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Hormonspiegel testen: Was es kostet und wer es bezahlt - Hormonic
Sep 21, 202611 min read

Hormonspiegel testen: Was es kostet und wer es bezahlt

4,50 Euro. So viel bekommt ein Labor von der gesetzlichen Krankenkasse für die Bestimmung Deines FSH-Werts. Bezahlst Du denselben Wert selbst, stehen 14,57 Euro auf der Rechnung. Und wenn Du Dir stattdessen ein Speicheltest-Paket nach Hause bestellst, das dieses Hormon nicht einmal enthält, zahlst Du 159,90 Euro.

Dieselbe Frage, drei völlig verschiedene Preise. Dieser Artikel erklärt, woher diese Spanne kommt, wann die Kasse Deine Hormonwerte bezahlt und wann nicht, was Du als Selbstzahlerin realistisch einplanen musst und warum der teuerste Weg selten der aussagekräftigste ist.

Kurz erklärt: Es gibt in Deutschland keine Leistung namens „Hormonspiegel“. Abgerechnet wird jeder einzelne Wert für sich, entweder über den EBM zulasten der Krankenkasse oder über die GOÄ auf Deine Rechnung. Der Preis hängt deshalb nicht davon ab, wie aufwendig die Blutabnahme ist, sondern davon, wie viele Werte bestimmt werden und nach welcher Gebührenordnung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die gesetzliche Kasse zahlt Hormonwerte, wenn ein medizinischer Anlass dahintersteht. Ohne Beschwerden und ohne Verdacht ist es eine Selbstzahlerleistung, die Du vorher schriftlich vereinbaren musst.
  • Für die Kasse kostet ein einzelner Hormonwert zwischen 2,39 und 10,95 Euro. Als Selbstzahlerin zahlst Du für genau denselben Wert 14,57 bis 30,16 Euro.
  • Ein Standard-Hormonprofil liegt bei rund 100 Euro Laborkosten, dazu kommen Beratung und Blutentnahme.
  • AMH hat keine Kassenziffer. Dieser Wert ist praktisch immer Selbstzahlerleistung und kostet je nach Labor 29 bis 57 Euro.
  • Heimtests kosten 100 bis 500 Euro, je nach Tiefe. Hier ist es wichtig auf Qualität und Messverfahren zu achten (Trockenblut, Kapillarblut- oder Speichel).

Was ein Hormonwert wirklich kostet

Die folgende Tabelle zeigt für jeden gängigen Wert drei Preise: was das Labor von der gesetzlichen Kasse bekommt, was Du als gesetzlich Versicherte ohne Indikation selbst zahlst, und was auf einer privatärztlichen Rechnung steht.

Hormonwert Kasse zahlt dem Labor Selbstzahlerin Privatrechnung
TSH (Schilddrüse) 2,39 € 14,57 € 16,76 €
FSH 4,50 € 14,57 € 16,76 €
LH 4,90 € 14,57 € 16,76 €
Progesteron 3,80 € 20,40 € 23,46 €
Östradiol 4,60 € 20,40 € 23,46 €
Prolaktin 4,60 € 20,40 € 23,46 €
Testosteron 5,00 € 20,40 € 23,46 €
DHEAS 6,35 € 20,40 € 23,46 €
SHBG 10,95 € 26,23 € 30,16 €
AMH (Eizellreserve) keine Kassenziffer 43,72 € 50,27 €

Die Kassenbeträge stammen aus der Euro-Gebührenordnung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe mit Stand Juli 2025. Die Selbstzahlerpreise entsprechen dem einfachen Satz der Gebührenordnung für Ärzte, die Privatrechnung dem 1,15-fachen Satz, der bei Laborleistungen der übliche Regelsatz ist.

Zwei Dinge fallen beim Lesen dieser Tabelle sofort auf. Erstens: Der Sprung zwischen Kassen- und Selbstzahlerpreis ist enorm, beim TSH mehr als das Sechsfache. Zweitens: AMH steht ohne Kassenpreis da. Für dieses Hormon ist im Leistungsverzeichnis der gesetzlichen Kassen keine eigene Position vorgesehen, weshalb es auch bei bestehendem Kinderwunsch in aller Regel selbst gezahlt wird.

