveränderungen auffallen, ändert sich die Situation: Ein positives Ergebnis weist darauf hin, dass HPV bereits Zellen verändert hat – hierzu gibt es unseren Artikel zum positiven PAP-Abstrich. Ist noch alles unauffällig, steht keine akute Therapie an. Es gibt schlicht keine Pille, die HPV “sofort” aus dem Körper wischt. Vielmehr ist es Aufgabe Deines Körpers, die Infektion in Ruhe auszuheilen.
Der wichtigste Faktor gegen HPV: Dein Immunsystem
Dein Körper selbst ist der beste HPV-Kämpfer. Ein funktionierendes Immunsystem erkennt infizierte Zellen und vernichtet sie in der Regel zuverlässig. Menschen mit geschwächtem Immunsystem entwickeln nachweislich viel häufiger hartnäckige HPV-Infektionen. Studien zeigen umgekehrt: Ist die Immunabwehr intakt, kann sie HPV meistens allein eliminieren. Eine aktuelle Studie bestätigt, dass ca. 90 % der HPV-Infektionen innerhalb von zwei Jahren vom eigenen Abwehrsystem beseitigt werden.
Die Forschenden dieser Untersuchung fanden außerdem, dass einige spezielle Immunzellen (aktive T-Zellen) eng mit der Viruslast korrelieren und offenbar am stärksten in den Kampf eingreifen. Das heißt: Je besser Du Dein Immunsystem unterstützt, desto eher kann es HPV erledigen. Bei anhaltendem HPV-Infekt deutet vieles darauf hin, dass irgendetwas dem Abwehrkampf im Weg steht. Chronischer Stress, Schlafmangel oder Nährstoffmangel können zum Beispiel die Immunantwort verschlechtern.
Was kann man noch tun, um HPV loszuwerden?
Die wichtigste Frage, die sich Frauen stellen, die positiv auf HPV getestet werden ist: "Was kann ich realistisch tun, um meinen Körper zu unterstützen?“. Die medizinische Antwort ist klar und gleichzeitig ernüchternd: Es gibt keine Maßnahme, die HPV garantiert heilt. Aber es gibt gut belegte Faktoren, die in klinischen Untersuchungen mit einer schnelleren HPV-Rückbildung assoziiert sind. Diese Faktoren wirken nicht antiviral, sondern immunologisch. Das heißt sie beeinflussen also wie gut Dein Körper in der Lage ist, das Virus selbst zu eliminieren.
Rauchen und HPV: einer der stärksten Risikofaktoren
Unter allen untersuchten Lebensstilfaktoren ist Rauchen einer der am besten belegten negativen Einflussfaktoren im Zusammenhang mit HPV. Zahlreiche Studien zeigen, dass Rauchen sowohl die lokale Immunabwehr am Gebärmutterhals als auch systemische Immunmechanismen beeinträchtigt. Nikotin und andere Tabakbestandteile verändern die Schleimhautdurchblutung, fördern oxidativen Stress und reduzieren die Aktivität von Immunzellen, die für die Erkennung virusinfizierter Zellen zuständig sind.
Frauen, die rauchen, weisen im Durchschnitt eine höhere HPV-Viruslast auf und haben ein erhöhtes Risiko für eine persistierende Hochrisiko-HPV-Infektion. Besonders relevant ist dabei, dass dieser Effekt dosis- und zeitabhängig ist: Je länger und intensiver geraucht wird, desto ungünstiger sind die immunologischen Bedingungen. Umgekehrt zeigt sich, dass ein Rauchstopp die Voraussetzungen für eine HPV-Rückbildung messbar verbessert. Nicht, weil Rauchen HPV „verursacht“, sondern weil es die Immunantwort dort schwächt, wo sie für die Rückbildung entscheidend ist.
