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Ingwertee mit Zitrone, Ingwer, Ananas und Petersilie als Hausmittel, um die Periode auszulösen
Zyklus6. Sep 20269 Min. Lesezeit

Periode auslösen: Was wirklich hilft und was nur ein Mythos ist

Dieser Artikel ist Teil von: Menstruationszyklus: Die 4 Phasen, Hormone und was normal ist

Eine junge Frau saß neulich in meiner telemedizinischen Sprechstunde, und brachte zahlreiche TikTok Trends mit: Zitronen-Shots, literweise Ananassaft, ein Ingwertee-Rezept aus einem Video. Ihre war über mehrere Monate hinweg überfällig, und sie hatte fast alles ausprobiert, was das Internet empfiehlt. Ihre erste Frage war nicht „Welches Hausmittel funktioniert?", sondern „Warum passiert trotzdem nichts?"

Wenn Du Deine Periode auslösen möchtest, kennst Du dieses Gefühl vielleicht: Der Kalender stimmt nicht, die Unsicherheit wächst, und überall gibt es gut gemeinte Tipps. Deshalb hier die ehrliche Einordnung, was davon wirklich etwas bringt, was nur ein Mythos ist und wann eine verspätete Periode in ärztliche Hände gehört.

Die kurze Antwort: Deine Periode kommt erst, wenn ein Eisprung stattgefunden hat und der Progesteronspiegel danach wieder abfällt. Kein Tee und keine Frucht kann diesen hormonellen Ablauf zuverlässig erzwingen. Was Du beeinflussen kannst, sind die Faktoren dahinter, allen voran Stress, Gewicht und eine mögliche Grunderkrankung.

Kann man die Periode natürlich auslösen?

Ganz ehrlich: nur sehr eingeschränkt. Es gibt kein natürliches Mittel, das eine Blutung verlässlich anstößt. Der Zyklus ist ein fein abgestimmtes Zusammenspiel aus Hirnanhangsdrüse, Eierstöcken und den Hormonen Östrogen und Progesteron. Erst wenn nach dem Eisprung der Progesteronspiegel abfällt, löst sich die Gebärmutterschleimhaut und die Periode setzt ein.

Ein Tee kann diesen Ablauf nicht überspringen. Was oft als „Periode auslösen" verkauft wird, ist in Wahrheit eher „den Zyklus unterstützen": also die Bedingungen schaffen, unter denen ein Eisprung und damit eine Blutung wieder stattfinden können. Das ist der entscheidende Unterschied, und er erklärt, warum schnelle Tricks selten halten, was sie versprechen.

Die folgende Übersicht ordnet die bekanntesten Hausmittel ehrlich ein: was ihnen nachgesagt wird und was die Studienlage tatsächlich hergibt.

Hausmittel Was ihm nachgesagt wird Was die Evidenz sagt
Vitamin C Senkt Progesteron, stößt Blutung an Nicht belegt, eher Mythos
Ananas / Bromelain Lockert die Schleimhaut Keine belastbaren Daten
Ingwer Löst die Periode aus Kein Auslöser, lindert aber Regelschmerzen
Petersilie / Beifuß Regt die Gebärmutter an Nicht belegt, in hohen Dosen Vorsicht
Wärme & warmes Bad Fördert die Durchblutung Entspannt, löst aber nichts aus
Bewegung Bringt den Zyklus in Gang Zu viel kann ihn eher stoppen
Stressabbau Lässt die Periode zurückkehren Plausibel, wenn Stress die Ursache ist

Zuerst das Wichtigste: Schwangerschaft ausschließen

Wenn Deine Periode überfällig ist und eine Schwangerschaft grundsätzlich möglich wäre, ist der wichtigste erste Schritt ein Schwangerschaftstest, bevor Du irgendein Hausmittel ausprobierst. Das klingt banal, ist aber der häufigste Grund für eine ausbleibende Blutung im gebärfähigen Alter.

Wichtig zur Einordnung: In diesem Artikel geht es darum, eine verspätete Periode sanft in Gang zu bringen und den Zyklus zu verstehen. Es geht ausdrücklich nicht darum, eine bestehende Schwangerschaft zu beenden. Kräuter und Hausmittel sind dafür weder geeignet noch sicher. Ist der Test positiv oder bist Du unsicher, gehört das in ärztliche Hände.