Der Preisunterschied hat nichts mit der Qualität der Messung zu tun. Es ist in beiden Fällen dasselbe Blut, dasselbe Labor und dasselbe Gerät. Es ist nur eine andere Gebührenordnung.

Was ein ganzes Profil kostet

In der Praxis wird selten ein einzelner Wert bestimmt. Übliche Pakete sehen so aus, hier am Beispiel der veröffentlichten Selbstzahlerpreise eines großen Münchner Labors:

  • Hormonprofil Frau vor den Wechseljahren mit Androstendion, DHEAS, FSH, LH, Östradiol, Progesteron und Testosteron: 100 Euro
  • Hormonprofil Frau nach den Wechseljahren mit FSH, LH, Östradiol und Östron: 70,72 Euro
  • AMH einzeln: 29,15 Euro

Das sind reine Laborkosten. In der Arztpraxis kommen ärztliche Leistungen dazu, also das Gespräch, die Untersuchung und die Blutentnahme. Wie hoch dieser Anteil ausfällt, ist von Praxis zu Praxis verschieden und lässt sich nicht seriös pauschalisieren. Verlangen darfst Du in jedem Fall eine Rechnung, auf der jede Position mit Gebührenziffer und Steigerungsfaktor einzeln aufgeführt ist. Eine schlichte Endsumme ist bei Selbstzahlerleistungen nicht zulässig.

Wann die Krankenkasse zahlt und wann nicht

Die Regel dahinter steht in einem einzigen Satz des Sozialgesetzbuchs: Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein und dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten. Übersetzt heißt das: Es braucht einen medizinischen Anlass. Nicht Neugier, nicht Vorsorge im Allgemeinen, sondern einen Verdacht, eine Beschwerde oder eine konkrete Fragestellung.

Als Kassenleistung abgerechnet wird eine Hormonbestimmung deshalb typischerweise dann, wenn Du mit Beschwerden kommst, die dazu passen. Beim TSH etwa ist der Bluttest ausdrücklich Kassenleistung bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung und zur Abklärung eines auffälligen Befundes. Bei unerfülltem Kinderwunsch ist die gesamte Ursachenabklärung Kassenleistung, und zwar vollständig, auch wenn die spätere Behandlung anders geregelt ist. Auch die Abklärung eines ausbleibenden oder stark unregelmäßigen Zyklus, eines Verdachts auf PCOS oder eines vorzeitigen Übergangs in die Wechseljahre hat einen medizinischen Anlass.

Was die Kasse dagegen nicht zahlt, ist der Hormoncheck ohne Anlass. Das ist keine Sparmaßnahme, sondern deckt sich mit der Fachliteratur. Die hausärztliche Leitlinie zum TSH-Wert formuliert es deutlich: Ein TSH-Screening bei beschwerdefreien Erwachsenen sollte nicht erfolgen, ebenso wenig ein routinemäßiges Screening bei Frauen mit Kinderwunsch ohne bekannte Schilddrüsenerkrankung. Für die Bestimmung von FSH, LH und Östradiol bei beschwerdefreien Frauen nach den Wechseljahren fand eine Übersichtsarbeit gar keine Evidenz für einen Nutzen.

Ohne medizinischen Anlass wird aus der Untersuchung eine individuelle Gesundheitsleistung. Dafür gilt eine Formvorschrift, die viele nicht kennen: Du musst vor Behandlungsbeginn ausdrücklich verlangen, auf eigene Kosten behandelt zu werden, und das schriftlich erklären. Im Behandlungsvertrag müssen die Gebührenziffern und der Steigerungsfaktor stehen. Wenn Dir jemand mündlich einen Pauschalpreis nennt und nichts zu unterschreiben gibt, entspricht das nicht den Regeln.

Dass es sich lohnt, hier genau hinzusehen, zeigt eine Zahl aus dem IGeL-Report 2024 des Medizinischen Dienstes Bund: Selbstzahlerleistungen machen in Deutschland mindestens 2,4 Milliarden Euro Umsatz im Jahr, und die Gynäkologie ist mit rund 7,5 Millionen Vorgängen pro Jahr die mit Abstand häufigste Fachgruppe. Etwa einem Drittel der Befragten war die Leistung als notwendige Untersuchung dargestellt worden, die die Krankenkassen eben nicht zahlen. Das ist eine Formulierung, die eine Entscheidung vorwegnimmt, die eigentlich Dir gehört.

