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Androgene bei Frauen natürlich senken: Was wirklich hilft
PCOSMay 31, 20268 min read

Androgene bei Frauen natürlich senken: Was wirklich hilft

Dieser Artikel ist Teil von: PCOS: The Comprehensive Guide to Causes, Symptoms, and Treatment

Akne, Haarausfall am Kopf, unerwünschte Körperbehaarung, unregelmäßiger Zyklus: Diese Symptome können auf erhöhte Androgene hinweisen. Das häufigste Krankheitsbild dahinter ist PCOS, aber nicht das einzige. Was genau im Körper passiert und welche Maßnahmen tatsächlich durch Studien gedeckt sind, erklärt dieser Artikel.

Key takeaways

Erhöhte Androgene bei Frauen entstehen am häufigsten durch PCOS mit Insulinresistenz als zentralem Mechanismus. Inositol, Zink, Spearmint-Tee und körperliche Aktivität zeigen in RCTs anti-androgene Effekte. Ernährung mit niedrigem glykami schen Index unterstützt den Insulinstoffwechsel und senkt indirekt Androgene. Medikamentöse Optionen bleiben die erste Wahl bei ausgeprägten Symptomen.

Akne am Kinn, Haare die dünner werden, unregelmäßiger Zyklus, Gewichtszunahme im Bauchbereich: Wenn mehrere dieser Symptome zusammentreffen, lohnt sich ein Blick auf den Androgenspiegel. Erhöhte Androgene bei Frauen sind häufiger als oft angenommen und die Ursachen sind fast immer behandelbar.

🔴

Akne am Kinn & Kiefer

💇

Haarausfall am Kopf

📅

Unregelmäßiger Zyklus

⚖️

Bauchfett trotz normaler Ernährung

Was sind Androgene und wann sind sie erhöht?

Androgene, darunter Testosteron, DHEAS und Androstendion, sind männliche Geschlechtshormone, die Frauen in kleineren Mengen natürlicherweise produzieren. Sie werden in den Ovarien und der Nebennierenrinde gebildet und sind wichtig für Knochendichte, Muskelmasse, Libido und Stimmung.

Von Hyperandrogenismus spricht man, wenn die Androgenwerte über dem normalen weiblichen Bereich liegen. Das lässt sich nur sicher über einen Bluttest bestimmen.

Marker Auffällig Hinweis
Gesamt-Testosteron über 0,5 ng/ml Laboreigener Referenzbereich beachten
Freies Testosteron über Referenzbereich Hängt stark von SHBG ab
DHEAS über 350 µg/dl Hinweis auf adrenale Ursache
SHBG erniedrigt Erhöht freies Testosteron indirekt

Kurzdefinition

Was bedeutet Hyperandrogenismus?

Hyperandrogenismus beschreibt erhöhte männliche Geschlechtshormone bei Frauen. Er ist ein zentrales Diagnosekriterium für PCOS, kann aber auch andere Ursachen haben, darunter Nebennierenstörungen oder bestimmte Medikamente.

Die häufigste Ursache: PCOS und Insulinresistenz

Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) ist mit Abstand die häufigste Ursache für erhöhte Androgene bei Frauen im reproduktiven Alter. Der zentrale Mechanismus ist Insulinresistenz, die über erhöhte Insulinspiegel die Ovarialproduktion von Androgenen ankurbelt.

Wie Insulinresistenz Androgene erhöht

1

Insulinresistenz: Das Körpergewebe reagiert weniger sensibel auf Insulin, die Bauchspeicheldrüse schüttet mehr davon aus.

2

Ovarielle Stimulation: Erhöhtes Insulin stimuliert die Theka-Zellen der Eierstöcke direkt, mehr Androgene zu produzieren.

3

SHBG sinkt: Hohe Insulinspiegel reduzieren die Leber-Produktion von SHBG, dem Protein das freies Testosteron bindet und inaktiviert.

4

Mehr freies Testosteron: Weniger SHBG bedeutet mehr biologisch aktives Testosteron im Blut, das Akne, Hirsutismus und Haarausfall auslöst.

Diese Kaskade erklärt, warum Insulinsensitivität der zentrale Angriffspunkt bei der natürlichen Androgensenkung ist. Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse zur Wirksamkeit von Anti-Androgenen bei PCOS (Pundir et al. 2023) bestätigt: Lebensstilinterventionen, insbesondere Gewichtsabnahme, senken Androgene ähnlich effektiv wie medikamentöse Therapien bei mild erhöhten Werten.

Natürliche Ansätze mit Evidenz

RCT-belegt

Myo-Inositol und D-Chiro-Inositol

Die Kombination aus Myo-Inositol und D-Chiro-Inositol senkt in RCTs Testosteron und LH signifikant, während SHBG ansteigt. Wirkmechanismus laut einiger Studien: verbesserte Insulinsensitivität und reduziert die ovarielle Androgenproduktion. Ist auch in dem Supplement Cycle+ enthalten.