Mikronährstoffe und HPV: Das Fundament der Heilung
Ein weiterer zentraler Forschungsbereich betrifft den Zusammenhang zwischen Mikronährstoffstatus und HPV-Persistenz. Wichtig ist dabei eine klare Einordnung: Mikronährstoffe sind keine antiviralen Wirkstoffe. Sie eliminieren HPV nicht direkt. Dennoch zeigen epidemiologische und klinische Studien konsistent, dass bestimmte Nährstoffmängel mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für persistierendes HPV und HPV-assoziierte Zellveränderungen assoziiert sind.
Besonders häufig untersucht wurden Folat (Vitamin B9) und Vitamin B12. Beide spielen eine zentrale Rolle bei der DNA-Synthese, der Methylierung und der Reparatur genetischer Schäden. Niedrige Folatspiegel wurden wiederholt mit einem erhöhten Risiko für HPV-Persistenz und zervikale Dysplasien in Verbindung gebracht. Ähnliche Zusammenhänge finden sich für Vitamin B12, insbesondere im Zusammenspiel mit Folat.
Auch Vitamin D rückt zunehmend in den Fokus. Vitamin D ist kein klassisches „Immunsystem-Vitamin“, sondern ein Immunmodulator. Es beeinflusst die Aktivität von T-Zellen, Makrophagen und entzündungsregulierenden Signalwegen. Studien zeigen, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für HPV-Clearance und einer langsameren Rückbildung zervikaler Veränderungen assoziiert sein können. Entscheidend ist dabei nicht eine kurzfristige Hochdosierung, sondern ein langfristig suffizienter Status.
Darüber hinaus gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen antioxidativen Mikronährstoffen – etwa Vitamin A, C, E sowie Spurenelementen wie Zink und Selen – und der Fähigkeit des Körpers, virale Prozesse zu kontrollieren. Diese Nährstoffe sind an der Reduktion oxidativen Stresses, an der Schleimhautintegrität und an Immunzellfunktionen beteiligt. Ein Mangel kann die Immunantwort nicht nur schwächen, sondern auch die Regeneration der betroffenen Schleimhaut verzögern.
Der entscheidende Punkt bleibt jedoch: Eine gute Mikronährstoffversorgung schafft Voraussetzungen, keine Garantien. Sie ersetzt keine Zeit, keine Kontrolle und keine ärztliche Begleitung – sie verhindert aber, dass der Körper aus einem Defizit heraus regulieren muss.
Schlaf, circadianer Rhythmus und HPV: Immunregulation im Hintergrund
Schlaf ist einer der am meisten unterschätzten Faktoren im Kontext viraler Infektionen. Dabei ist die Datenlage eindeutig: Schlaf beeinflusst Immunfunktionen tiefgreifend. Während des Schlafs werden Immunzellen regeneriert, entzündliche Prozesse moduliert und adaptive Immunantworten stabilisiert.
Große bevölkerungsbasierte Studien zeigen, dass sowohl chronischer Schlafmangel als auch sehr unregelmäßige Schlafzeiten mit einer höheren HPV-Prävalenz assoziiert sind. Interessanterweise scheint nicht allein die Schlafdauer entscheidend zu sein, sondern vor allem die Regelmäßigkeit des Schlaf-Wach-Rhythmus. Ein dauerhaft gestörter circadianer Rhythmus kann dazu führen, dass Immunzellen zeitlich „asynchron“ arbeiten und weniger effektiv auf virale Signale reagieren.
Für die HPV-Rückbildung bedeutet das: Ein stabiler Schlafrhythmus unterstützt genau jene T-Zell-vermittelten Prozesse, die notwendig sind, um virusinfizierte Zellen zu erkennen und zu eliminieren.
Entzündungsstatus, Stoffwechsel und das immunologische Milieu
Psychologischer Stress wirkt nicht abstrakt, sondern messbar auf das Immunsystem. Chronisch erhöhte Stresshormone wie Cortisol können die Aktivität bestimmter Immunzellen dämpfen, entzündliche Prozesse dysregulieren und die HPV-spezifische T-Zell-Antwort abschwächen.