Der Rechenfehler, der auf vielen Rechnungen steht

Privatärztliche Rechnungen entstehen so: Jede Leistung hat eine Punktzahl, der Punktwert liegt bei 5,82873 Cent, und das Ergebnis wird mit einem Steigerungsfaktor multipliziert. Für ärztliche Leistungen liegt dieser Faktor in der Regel zwischen 1,0 und 2,3.

Für Laborwerte gilt das aber nicht. Hier ist der Rahmen gesetzlich enger gefasst: Der Faktor darf zwischen 1,0 und höchstens 1,3 liegen, und der Regelsatz, den Du normalerweise siehst, ist der 1,15-fache. Ein Östradiol-Wert mit 350 Punkten kostet also einfach 20,40 Euro, im Regelsatz 23,46 Euro und im Maximum 26,52 Euro. Mehr geht nicht. Wenn auf Deiner Rechnung für einen Hormonwert der 2,3-fache Satz steht, ist das ein Fehler, den Du ansprechen darfst.

Deine Werte messen, ohne auf einen Termin zu warten

Das Hormonic Diagnostik Kit ist genau nach den drei Punkten aus diesem Artikel gebaut. Gemessen wird aus Kapillar- und Trockenblut statt aus Speichel, weil das näher an den Serumwerten liegt, auf denen die Referenzbereiche beruhen. Ausgewertet wird im Labor Krone, einem medizinischen Fachlabor in Deutschland. Und die ärztliche Einordnung Deiner Werte gehört dazu. Enthalten sind Östradiol, Progesteron, Testosteron, DHEAS, AMH, Cortisol, Androstendion, 17-Hydroxyprogesteron, hs-CRP und Vitamin D, inklusive Versand und Rückversand.

Diagnostik Kit ansehen

Test für zu Hause: Worauf es wirklich ankommt

Der Preis sagt bei einem Test für zu Hause erstaunlich wenig aus. Was darüber entscheidet, ob Du am Ende eine verwertbare Zahl in der Hand hältst, sind drei andere Dinge: das Probenmaterial, das auswertende Labor und die Frage, ob jemand das Ergebnis mit Dir einordnet. Die Spanne bei den Kosten reicht dabei von rund 69 bis 160 Euro.

1. Blut oder Speichel, das ist die wichtigste Frage

Hier liegt der größte Unterschied, und er wird beim Kauf fast nie beachtet. Eine Auswertung von acht Zyklusstudien mit über 1.200 Frauen und mehr als 9.500 Messzeitpunkten hat Speichel- und Blutmessungen direkt verglichen. Im Blut ließ sich aus der Zyklusphase die Hormonkonzentration gut vorhersagen. Im Speichel gelang das für Östradiol schlecht, die Werte waren systematisch nach oben verzerrt, und die von Herstellern angegebenen Übereinstimmungen mit dem Blutwert ließen sich unabhängig nicht reproduzieren (Arslan et al., 2023). Die Autorinnen und Autoren kamen sogar zu dem Schluss, dass eine rechnerische Schätzung allein aus dem Zyklustag valider sein kann als eine Speichelmessung.

Der Grund dafür ist einfach: Speichel enthält nur den freien, ungebundenen Anteil eines Hormons, und der schwankt stark. Kapillarblut oder Trockenblut liegen deutlich näher an den Serumwerten, auf denen alle etablierten Referenzbereiche beruhen. Das ist der Grund, warum wir bei Hormonic beim Diagnostik Kit bewusst auf Kapillar- und Trockenblut setzen und nicht auf Speichel. Wer sich einen Test für zu Hause ansieht, sollte diese Angabe als Erstes suchen. Steht dort Speichel, und geht es um Östradiol oder Progesteron, ist das Ergebnis mit Vorsicht zu lesen.

2. Wer wertet die Probe eigentlich aus?

Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie hat sich im Oktober 2024 kritisch zu Hormon-Selbsttests für zu Hause geäußert. Ihre Einwände sind konkret und nachvollziehbar, und es lohnt sich, sie genau zu lesen, statt sie als Pauschalurteil zu nehmen. Erstens hängen Hormonwerte stark von äußeren Bedingungen ab, allen voran von der Tageszeit der Probennahme. Zweitens lasse sich bei vielen kommerziellen Tests nicht nachvollziehen, welche Qualität Test und Ergebnis überhaupt haben. Drittens fehle das ärztliche Gespräch.