Diese Hausmittel werden empfohlen, und das sagt die Wissenschaft

Die meisten Tipps aus dem Internet lassen sich schnell zusammenfassen: beliebt, aber wissenschaftlich kaum belegt. Für keines der klassischen Hausmittel gibt es gute Studien, die zeigen, dass es eine Blutung zuverlässig auslöst. Das heißt nicht, dass alle nutzlos sind, einige haben andere, echte Effekte. Hier die ehrliche Einordnung.

Vitamin C: Die Idee dahinter ist, dass Vitamin C den Progesteronspiegel senkt und so die Blutung anstößt. Belegt ist das nicht. Interessanterweise beobachtete eine kleine Studie sogar das Gegenteil, nämlich einen Anstieg von Progesteron bei Frauen mit Gelbkörperschwäche. Sehr hohe Dosen reizen vor allem den Magen und den Darm, ohne den Zyklus verlässlich zu beeinflussen.

Ananas und Bromelain: Dem Enzym Bromelain wird nachgesagt, die Gebärmutterschleimhaut zu lockern. Für einen Effekt auf die Menstruation beim Menschen gibt es keine belastbaren Daten. Ananas ist ein gesunder Snack, ein Periodenauslöser ist sie nicht.

Ingwer: Ingwertee gilt als Klassiker. Für das Auslösen einer Periode fehlen Belege. Gut untersucht ist dagegen etwas anderes: Mehrere Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen beobachteten, dass Ingwer Regelschmerzen spürbar lindern kann. Gegen Krämpfe also ja, als Auslöser eher nein.

Petersilie, Beifuß und Schafgarbe: Diese Kräuter gelten traditionell als menstruationsfördernd. Wissenschaftliche Nachweise dafür gibt es nicht, dafür aber einen wichtigen Sicherheitshinweis: In größeren Mengen oder als konzentriertes Öl können solche Pflanzen kräftig wirken und gehören nicht ohne ärztliche Rücksprache in hohen Dosen konsumiert.

Kurkuma: Auch Kurkuma wird als Emmenagogum, also als menstruationsförderndes Mittel, gehandelt. Nachhaltige Untersuchungen, die den Effekt auf den Zeitpunkt der Periode untersuchen, gibt es jedoch noch nicht. Indirekt werden Effekte angenommen und diskturiert, jedoch müssen tiefgreifendere Studien folgen.

Wärme, Bewegung und Orgasmus: Ein warmes Bad, eine Wärmflasche oder Sex entspannen den Unterleib und tun gut. Dass sie eine Periode auslösen, ist nicht belegt. Bei Bewegung lohnt sogar ein Warnhinweis: Zu viel intensives Training bei zu wenig Energie kann den Zyklus eher zum Stillstand bringen als in Gang.

Warum Deine Periode wirklich ausbleibt

Bleibt die Periode länger aus, liegt das fast nie an einem fehlenden Hausmittel, sondern an einer Ursache dahinter. Genau hier lohnt es sich anzusetzen, denn wer die Ursache kennt, kann wirklich etwas verändern.

Stress: Anhaltender Stress erhöht Cortisol, und Cortisol bremst die Steuerzentrale im Gehirn, die den Eisprung anstößt. Ohne Eisprung verschiebt sich die Blutung oder bleibt aus. In Beobachtungsstudien war stärker empfundener Stress mit unregelmäßigeren Zyklen verbunden. Mehr dazu, warum die Periode ausbleiben kann, liest Du im ausführlichen Ursachen-Artikel.

Untergewicht und zu wenig Energie: Essen zu wenig oder trainieren zu viel, schaltet der Körper die Fortpflanzung auf Sparflamme. Diese sogenannte hypothalamische Amenorrhoe ist eine der häufigsten Ursachen bei jungen, sportlichen Frauen, und auch bei starkem Untergewicht bleibt die Menstruation oft aus.

PCOS: Beim polyzystischen Ovarialsyndrom findet der Eisprung selten oder unregelmäßig statt, weshalb die Periode häufig lange auf sich warten lässt. Was dahintersteckt und was hilft, erklärt unser PCOS-Guide.

Schilddrüse: Eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse bringt den Zyklus schnell durcheinander. Wie eng Schilddrüse und Zyklus zusammenhängen, ist vielen nicht bewusst, dabei ist ein einfacher Bluttest oft aufschlussreich.

