Erhöht die Pille das Krebsrisiko, oder schützt sie sogar? Beides ist ein Stück weit richtig. Dieser Faktencheck ordnet die aktuellen Studien in klaren Zahlen ein, ehrlich und ohne Panikmache.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Pille erhöht das Brustkrebsrisiko leicht und zeitlich begrenzt, nach dem Absetzen normalisiert es sich innerhalb von etwa zehn Jahren.
- Gleichzeitig senkt sie das Risiko für Eierstock- und Gebärmutterkrebs deutlich, oft über Jahrzehnte.
- Auch Minipille und Hormonspirale erhöhen das Brustkrebsrisiko in ähnlich geringem Maße.
- In absoluten Zahlen ist das Zusatzrisiko besonders bei jungen Frauen sehr klein.
- Die Entscheidung für oder gegen die Pille ist immer individuell und gehört ärztlich begleitet.
Wenige Fragen verunsichern so sehr wie die, ob die Antibabypille Krebs verursacht. In den sozialen Medien kursieren dramatische Behauptungen, etwa dass die Pille so krebserregend sei wie Tabak. Als Wissenschaftlerin möchte ich Dir hier ein ehrliches, differenziertes Bild geben, denn die Realität ist komplexer und deutlich weniger beängstigend, als solche Schlagzeilen vermuten lassen.
Die Kurzfassung vorweg: Hormonelle Verhütung lässt bestimmte Krebsarten etwas häufiger, andere deutlich seltener auftreten. Es geht also nicht um ein einfaches Ja oder Nein, sondern um eine Abwägung. In diesem Beitrag geht es ausschließlich um die Pille zur Verhütung, nicht um die Hormontherapie in den Wechseljahren.
Wie hängt die Pille mit Krebs zusammen?
Hormonelle Verhütung und Krebs stehen in einem vielschichtigen Zusammenhang. Die synthetischen Hormone der Pille können das Wachstum bestimmter hormonempfindlicher Zellen leicht anregen, etwa in der Brust, und gleichzeitig andere Gewebe schützen, indem sie zum Beispiel den Eisprung unterdrücken und die Gebärmutterschleimhaut dünn halten. Deshalb fällt die Bilanz je nach Krebsart unterschiedlich aus.
Was ältere Studien gezeigt haben
Der Zusammenhang wird seit Jahrzehnten erforscht, und das Bild ist recht konsistent. Beim Brustkrebs fanden große Auswertungen ein leicht erhöhtes Risiko während der Einnahme, das sich nach dem Absetzen zurückbildete und rund zehn Jahre später nicht mehr nachweisbar war. Beim Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom) zeigte sich ein deutlicher Schutzeffekt von etwa 30 Prozent, der mit der Einnahmedauer zunahm. Noch ausgeprägter war der Schutz beim Eierstockkrebs, mit einem um 30 bis 50 Prozent niedrigeren Risiko, das über viele Jahre nach dem Absetzen anhielt.
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Häufige Fragen zu Pille und Krebs
Erhöht die Pille mein Brustkrebsrisiko wirklich?
Senkt die Pille das Risiko für manche Krebsarten?
Was passiert nach dem Absetzen mit meinem Brustkrebsrisiko?
Wie kann ich mein Brustkrebsrisiko unabhängig von der Pille senken?
Wissenschaftliche Quellen
- Mørch, L. S. et al. (2017). Contemporary Hormonal Contraception and the Risk of Breast Cancer. N Engl J Med, 377(23), 2228-2239. doi:10.1056/NEJMoa1700732
- Fitzpatrick, D. et al. (2023). Combined and progestagen-only hormonal contraceptives and breast cancer risk. PLoS Med, 20(3), e1004188.
- Collaborative Group on Epidemiological Studies on Endometrial Cancer (2015). Endometrial cancer and oral contraceptives. Lancet Oncol, 16(9), 1061-1070.
- Iversen, L. et al. (2017). Lifetime cancer risk and combined oral contraceptives: the RCGP Oral Contraception Study. Am J Obstet Gynecol, 216(6), 580.e1-580.e9.
- Beral, V. et al. (2008). Ovarian cancer and oral contraceptives: collaborative reanalysis of 45 studies. The Lancet, 371(9609), 303-314.
- Michels, K. A. et al. (2018). Duration of oral contraceptive use and risk of ovarian, endometrial, breast, and colorectal cancers. JAMA Oncol, 4(4), 516-521.
- International Agency for Research on Cancer (IARC). Combined estrogen-progestogen contraceptives (Monograph).
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