Studien zeigen, dass Frauen mit hohem chronischem Stresslevel häufiger eine persistierende HPV-Infektion aufweisen. Dabei geht es nicht um akute Belastungssituationen, sondern um dauerhafte Überaktivierung des Stresssystems ohne ausreichende Regenerationsphasen. Der Körper befindet sich dann biologisch in einem Zustand, der auf Überleben, nicht auf Feinregulation ausgelegt ist – und genau diese Feinregulation ist für die Viruselimination notwendig.
Wichtig ist: Stressreduktion bedeutet nicht Stressfreiheit. Es geht um Regulation, nicht um Perfektion. Regelmäßige Erholungsphasen, Bewegung, soziale Sicherheit und Schlaf wirken hier als immunologisch relevante Faktoren.
Chronischer Stress und HPV: wenn Immunantwort gebremst wird
HPV persistiert häufiger in einem chronisch entzündlichen Milieu. Niedriggradige Entzündungen – etwa durch stark verarbeitete Ernährung, dauerhafte Blutzuckerschwankungen, Bewegungsmangel oder hohen Alkoholkonsum – können Immunprozesse subtil, aber nachhaltig stören.
Ein entzündungsärmerer Lebensstil wirkt nicht direkt antiviral, verbessert aber die Qualität der Immunantwort und die Regenerationsfähigkeit der Schleimhäute. Auch hier gilt: Es geht nicht um kurzfristige Interventionen, sondern um ein stabiles biologisches Umfeld, in dem das Immunsystem effizient arbeiten kann.
Was das alles bedeutet – und was nicht
Diese Faktoren:
eliminieren HPV nicht direkt
sind keine Therapie
ersetzen keine Vorsorge oder Kontrolle
Aber sie beeinflussen die Wahrscheinlichkeit, mit der Dein Körper seine natürliche Selbstheilung abschließt. HPV ist kein Kampf gegen ein Virus, sondern ein Prozess der Regulation über Zeit. Und genau dort setzen diese Faktoren an.
Wie schnell verschwindet HPV?
Da es kein direktes Medikament gibt und der Körper HPV selbst loswerden muss, kannst Du leider keine Heilung über Nacht erwarten. Wie lange es dauern kann? Etwa 90 % der HPV-Infektionen verschwinden innerhalb von zwei Jahren. Dieses Zeitfenster nutzt man daher oft als Beobachtungsphase bis weitere Schritte bei ausbleibender Heilung eingeleitet werden. Dennoch solltest Du in dieser Zeit nicht untätig bleiben:
Zeithorizont: In der Regel empfiehlt man nach etwa 6–12 Monaten eine Kontrolle per PAP-Test und/oder HPV-Test. Erst wenn sich Hochrisiko-HPV nach 18 Monaten nicht klären konnte, wird meist weiter abgeklärt.
Mit jeder negativen Kontrolluntersuchung steigt Deine Chance, dass Dein Körper das Virus endgültig los ist.
Geduld: Ein HPV-Befund kann belastend sein, gerade weil man äußerlich nichts sieht. Wichtig ist: Keine Panik. Dein Zyklus und Dein Infektstatus ändern sich ständig. Gib Deinem Körper und Dir selbst Zeit, die Viren zu bekämpfen.
Medizinische Kontrollen: Halte die empfohlenen Vorsorgetermine ein. Bei Auffälligkeiten (z. B. PAP II, PAP III oder HPV-Positiv) können weitere Schritte folgen. Wenn Deine Ärztin nach 18 Monaten immer noch Hartnäckigkeit beim Hochrisiko-HPV feststellt, wird sie eine engmaschigere Nachsorge anregen (oft mit Kolposkopie – einer Spiegelung des Gebärmutterhalses).
Auch neue Symptome (z. B. ungewöhnlicher Ausfluss oder Blutungen) sollten immer ärztlich abgeklärt werden.