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Was den Zyklus wirklich regulieren kann

Hier lohnt sich eine ehrliche Unterscheidung. Willst Du Deine Periode diese Woche vorziehen, gibt es dafür schlicht kein verlässliches Mittel, und das ist in Ordnung zu wissen. Kommt Deine Periode aber immer wieder zu spät, weil der Eisprung durch Stress, Gewicht oder PCOS aus dem Takt ist, dann kannst Du genau an dieser Ursache ansetzen. Was den Zyklus stabilisiert, wirkt über Wochen bis Monate, nicht über Nacht, und führt über die Ursache und über Geduld, nicht über einen schnellen Trick.

Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus): Von allen pflanzlichen Optionen hat Mönchspfeffer die beste Studienlage. Übersichtsarbeiten beobachteten, dass er den Zyklus über mehrere Monate regelmäßiger machen und PMS-Beschwerden lindern kann. Wichtig: Er löst keine Periode sofort aus, sondern kann den Zyklus langfristig unterstützen. Bei Kinderwunsch oder hormonellen Erkrankungen bitte vorher ärztlich abklären.

Myo-Inositol und D-Chiro-Inositol: Gerade wenn ein unregelmäßiger Zyklus mit PCOS oder Insulinresistenz zusammenhängt, sind Inositole die spannendste Option. Eine Meta-Analyse randomisierter Studien (Greff et al., 2023) beobachtete, dass Inositol den Zyklus normalisieren kann und dabei dem Standardwirkstoff Metformin bei Eisprung und Rückkehr der Regelblutung ebenbürtig war, bei sehr guter Verträglichkeit. Der Hebel ist indirekt, aber genau deshalb entscheidend: Inositol unterstützt die Insulinsteuerung und damit den Eisprung, und erst ein regelmäßiger Eisprung sorgt dafür, dass die Periode zuverlässig kommt. Wirkstoff, Eisprung, Zyklus. Ehrlich bleibt: Die große Leitlinien-Analyse zur Aktualisierung 2023 (Fitz et al., 2024) stuft die Gesamtevidenz noch als begrenzt ein, und ein Effekt braucht mehrere Zyklen, kein Mittel wirkt über Nacht.

Zink: Zink trägt zu einer normalen Fruchtbarkeit und Reproduktion bei und schützt die Zellen vor oxidativem Stress. Es ist kein Periodenauslöser, aber ein Baustein für einen gut funktionierenden Zyklus.

Stress, Gewicht und Schlaf: So unspektakulär es klingt, das sind die wirksamsten Hebel. Genug essen, um dem Körper Sicherheit zu signalisieren, Stress runterfahren, ausreichend schlafen und intensives Training dosieren. Kehrt der Zyklus nach solchen Anpassungen zurück, war genau hier die Ursache.

Was Du selbst tun kannst

Bevor Du zu Kräutern greifst, lohnt sich eine ruhige, klare Reihenfolge:

  • Mach einen Schwangerschaftstest, wenn eine Schwangerschaft möglich ist.
  • Führe ein einfaches Zyklustagebuch oder nutze eine App, damit Du und Deine Ärztin ein Muster erkennen.
  • Iss regelmäßig und ausreichend, gerade wenn Du viel trainierst.
  • Reduziere Stress bewusst, ob durch Schlaf, Pausen oder Bewegung, die guttut statt auslaugt.
  • Nutze Wärme und Ruhe für Dein Wohlbefinden, aber erwarte davon kein Wunder.
  • Gib dem Körper Zeit: Ein paar Tage Verspätung sind meist harmlos.

Wann Du zur Ärztin gehen solltest

Eine gelegentlich verspätete Periode ist normal. In diesen Fällen solltest Du sie aber ärztlich abklären lassen:

  • Deine Periode ist länger als drei Monate ausgeblieben, ohne dass Du schwanger bist, stillst oder in den Wechseljahren.
  • Eine Schwangerschaft ist möglich oder der Test ist positiv.
  • Dein Zyklus verändert sich plötzlich stark oder ist dauerhaft kürzer als 21 oder länger als 35 Tage.
  • Es kommen Symptome dazu wie starker Haarausfall, Gewichtsveränderungen, Herzrasen oder starke Unterbauchschmerzen.

Du musst das nicht allein sortieren. In einem kostenlosen Kennenlerngespräch kannst Du Deine Situation mit einer unserer Ärztinnen erst einmal einordnen und Deine Fragen stellen.

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Fazit

Die Periode auslösen im Sinne eines schnellen, zuverlässigen Hausmittels funktioniert leider nicht. Vitamin C, Ananas, Ingwer oder Petersilientee sind beliebt, aber kaum belegt. Was Ingwer kann, ist Regelschmerzen lindern, und das ist auch etwas wert.