Unfer et al. 2016, systematische Übersicht über RCTs

2 RCTs

Spearmint-Tee

Zweimal täglich Spearmint-Tee senkt freie Testosteronspiegel signifikant bei Frauen mit PCOS, ohne LH und FSH zu verändern. Anti-androgene Wirkung gilt als ausreichend belegt für milde Symptome.

Akdogan et al. 2007; Zamani et al. 2012

Zink als natürlicher 5-Alpha-Reduktase-Hemmer

Zink blockiert die 5-Alpha-Reduktase, jenes Enzym, das Testosteron in die deutlich wirksamere Form DHT umwandelt. DHT ist das Androgen, das besonders stark mit Haarausfall am Kopf und Hirsutismus in Verbindung steht. Eine Fallserie und mehrere Beobachtungsstudien zeigen erniedrigte Zinkwerte bei Frauen mit PCOS im Vergleich zu gesunden Kontrollen (Sharma et al. 2024). Zink unterstützt zusätzlich die Insulinsensitivität und senkt Entzündungsmarker, beides Faktoren, die indirekt die Androgenproduktion beeinflussen.

Ernährung und Bewegung: Was die Evidenz stützt

Da Insulinresistenz der zentrale Treiber der ovariellen Androgenproduktion bei PCOS ist, hat Ernährung einen direkten Einfluss. Bereits 5 bis 10 Prozent Körpergewichtsverlust senken Testosteron und Androstendion signifikant und erhöhen SHBG, unabhängig davon welcher Diättyp gewählt wird.

Ernährungsstrategien mit der besten Evidenz

  • Niedriger glykämischer Index: komplexe Kohlenhydrate bevorzugen, Blutzuckerspitzen vermeiden
  • Ausreichend Ballaststoffe: unterstützen Insulinsensitivität und Östrogen-Metabolismus über den Darm
  • Omega-3-Fettsäuren: aus Leinsamen und fettem Fisch, reduzieren Entzündungsmarker
  • Hochverarbeitete Lebensmittel und Fruchtzucker reduzieren: direkte negative Wirkung auf Insulinsensitivität

Diese Empfehlungen decken sich mit der internationalen PCOS-Leitlinie 2023, die Ernährungsanpassung als erste Interventionslinie beschreibt.

Körperliche Aktivität und Androgenreduktion

Regelmäßiges Krafttraining und aerobes Training verbessern die Insulinsensitivität und senken dadurch indirekt die Androgens piegel. Besonders effektiv ist die Kombination aus beiden. Die 2023er PCOS-Leitlinie empfiehlt mindestens 150 Minuten moderate aerobe Aktivität pro Woche als Basisempfehlung. Es gibt keine direkte RCT, die spezifisch Sport und Androgene bei PCOS-Frauen misst, aber die Kausalkette über Insulinsensitivität ist ausreichend belegt.

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Wann medizinische Behandlung notwendig ist

Natürliche Ansätze haben ihre Grenzen. Bei stark erhöhten Androgenspiegeln, ausgepragtem Hirsutismus oder androgenetischem Haarausfall sind medikamentöse Therapien oft wirkungsvoller und schneller. Anti-androgene Medikamente wie Spironolacton oder Flutamid, kombiniert oral-kontrazeptive Pillen mit anti-androgenem Gestagen sowie Metformin bei ausgeprägter Insulinresistenz sind die leitliniengerechten ersten Optionen. Die 2023er Metaanalyse von Pundir et al. bestätigt, dass diese Medikamente statistisch signifikant Testosteron und klinische Hyperandrogenismus-Zeichen reduzieren.

Wann du eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen solltest

Wenn du mehrere der genannten Symptome gleichzeitig bemerkst, wenn dein Zyklus unregelmäßig ist oder wenn sich Symptome wie Hirsutismus oder Haarausfall schnell entwickeln, ist eine ärztliche Abklärung dringend empfohlen. Plötzlich auftretende starke Androgenisierung kann in seltenen Fällen auf Nebennierentumoren oder andere behandlungsbedürftige Ursachen hinweisen.

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Fazit

Erhöhte Androgene sind behandelbar, aber nur wenn du weißt womit du es zu tun hast.

Die stärksten natürlichen Hebel sind Insulinsensitivität verbessern durch Ernährung und Bewegung, Inositol als direkter Ansatz an der ovariellen Androgenproduktion sowie Spearmint und Zink als ergänzende Maßnahmen mit belegter Wirkung. Was nicht hilft: blinde Supplementierung ohne Laborwerte.