Kurzum: Es ist sinnvoll, am Ball zu bleiben. Halte die Termine ein und sprich offen über Deine Fragen – so stellst Du sicher, dass alles kontrolliert wird und Du beruhigter sein kannst.
Häufige Mythen rund um "HPV natürlich loswerden"
Rund um HPV kursieren zahlreiche Empfehlungen, die auf den ersten Blick plausibel erscheinen. Das liegt nicht daran, dass sie medizinisch korrekt wären, sondern daran, dass sie ein echtes Bedürfnis ansprechen: den Wunsch, aktiv etwas zu tun, statt abzuwarten. Genau hier entstehen Mythen – nicht aus böser Absicht, sondern aus Fehlinterpretationen wissenschaftlicher Zusammenhänge.
Ein zentrales Missverständnis betrifft den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität. Viele Studien zeigen Zusammenhänge zwischen bestimmten Lebensmitteln, Nährstoffen oder Verhaltensweisen und einer geringeren HPV-Persistenz. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass diese Faktoren HPV verursachend beeinflussen.
Ein häufig zitiertes Beispiel ist Papaya. In Beobachtungsstudien zeigte sich, dass Frauen, die regelmäßig Papaya konsumierten, seltener eine persistierende HPV-Infektion aufwiesen. Dieser Befund wird im Internet oft verkürzt dargestellt – mit der impliziten Aussage, Papaya könne HPV „loswerden“. Medizinisch ist diese Schlussfolgerung jedoch nicht zulässig. Beobachtungsstudien können keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen beweisen. Klar hat Papaya antioxidative Eigenschaften doch es ist ebenso gut möglich – und aus wissenschaftlicher Sicht sogar wahrscheinlicher –, dass Frauen, die regelmäßig Papaya essen, insgesamt einen gesundheitsbewussten Lebensstil haben. Sie essen mehr Obst, rauchen seltener, bewegen sich mehr, schlafen besser oder achten stärker auf Vorsorgeuntersuchungen. All diese Faktoren beeinflussen das Immunsystem – und damit indirekt auch die HPV-Rückbildung. Papaya ist in diesem Kontext kein Wirkstoff, sondern ein Marker für ein gesundheitsförderliches Gesamtverhalten.
Ähnlich verhält es sich mit sogenannten „Detox“-Konzepten. Die Vorstellung, man könne HPV durch Entgiftung aus dem Körper spülen, hält sich hartnäckig. Wissenschaftlich und medizinisch ist sie nicht haltbar. Der Körper verfügt bereits über hochspezialisierte Entgiftungssysteme – Leber, Nieren, Darm und Lunge. HPV sitzt nicht frei im Blut, sondern in Zellen der Schleimhaut. Es gibt keinen biologischen Mechanismus, über den Saftkuren, Tees oder Fastenprogramme das Virus gezielt entfernen könnten. In manchen Fällen können aggressive Detox-Ansätze die Schleimhaut sogar zusätzlich reizen.
Auch vaginale Produkte wie Spülungen, Gels oder „HPV-Kuren“ werden häufig beworben. Hier ist besondere Vorsicht geboten. Die vaginale Schleimhaut ist ein sensibles, immunologisch aktives System mit eigener Mikroflora. Eingriffe ohne klare medizinische Indikation können dieses Gleichgewicht stören und die lokale Immunabwehr eher schwächen als stärken. Einzelne Produkte wurden zwar in kleinen Studien untersucht, zeigen aber bislang keine ausreichende Evidenz, um als Standardempfehlung zu gelten. Wichtig ist auch hier die Abgrenzung: Eine beschleunigte Normalisierung von Schleimhautparametern ist nicht gleichbedeutend mit einer sicheren HPV-Elimination.
Ein weiterer verbreiteter Mythos ist die Idee der „Immunsystem-Boosts“. Das Immunsystem funktioniert nicht wie ein Muskel, den man kurzfristig hochfahren kann. Eine dauerhafte, überschießende Aktivierung wäre sogar problematisch. Immunfunktion bedeutet Balance, nicht maximale Stimulation. Hochdosierte Kuren oder kurzfristige Interventionen verändern diese Balance in der Regel nicht nachhaltig – und sind für die HPV-Clearance nicht entscheidend.