Das sind drei prüfbare Kriterien, keine Glaubensfrage. Der zweite Punkt lässt sich am schnellsten klären: Nennt der Anbieter das auswertende Labor beim Namen, oder nicht? Ein medizinisches Fachlabor, das Du nachschlagen kannst, ist etwas grundsätzlich anderes als eine anonyme Auswertung irgendwo. Unsere Proben gehen an das Labor Krone, ein etabliertes medizinisches Labor in Deutschland, und genau deshalb können wir diese Frage beantworten. Viele Anbieter können es nicht.

3. Bekommst Du eine Zahl oder eine Antwort?

Das ist der Punkt, an dem die meisten Tests für zu Hause tatsächlich scheitern, und es ist auch der berechtigtste der drei Einwände. Ein PDF mit Ampelfarben beantwortet Deine Frage nicht. Ein Wert wird erst dann nützlich, wenn jemand ihn gemeinsam mit Deinem Zyklus, Deinen Beschwerden und Deinen Medikamenten liest. Deshalb gehört zu einem brauchbaren Test eine ärztliche Einordnung dazu, und nicht als Zusatzverkauf, sondern als Teil der Sache.

Und ein Detail, das viele Käuferinnen überrascht: Die meisten Speicheltests sind für Frauen, die hormonell verhüten, laut Anbietern ausdrücklich nicht geeignet. Pille, Hormonspirale, Ring und Implantat greifen so tief in den Zyklus ein, dass das Ergebnis nicht mehr Deinen eigenen Hormonhaushalt abbildet. Warum das so ist, steht im nächsten Abschnitt.

Und was zahlst Du dann eigentlich?

Wenn Du die reinen Laborpreise aus der Tabelle oben neben den Preis eines Tests für zu Hause legst, ist der Unterschied real, und er hat einen Grund. Beim Arzt zahlst Du die Bestimmung des Werts. Bei einem Test für zu Hause zahlst Du zusätzlich den Versand in beide Richtungen, das Entnahmeset, die Auswertung und, sofern der Anbieter sie mitliefert, die ärztliche Einordnung. Und Du sparst den Teil, der sich nicht in Euro ausdrücken lässt: die Terminsuche, die Wartezeit und das Gespräch, in dem Du erklären musst, warum Du überhaupt gemessen haben möchtest.

Beides ist legitim. Der Fehler wäre nur, einen Test für zu Hause zu kaufen und zu glauben, man hätte damit dieselbe Leistung wie beim Arzt günstiger bekommen. Man kauft etwas anderes: Zugang ohne Wartezeit. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, ob die drei Punkte oben erfüllt sind.

Vor dem Test: Welche Werte brauchst Du überhaupt?

Die teuerste Messung ist die, die Deine Frage gar nicht beantwortet. In einem kostenlosen 15-minütigen Erstgespräch gehst Du mit einer unserer Ärztinnen durch, was Dich konkret stört, an welchem Zyklustag gemessen werden sollte und welche Werte in Deiner Situation überhaupt sinnvoll sind. Per Videocall von zu Hause, unverbindlich und ohne Wartezeit.

Kostenloses Erstgespräch sichern

Was Deinen Wert verschiebt, bevor er im Labor ankommt

Ein Hormonwert ist kein Foto, sondern eine Momentaufnahme unter Bedingungen. Vier davon entscheiden darüber, ob die Zahl überhaupt etwas über Dich aussagt, und sie gelten unabhängig davon, wo Du misst.

Hormonelle Verhütung. Das ist der größte Einflussfaktor, und er wird am häufigsten übersehen. Eine Metaanalyse aus 42 Studien mit fast 1.500 gesunden Frauen zeigt, dass unter der Kombinationspille das freie Testosteron im Mittel um 61 Prozent sinkt, während das Bindungsprotein SHBG deutlich ansteigt. Eine Auswertung von 27.125 Frauen fand außerdem niedrigere AMH-Werte: unter der Kombinationspille rund 24 Prozent, unter dem Ring 22 Prozent, unter dem Implantat 23 Prozent und unter der Gestagenmonopille 15 Prozent niedriger als bei Nichtnutzerinnen. Die Kupferspirale zeigte keinen Effekt. Wer unter der Pille misst, misst also zu einem guten Teil die Pille. Welche Werte sich wie verschieben, steht ausführlich im Beitrag Pille und Blutwerte.

