PMDS ist die schwere, stimmungsbetonte Form prämenstrueller Beschwerden. Erfahre, woran Du sie erkennst, was dahinter steckt und welche Behandlung wirklich hilft.
PMDS (prämenstruelle dysphorische Störung) ist die schwere, stimmungsbetonte Form des prämenstruellen Syndroms. In den Tagen vor der Periode treten ausgeprägte seelische Symptome wie starke Reizbarkeit, depressive Verstimmung oder innere Anspannung auf, die nach Einsetzen der Blutung wieder abklingen.
Das Wichtigste in Kürze
- PMDS betrifft bestätigt rund 2 von 100 Frauen im gebärfähigen Alter, wenn die Diagnose sauber über zwei Zyklen erfasst wird.
- Der Kern ist seelisch: starke Reizbarkeit, Stimmungstiefs, Angst und das Gefühl, „nicht Du selbst" zu sein, jeweils in der zweiten Zyklushälfte.
- Nach dem führenden Modell liegt die Ursache nicht in zu hohen oder zu niedrigen Hormonwerten, sondern in einer besonderen Empfindlichkeit des Gehirns gegenüber normalen Hormonschwankungen.
- Am besten belegt sind SSRI, die bei PMDS oft schon nach kurzer Zeit wirken.
- PMDS geht mit einem erhöhten Risiko für Suizidgedanken einher. Bei starker Belastung gehört das ärztlich abgeklärt.
Es gibt Frauen, die jeden Monat das Gefühl haben, für ein bis zwei Wochen zu einer anderen Person zu werden. Die Reizbarkeit ist kaum auszuhalten, die Stimmung fällt ins Bodenlose, Beziehungen und Arbeit leiden, und mit der Periode ist plötzlich alles wieder da, als wäre nichts gewesen. Wenn Du Dich hier wiedererkennst, ist das kein Zeichen von Schwäche und auch nicht „einfach nur PMS". Es könnte eine prämenstruelle dysphorische Störung sein, ein ernst zu nehmendes und gut untersuchtes Krankheitsbild.
Wusstest Du?
Der oft genannte Wert von „3 bis 8 Prozent" der Frauen mit PMDS stammt aus Befragungen im Nachhinein. Wird die Diagnose sauber über zwei Zyklen mit einem Symptomtagebuch gestellt, liegt die bestätigte Häufigkeit näher bei 2 Prozent (Reilly et al., 2024). PMDS ist also seltener, aber klarer definiert, als viele Artikel vermuten lassen.
Was ist PMDS? Der Unterschied zu PMS
PMDS ist die schwere Verlaufsform prämenstrueller Beschwerden, bei der seelische Symptome im Vordergrund stehen und den Alltag deutlich beeinträchtigen. Seit 2013 ist sie im DSM-5, dem international genutzten Diagnosehandbuch, als eigenständige depressive Störung gelistet. Für die Diagnose müssen in der Woche vor der Periode mindestens fünf Symptome vorliegen, darunter mindestens ein seelisches Kernsymptom, und sie müssen nach Einsetzen der Blutung wieder abklingen.
Der Unterschied zu PMS liegt vor allem in Schwere und Schwerpunkt. PMS ist weit verbreitet und oft körperlich geprägt. PMDS betrifft nur einen kleinen Teil der Frauen, ist stark stimmungsbetont und führt zu einer echten Beeinträchtigung von Beziehungen, Arbeit oder Ausbildung.
| Merkmal | PMS | PMDS |
|---|---|---|
| Häufigkeit | sehr viele Frauen | ca. 2 % (bestätigt) |
| Hauptsymptome | körperlich, leicht seelisch | stark seelisch (Reizbarkeit, Stimmungstief, Angst) |
| Alltag | belastend, aber machbar | deutliche Beeinträchtigung |
| Diagnose | klinisch | DSM-5, Symptomtagebuch über 2 Zyklen |
Was passiert in Deinem Körper?
Nach dem heute führenden Modell entsteht PMDS nicht durch abnorme Hormonwerte, sondern durch eine überempfindliche Reaktion des Gehirns auf die normalen Hormonschwankungen der zweiten Zyklushälfte. Eine zentrale Rolle spielt Allopregnanolon, ein Abbauprodukt des Gelbkörperhormons Progesteron. Es wirkt auf die sogenannten GABA-A-Rezeptoren, also die wichtigsten beruhigenden Schaltstellen im Gehirn.
Bei Frauen mit PMDS scheint dieses beruhigende System anders auf Allopregnanolon zu reagieren, sodass die dämpfende Wirkung ausbleibt und stattdessen Reizbarkeit und Anspannung entstehen. Zusätzlich ist der Botenstoff Serotonin beteiligt, was erklärt, warum SSRI bei PMDS oft schnell wirken. Wichtig zur Einordnung: Das ist ein gut begründetes Modell, keine endgültig bewiesene Ursache. Plausibel ist auch ein indirekter Weg, bei dem die veränderte Regulation dieses Systems die Stressverarbeitung mitbeeinflusst und Symptome so verstärkt.
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Häufige Fragen zu PMDS
Was ist der Unterschied zwischen PMS und PMDS?
Wie wird PMDS diagnostiziert?
Kann man PMDS natürlich behandeln?
Ab wann sollte ich mit PMDS zum Arzt?
Wissenschaftliche Quellen
- Reilly, T. J. et al. (2024). The prevalence of premenstrual dysphoric disorder: A systematic review and meta-analysis. Journal of Affective Disorders. doi:10.1016/j.jad.2024.01.070
- Epperson, C. N. et al. (2012). Premenstrual Dysphoric Disorder: Evidence for a New Category for DSM-5. American Journal of Psychiatry. doi:10.1176/appi.ajp.2012.11081302
- Jespersen, C. et al. (2024). Selective serotonin reuptake inhibitors for premenstrual syndrome and premenstrual dysphoric disorder. Cochrane Database of Systematic Reviews. doi:10.1002/14651858.CD001396.pub4
- Ma, S. und Song, S. J. (2023). Oral contraceptives containing drospirenone for premenstrual syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews. doi:10.1002/14651858.CD006586.pub5
- Hantsoo, L. und Epperson, C. N. (2020). Allopregnanolone in premenstrual dysphoric disorder (PMDD). Neurobiology of Stress. doi:10.1016/j.ynstr.2020.100213
- Dubey, N. et al. (2017). The ESC/E(Z) complex, an effector of response to ovarian steroids, manifests an intrinsic difference in cells from women with PMDD. Molecular Psychiatry. doi:10.1038/mp.2016.229
- Thys-Jacobs, S. et al. (1998). Calcium carbonate and the premenstrual syndrome. American Journal of Obstetrics and Gynecology. doi:10.1016/S0002-9378(98)70377-1
- Wyatt, K. M. et al. (1999). Efficacy of vitamin B-6 in the treatment of premenstrual syndrome. BMJ. doi:10.1136/bmj.318.7195.1375
- Verkaik, S. et al. (2017). The treatment of premenstrual syndrome with preparations of Vitex agnus castus. American Journal of Obstetrics and Gynecology. doi:10.1016/j.ajog.2017.02.028
- Prowse, E. et al. (2022). Suicidal and self-harm behaviours in women with premenstrual syndrome and premenstrual dysphoric disorder. International Journal of Environmental Research and Public Health. doi:10.3390/ijerph19010535
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