Was all diese Mythen gemeinsam haben: Sie greifen reale wissenschaftliche Beobachtungen auf, ziehen daraus aber zu weitgehende Schlussfolgerungen. Sie verwechseln unterstützende Rahmenbedingungen mit therapeutischer Wirksamkeit. Genau deshalb wirken sie überzeugend – und sind gleichzeitig irreführend.
Der medizinisch korrekte Ansatz ist weniger spektakulär, aber deutlich wirksamer: HPV verschwindet in den meisten Fällen nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch Zeit, ein funktionierendes Immunsystem und konsequente Kontrolle. Alles andere sind Begleitfaktoren, keine Abkürzungen.
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Wann ärztliche Begleitung unverzichtbar ist
Der größte Fehler bei HPV ist nicht „zu wenig tun“, sondern entweder in Panik zu verfallen oder das Monitoring aus Angst zu vermeiden. HPV ist meist harmlos – aber der Punkt, an dem es wichtig wird, ist klar: wenn HPV nicht mehr nur ein Befund ist, sondern Veränderungen verursacht oder ungewöhnlich hartnäckig bleibt. Dann brauchst Du nicht Dramatik, sondern Struktur.
Unverzichtbar ist ärztliche Begleitung vor allem in drei Situationen:
Wenn HPV mit Zellveränderungen einhergeht (auffälliger PAP-Befund oder Verdacht darauf).: HPV ist der Auslöser – die klinische Relevanz entsteht, wenn sich Zellen verändern. In diesem Fall geht es nicht mehr um „HPV loswerden“, sondern um die Frage, ob sich Veränderungen zurückbilden, stabil bleiben oder behandelt werden müssen. Dafür sind weitere Untersuchungen sinnvoll (zum Beispiel eine Kolposkopie), weil man damit gezielt beurteilen kann, ob und wo auffälliges Gewebe vorliegt und wie man weiter vorgeht. Den Ablauf und die Einordnung dazu findest Du im Artikel „Was tun bei positivem PAP-Abstrich?“.
Wenn Hochrisiko-HPV persistiert: Dass HPV einige Monate nachweisbar ist, ist normal. Wenn Hochrisiko-HPV jedoch über längere Zeit (häufig wird hier ein Zeitraum im Bereich von 12–18 Monaten diskutiert) weiterhin nachweisbar bleibt, steigt die Relevanz für engmaschigere Kontrollen. Das bedeutet nicht automatisch „Gefahr“, aber es bedeutet: Du solltest den Verlauf professionell begleiten lassen, damit Veränderungen nicht übersehen werden und Du nicht in unnötige Eingriffe gerätst.
Wenn Du Symptome hast oder sichtbare Läsionen auftreten: Genitalwarzen, ungewöhnliche Blutungen (z. B. nach Sex), anhaltender ungewöhnlicher Ausfluss, Schmerzen oder wiederkehrende Reizungen gehören abgeklärt. Oft steckt etwas Harmloses dahinter – aber Symptome sind ein eigener Informationskanal des Körpers und sollten nicht mit „wird schon“ weggeschoben werden. Zudem gibt es Konstellationen, in denen zusätzliche Diagnostik sinnvoll ist, etwa wenn gleichzeitig andere Infektionen, ein auffälliges Mikrobiom oder wiederkehrende Entzündungen vorliegen.
Wenn Dein Immunsystem geschwächt ist:
Bei Immunsuppression (z. B. durch bestimmte Medikamente oder chronische Erkrankungen) ist HPV-Persistenz wahrscheinlicher. Dann gehört HPV immer in ein klares, individuell abgestimmtes Kontrollkonzept.