Kommt Deine Periode zu spät, ist der erste Schritt ein Schwangerschaftstest, der zweite ein ehrlicher Blick auf Stress, Gewicht, Schlaf und mögliche Ursachen wie PCOS oder die Schilddrüse. Was den Zyklus wirklich reguliert, wirkt über Monate, nicht über Nacht. Und wenn die Periode länger als drei Monate ausbleibt, ist der beste nächste Schritt kein Tee, sondern ein ärztlicher Termin.

Häufige Fragen zum Thema Periode auslösen

Kann man die Periode natürlich auslösen?

Nur eingeschränkt. Ein Hausmittel, das eine Blutung zuverlässig und sofort auslöst, gibt es außerhalb hormoneller Medikamente wie der Pille nicht. Die Periode kommt erst, wenn ein Eisprung stattgefunden hat und der Progesteronspiegel danach abfällt. Was Du beeinflussen kannst, sind die Faktoren dahinter, vor allem Stress, Gewicht und eine mögliche Grunderkrankung.

Hilft Vitamin C, die Periode auszulösen?

Dafür gibt es keine guten Belege. Die Theorie, Vitamin C senke Progesteron und stoße so die Blutung an, ließ sich in Studien nicht bestätigen. Sehr hohe Dosen reizen vor allem Magen und Darm. Als verlässlicher Periodenauslöser ist Vitamin C ein Mythos.

Wie bekomme ich meine Periode schneller?
Ein paar Tage Verspätung sind meist harmlos und lassen sich nicht sinnvoll beschleunigen. Am ehesten hilft es, Stress zu reduzieren, ausreichend zu essen und intensives Training zu dosieren, denn diese Faktoren beeinflussen den Eisprung wirklich. Wärme und Ruhe tun gut, lösen die Periode aber nicht aus. Bleibt sie dauerhaft unregelmäßig, lohnt sich eine ärztliche Abklärung.
Wann sollte ich mit ausbleibender Periode zur Ärztin?
Wenn Deine Periode länger als drei Monate ausbleibt und Du nicht schwanger bist, stillst oder in den Wechseljahren, solltest Du das abklären lassen. Ebenso, wenn eine Schwangerschaft möglich ist, sich Dein Zyklus plötzlich stark verändert oder weitere Symptome wie Haarausfall, Gewichtsveränderungen oder Herzrasen dazukommen.

Wissenschaftliche Quellen

  • Greff D, et al. (2023). Inositol is an effective and safe treatment in PCOS: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Reprod Biol Endocrinol. doi:10.1186/s12958-023-01055-z
  • Fitz V, et al. (2024). Inositol for Polycystic Ovary Syndrome: A Systematic Review and Meta-analysis to Inform the 2023 Update of the International Evidence-based PCOS Guidelines. J Clin Endocrinol Metab. doi:10.1210/clinem/dgad762
  • Negi R, et al. (2021). Efficacy of Ginger in the Treatment of Primary Dysmenorrhea: A Systematic Review and Meta-analysis. Cureus. doi:10.7759/cureus.13743
  • Gordon CM, et al. (2017). Functional Hypothalamic Amenorrhea: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. doi:10.1210/jc.2017-00131
  • van Die MD, et al. (2013). Vitex agnus-castus extracts for female reproductive disorders: a systematic review. Planta Med. doi:10.1055/s-0032-1327831
  • Cerqueira RO, et al. (2017). Vitex agnus castus for premenstrual syndrome and premenstrual dysphoric disorder: a systematic review. Arch Womens Ment Health. doi:10.1007/s00737-017-0791-0
  • Henmi H, et al. (2003). Effects of ascorbic acid supplementation on serum progesterone levels in patients with a luteal phase defect. Fertil Steril. doi:10.1016/S0015-0282(03)00657-5
  • Nagma S, et al. (2015). To evaluate the effect of perceived stress on menstrual function. J Clin Diagn Res. doi:10.7860/JCDR/2015/6906.5611

Über die Autorin

Lisa Maria Emmer

Lisa Maria Emmer

Gründerin · Ärztin · Hormonic

Lisa Maria Emmer ist Mitgründerin und medizinische Leiterin bei Hormonic. Sie begleitet Frauen mit hormonellen Beschwerden tagtäglich und hat sich auf Zyklusgesundheit, PCOS und die Wechseljahre spezialisiert.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf aktuellen Leitlinien und wissenschaftlichen Arbeiten (Stand 2026). Er dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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