Hochdosiertes Biotin. Haar- und Nagelpräparate enthalten Biotin oft in Mengen, die ein Vielfaches der empfohlenen Tageszufuhr betragen. Die US-Arzneimittelbehörde warnt seit 2017 ausdrücklich davor, weil Biotin in gängigen Labortests zu falsch hohen und falsch niedrigen Ergebnissen führen kann, betroffen sind über 200 Tests einschließlich TSH und Testosteron. Als praktische Regel gilt eine Karenz von mindestens acht Stunden ab einer Dosis von fünf Milligramm täglich. Auch die deutsche hausärztliche Leitlinie führt Biotin als Substanz, die den TSH-Wert nach oben verschiebt. Setze solche Präparate nach ärztlicher Rücksprache einige Tage vor der Messung ab.

Der Zyklustag. FSH, LH und Östradiol gehören an Tag 2 bis 5 nach Beginn der Blutung, Progesteron in die zweite Zyklushälfte, etwa fünf bis sieben Tage nach dem Eisprung. Und genau hier liegt eine verbreitete Fehlannahme: Der Eisprung findet nicht bei allen an Tag 14 statt. Eine Auswertung von über 600.000 Zyklen fand eine mittlere Follikelphase von 16,9 Tagen bei erheblicher Streuung. Zähle deshalb für den Progesteron-Termin lieber von der erwarteten Blutung rückwärts als vom Zyklusbeginn vorwärts.

Die Tageszeit. Testosteron, DHEAS und Prolaktin werden morgens bestimmt, Prolaktin zusätzlich ausgeruht, weil schon Stress und der Weg in die Praxis den Wert kurzzeitig anheben können. Auch der TSH-Wert schwankt über den Tag und übrigens auch über das Jahr. Bei einem leicht erhöhten TSH-Erstbefund sieht die Leitlinie deshalb zunächst eine Wiederholungsmessung vor, bevor überhaupt weiterdiagnostiziert wird.

Diese vier Punkte sind übrigens der beste Grund dafür, eine Anleitung ernst zu nehmen. Ein Test für zu Hause, der Dir sagt, an welchem Zyklustag und zu welcher Uhrzeit Du die Probe nimmst, ist an dieser Stelle einem hektisch vereinbarten Praxistermin sogar überlegen, weil Du den Zeitpunkt selbst in der Hand hast. Welcher Wert wann bestimmt wird und was er jeweils anzeigt, ist im Überblick zum Hormonstatus bei der Frau ausführlich beschrieben.

Wie Du praktisch an die Messung kommst

Es gibt mehrere Wege, und sie unterscheiden sich vor allem in Wartezeit, Kosten und darin, wie viel Einordnung Du am Ende bekommst.

In die gynäkologische Praxis kommst Du ohne Überweisung. Falls Du keinen Termin bekommst, hilft die Terminservicestelle unter 116117 weiter, und beim Frauenarzt gilt eine Besonderheit: Hier vermittelt sie auch ohne Dringlichkeitscode auf der Überweisung, anders als bei den meisten anderen Fachrichtungen. Das ist die vermutlich am meisten unterschätzte Abkürzung im deutschen Gesundheitssystem.

Wie lang das dauert, hängt stark davon ab, welchen Weg Du nimmst. In einer Befragung von 1.410 gesetzlich Versicherten im Herbst 2025 gaben 56 Prozent an, länger als vier Wochen auf einen Facharzttermin zu warten, 35 Prozent sogar mehrere Monate. Über die Terminservicestelle vermittelte Termine lagen 2025 dagegen im Schnitt bei 8,6 Tagen, und 91 Prozent kamen in unter 28 Tagen zustande. Die beiden Zahlen widersprechen sich nicht, sie messen nur Unterschiedliches: einmal die Suche auf eigene Faust, einmal den organisierten Weg.