Welche Ursache hinter deinen erhöhten Androgenen steckt, bestimmt welche Maßnahme für dich am wirkungsvollsten ist. Unsere PCOS Guide, welche Blutwerte relevant sind, was eine Diagnose bedeutet und gibt Dir weiteres sinnvolles Wissen mit auf den Weg.

Solltest Du sonst noch Fragen haben oder Unterstützung suchen, buche Dir hier gerne eine kostenlose Videosprechstunde mit einem der Hormonic Ärzte. Wir stehen Dir gerne zur Seite.

Häufige Fragen zum Androgenspiegel bei Frauen

Wie merke ich, dass ich erhöhte Androgene habe?

Typische Zeichen erhöhter Androgene bei Frauen sind: persistente Akne besonders am Kinn und Kiefer, Hirsutismus (verstärkte Körperbehaarung an Gesicht, Brust oder Bauch), androgenetischer Haarausfall am Kopf, unregelmäßiger oder ausbleibender Zyklus sowie Gewichtszunahme besonders im Bauchbereich. Eine Diagnose erfordert immer eine Blutabnahme, da Symptome allein nicht ausreichen.

Welche Blutwerte werden bei erhöhten Androgenen bestimmt?

Relevante Blutwerte sind: Gesamttestosteron, freies Testosteron, DHEAS, Androstendion sowie SHBG. Zusätzlich sollten LH, FSH und Nüchterninsulin bestimmt werden, um die häufig zugrundeliegende Insulinresistenz abzuklären. Idealerweise werden die Werte in der frühen Follikelphase (Tag 3 bis 5 des Zyklus) abgenommen.

Kann ich Androgene ohne Bluttest senken?

Lebensstilmaßnahmen wie Ernährungsumstellung und Bewegung sind unbedenklich und sinnvoll, auch ohne Bluttest. Für gezielte Supplementierung, insbesondere Inositol in höheren Dosen, empfiehlt sich aber ein Basislabor, um die Ausgangslage zu kennen und den Therapieerfolg messen zu können. Nur mit Laborwerten lässt sich feststellen, ob die gewählte Maßnahme tatsächlich wirkt.

Wie lange dauert es, bis Inositol Androgene senkt?

In den Studien, die Inositol bei PCOS untersucht haben, wurden signifikante Effekte nach 3 bis 6 Monaten kontinuierlicher Einnahme gemessen. Kurzfristige Effekte nach wenigen Wochen sind wenig belegt. Realistische Erwartung: nach 12 Wochen eine erste Laborkontrolle, nach 6 Monaten eine Gesamtbeurteilung.

Hilft Spearmint-Tee auch bei Androgenen ohne PCOS?

Die vorliegenden RCTs wurden spezifisch bei Frauen mit PCOS oder Hirsutismus durchgeführt. Eine direkte Evidenz für die Wirkung bei Frauen ohne klinisch relevante Androgenisierung fehlt. In der Theorie ist der Mechanismus biologisch plausibel, aber eine Extrapolation auf gesunde Frauen ist wissenschaftlich nicht gerechtfertigt.

Wissenschaftliche Quellen

  • Pundir J, Psaroudakis D, Savnur P, et al. (2023). Efficacy and safety of anti-androgens in PCOS: systematic review and meta-analysis. EClinicalMedicine. doi:10.1016/j.eclinm.2023.102169
  • Unfer V, Carlomagno G, Dante G, Facchinetti F. (2016). Effects of inositols in women with PCOS: systematic review of RCTs. Gynecol Endocrinol. doi:10.3109/09513590.2015.1101444
  • Akdogan M, Tamer MN, Cure E, et al. (2007). Effect of spearmint herbal tea on androgen levels in PCOS: RCT. Phytother Res. doi:10.1002/ptr.2074
  • Zamani M, Neghab N, Torabian S. (2012). Therapeutic effect of Mentha spicata on androgen levels in PCOS. Adv Biomed Res. PMID:23359226
  • Sharma P, et al. (2024). Serum trace elements and PCOS risk. Biol Trace Elem Res. doi:10.1007/s12011-023-03664-6
  • Jalal R, et al. (2020). Therapeutic effects of zinc on reproductive hormones and insulin resistance in PCOS. PMC7206839

About the Author

Lisa Maria Emmer

Lisa Maria Emmer

Ärztin & Medizinische Leiterin · Hormonic

Lisa Maria Emmer ist Mitgründerin und medizinische Leiterin bei Hormonic. Sie begleitet Frauen mit hormonellen Beschwerden tagtäglich und hat sich auf Zyklusgesundheit, PCOS und die Wechseljahre spezialisiert.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf aktuellen Leitlinien und wissenschaftlichen Arbeiten (Stand 2026). Er dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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