Apigenin ist eines der am besten untersuchten Flavonoide mit hormoneller Relevanz. Es findet sich in Kamillentee, Petersilie und Sellerie und zeigt in Studien Wirkungen auf Schlaf, Androgene und Entzündungen.
Apigenin ist eines der am besten untersuchten Flavonoide mit hormoneller Relevanz – bekannt aus Kamillentee, Petersilie und Sellerie. Die Forschung verbindet es mit ruhigerem Schlaf, weniger Entzündung und einem ausgeglicheneren Hormonhaushalt. Was davon belegt ist, für wen es sinnvoll sein kann und wo die Grenzen liegen.
Was ist Apigenin?
Apigenin gehört zur Gruppe der Flavone, einer Untergruppe der Flavonoide. Diese sekundären Pflanzenstoffe geben Pflanzen Farbe und schützen sie vor Stress – und genau diese schützenden Eigenschaften machen sie auch für den menschlichen Körper interessant.
Du nimmst Apigenin täglich über die Ernährung auf, meist ohne es zu wissen. Besonders reich daran sind Kamillenblüten, Petersilie, Sellerie, Salbei, Oregano, Thymian und Artischocken. Eine Tasse Kamillentee ist die bekannteste Quelle – und der Grund, warum Kamille seit Jahrhunderten als Einschlafhilfe gilt.
| Lebensmittel | Apigenin-Gehalt (ungefähr) |
|---|---|
| Getrocknete Petersilie | sehr hoch |
| Kamillenblüten / Kamillentee | hoch |
| Frische Petersilie | mittel bis hoch |
| Sellerie | mittel |
| Salbei, Oregano, Thymian | mittel |
| Artischocke | niedrig bis mittel |
Die Werte schwanken stark je nach Trocknung, Anbau und Zubereitung – eine exakte Aufnahme über die Ernährung lässt sich kaum berechnen.
Apigenin und Schlaf: der GABA-Effekt
Der mit Abstand bekannteste Effekt von Apigenin betrifft den Schlaf. Apigenin kann an die GABA-A-Rezeptoren im Gehirn binden – dieselben Rezeptoren, an denen auch beruhigende Wirkstoffe ansetzen. GABA ist der wichtigste „bremsende" Botenstoff im Nervensystem: Er senkt die Erregbarkeit der Nervenzellen und hilft dem Körper, herunterzufahren.
Das erklärt, warum Kamille beruhigend wirkt. In klinischen Studien wurde meist Kamillenextrakt als Apigenin-Quelle verwendet, und die Effekte auf Schlafqualität und Entspannung waren durchweg positiv. Wichtig zur Einordnung: Weil Kamille weitere Inhaltsstoffe enthält, lässt sich der Effekt nicht zu 100 % nur auf Apigenin zurückführen.
Für viele Frauen ist genau das der Einstieg: Sie kennen Apigenin nicht als Wirkstoff, aber sie kennen das Gefühl nach einer Tasse Kamillentee am Abend.
Apigenin, Hormone und PCOS
Hier wird es für die Frauengesundheit besonders spannend – und hier liegt auch der Grund, warum Apigenin in der PCOS-Forschung so viel Aufmerksamkeit bekommt. PCOS ist gekennzeichnet durch drei ineinandergreifende Probleme: erhöhte Androgene (männliche Hormone), Insulinresistenz und chronische, niedriggradige Entzündung. Apigenin greift in präklinischen Modellen an allen drei Punkten an.
1. Androgene und Hormonbalance
In Tiermodellen senkte Apigenin erhöhte Testosteron- und Östradiolspiegel und ließ gleichzeitig den Progesteronspiegel steigen – eine Verschiebung, die bei PCOS oft das therapeutische Ziel ist. In einer vielzitierten Studie an Ratten normalisierte Apigenin den Zyklus, verkleinerte den Ovardurchmesser und förderte die Entwicklung gesunder Follikel.
2. Insulinsensitivität und Stoffwechsel
Ein Kernproblem bei PCOS ist die Insulinresistenz. Apigenin verbesserte in präklinischen Untersuchungen die Insulinsensitivität, senkte den Blutzucker und beeinflusste den Fettstoffwechsel positiv – relevant, weil viele Frauen mit PCOS mit Gewicht und Stoffwechsel kämpfen.
3. Entzündung
PCOS geht mit erhöhten Entzündungsmarkern wie TNF-α und IL-6 einher. Apigenin hemmt den NF-κB-Signalweg, einen zentralen Schalter für Entzündungen, und senkte in Studien genau diese Marker.
In mehreren Vergleichen näherte sich die Wirkung von Apigenin der von Metformin an – dem Standardmedikament bei PCOS. Das ist ein bemerkenswertes Signal, aber: Diese Ergebnisse stammen überwiegend aus Tier- und Laborstudien. Sie zeigen biologische Plausibilität, ersetzen aber keine großen klinischen Studien am Menschen. Apigenin ist deshalb als ergänzender, ernährungsbasierter Baustein einzuordnen – nicht als Ersatz für eine ärztlich begleitete PCOS-Therapie.
Östrogen: senken oder ausgleichen?
Apigenin hat eine doppelte, regulierende Wirkung auf Östrogen. Es kann einerseits als milder Aromatasehemmer wirken (und damit überhöhte Östrogenspiegel senken), andererseits schwach östrogenähnlich (phytoöstrogen) an Rezeptoren binden. Vereinfacht: Apigenin wirkt eher ausgleichend – es dämpft dort, wo zu viel ist. Genau wegen dieser Hormonaktivität sollten Frauen mit hormonabhängigen Erkrankungen die Einnahme höher dosierter Präparate ärztlich abklären.
Entzündung, Zellschutz und mehr
Über Hormone hinaus ist Apigenin ein potentes Antioxidans. Es neutralisiert freie Radikale, erhöht die Aktivität körpereigener Schutzenzyme (z. B. Superoxiddismutase und Glutathionreduktase) und wird in der Forschung im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Gesundheit, Neuroprotektion und Zellschutz untersucht. Auch hier gilt: vielversprechende, überwiegend präklinische Evidenz.
Bioverfügbarkeit: die eigentliche Herausforderung
Apigenin hat eine Schwäche: Es ist schlecht wasserlöslich, der Körper nimmt es nur begrenzt auf. Genau deshalb reicht „viel Petersilie essen" allein nicht aus, um therapeutische Spiegel zu erreichen. Die Aufnahme lässt sich verbessern durch:
| Strategie | Warum es hilft |
|---|---|
| Kombination mit Vitamin C & Folat | hydrophile Co-Faktoren erhöhen die Plasmaspiegel |
| Aufnahme mit etwas Fett | fettlösliche Flavone werden besser resorbiert |
| Moderne Formulierungen | z. B. Mizellen- oder Nano-Formen verbessern die Löslichkeit |
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Häufige Fragen zu Apigenin
Wirkt Apigenin wirklich bei PCOS?
Hilft Apigenin beim Schlafen?
Quellen
- Mahdavinia M et al. (2025). Apigenin and ellagic acid in PCOS – a comprehensive review. Front Endocrinol.
- Samani SL et al. (2025). Beneficial effects of apigenin on ovarian histological changes in a PCOS rat model. Naunyn-Schmiedeberg's Arch Pharmacol.
- Apigenin restores ovarian function in DHEA-induced PCOS rats (2022). Ann Med.
- Salehi B et al. (2019). The therapeutic potential of apigenin. Int J Mol Sci.
- Apigenin as a promising agent for female reproductive function (2024). Biomedicines.
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