Der Kern ist: Ärztliche Begleitung ist kein Zeichen von Angst – sondern von Strategie. Du verschiebst die Frage von „Wie werde ich das schnell los?“ hin zu „Wie begleite ich das sicher und klug?“. Genau das ist Selbstwirksamkeit auf medizinisch korrekte Art: Wissen, Geduld, Monitoring – und die richtigen nächsten Schritte, falls es nötig wird.
Abschließende Worte
HPV ist kein persönliches Versagen. Es ist eine extrem häufige Virusinfektion, die Dein Körper in den allermeisten Fällen selbst reguliert – leise, über Zeit, ohne Drama.
Was Du aus diesem Artikel mitnehmen darfst, ist kein „Trick“, sondern etwas Wertvolleres: Verständnis. Du weißt jetzt, warum es keine schnelle Heilung gibt, warum Geduld medizinisch korrekt ist und welche Faktoren Dein Immunsystem realistisch unterstützen können – ohne falsche Versprechen.
Deine Aufgabe ist nicht, alles perfekt zu machen. Deine Aufgabe ist, informiert zu bleiben, Deinen Körper nicht zu sabotieren und die richtigen Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen. Wissen, Kontinuität und Monitoring sind bei HPV die stärksten Hebel.
Wenn Du tiefer in hormonelle Zusammenhänge, Zyklusgesundheit und evidenzbasierte Selbstfürsorge eintauchen möchtest, schaue unbedingt immer wieder auf unserem Research Blog vorbei. Dort teilen wir regelmäßig fundierte Einordnungen, neue wissenschaftliche Erkenntnisse und ausgewählte Angebote – ohne Panikmache, ohne Mythen, ohne leere Versprechen.
Dein Körper kann das. Und Du musst diesen Weg nicht allein gehen.
Quellen:
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FAQs
HPV steht für Humane Papillomviren. Dabei handelt es sich um eine sehr große Virusgruppe mit über 200 bekannten Typen. Einige HPV-Typen betreffen die Haut, andere die Schleimhäute – zum Beispiel am Gebärmutterhals. HPV wird hauptsächlich durch sexuellen Kontakt übertragen und ist extrem verbreitet. Die meisten Infektionen verlaufen symptomlos und bleiben unbemerkt.
In den meisten Fällen ist HPV nicht gefährlich. Die überwiegende Mehrheit aller HPV-Infektionen verschwindet von selbst, ohne Schäden zu verursachen. Relevant wird HPV vor allem dann, wenn bestimmte Hochrisiko-Typen über längere Zeit bestehen bleiben und Zellveränderungen auslösen. Genau deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen so wichtig.
HPV wird in etwa 80–90 % der Fälle innerhalb von 6 bis 24 Monaten vom Immunsystem eliminiert. Die Dauer hängt unter anderem vom HPV-Typ, der Viruslast und individuellen Faktoren wie dem Immunstatus ab. Ein positiver HPV-Test ist daher kein Notfall, sondern meist ein temporärer Befund.
HPV wird nicht aktiv „behandelt“, sondern in der Regel durch das eigene Immunsystem reguliert. Faktoren wie Rauchfreiheit, ausreichender Schlaf, Stressreduktion und eine gute allgemeine Nährstoffversorgung können die Immunfunktion unterstützen. Sie ersetzen jedoch weder Geduld noch ärztliche Kontrollen.
Nahrungsergänzungsmittel sind keine Therapie gegen HPV. Studien zeigen jedoch, dass ein ausgeglichener Mikronährstoffstatus eine zentrale Rolle für die Immunfunktion spielt, die beim Kampf gegen HPV die wichtigste Rolle spielt. Entscheidend ist dabei eine langfristig gute Versorgung mit gut dosierten Mikronährstoffen – nicht kurzfristige Hochdosis-Kuren.
Hinweis: Dieser Artikel basiert auf aktuellen Leitlinien, wissenschaftlichen Studien, Reviews und Meta-Analysen und wurde mit größter Sorgfalt erstellt. Er dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.