Steht ein Kinderwunsch dahinter, führt der Weg in ein Kinderwunschzentrum, und die Ursachenabklärung ist dort Kassenleistung. Bei Verdacht auf eine hormonelle Grunderkrankung ist die Endokrinologie die passende Adresse. Und seit 2018 ist in Deutschland auch die ausschließlich ärztliche Fernbehandlung berufsrechtlich möglich, sofern sie im Einzelfall ärztlich vertretbar ist. Genau das ist der Weg, den wir bei Hormonic gehen: Messung von zu Hause aus Kapillar- und Trockenblut, Auswertung in einem medizinischen Fachlabor, und danach ein ärztliches Gespräch über das, was in den Zahlen steht.

Fazit

Die eigentliche Kostenfrage lautet nicht, was ein Hormonspiegel kostet, sondern ob Du dafür überhaupt zahlen musst. Mit einem medizinischen Anlass ist die Bestimmung Kassenleistung. Ohne Anlass zahlst Du zwischen 14 und 30 Euro pro Wert und rund 70 bis 100 Euro für ein komplettes Profil, wobei AMH grundsätzlich außen vor bleibt.

Entscheidest Du Dich für einen Test für zu Hause, dann nicht nach dem Preis, sondern nach den drei Punkten aus diesem Artikel: Kapillar- oder Trockenblut statt Speichel, ein Labor, das beim Namen genannt wird, und eine ärztliche Einordnung, die dazugehört statt extra zu kosten. Erfüllt ein Test diese drei Punkte, ist er ein ordentlicher Weg zu Deinen Werten. Erfüllt er sie nicht, ist auch ein günstiger Preis kein Argument.

Und das Wichtigste kostet ohnehin nichts: Schreib auf, was Dich konkret stört, seit wann, und wie Dein Zyklus in den letzten Monaten aussah. Aus dieser Liste entsteht die Fragestellung, und aus der Fragestellung ergibt sich, welche Werte überhaupt gebraucht werden. Umgekehrt funktioniert es selten.

Häufige Fragen zu Kosten und Zugang

Was kostet ein Hormonspiegel beim Frauenarzt?

Als Selbstzahlerin kostet ein einzelner Hormonwert nach der Gebührenordnung für Ärzte rund 14,57 Euro (zum Beispiel FSH, LH oder TSH) bis 26,23 Euro (SHBG). Ein komplettes Hormonprofil aus sieben Werten liegt bei etwa 97 Euro Laborkosten, ein Profil nach den Wechseljahren bei rund 71 Euro. AMH kostet zusätzlich 29 bis 57 Euro je nach Labor. Dazu kommen die ärztlichen Leistungen für Beratung und Blutentnahme, deren Höhe von Praxis zu Praxis verschieden ist. Besteht ein medizinischer Anlass, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Bestimmung, und Du zahlst nichts.

Zahlt die Krankenkasse einen Hormontest?

Ja, wenn ein medizinischer Anlass vorliegt. Dazu gehören etwa der Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung, unregelmäßige oder ausbleibende Zyklen, der Verdacht auf ein PCOS oder die Ursachenabklärung bei unerfülltem Kinderwunsch, die vollständig von der Kasse getragen wird. Ohne Beschwerden und ohne konkrete Fragestellung ist die Bestimmung dagegen eine individuelle Gesundheitsleistung, die Du selbst zahlst und vor Behandlungsbeginn schriftlich vereinbaren musst. AMH bildet eine Ausnahme: Dafür ist im Leistungsverzeichnis der gesetzlichen Kassen keine eigene Position vorgesehen, dieser Wert wird deshalb praktisch immer selbst bezahlt.

Was kostet ein AMH-Test?
Je nach Labor und Steigerungsfaktor zwischen 29,15 und 56,83 Euro als reiner Laborwert. Der einfache Satz der Gebührenordnung liegt bei 43,72 Euro, der übliche Regelsatz bei 50,27 Euro, einzelne Labore bieten den Wert für 29,15 Euro an. Eine Kassenziffer gibt es für AMH nicht, er ist deshalb auch bei Kinderwunsch in aller Regel Selbstzahlerleistung. In einem Test für zu Hause ist AMH meist Teil eines größeren Panels, dann zahlst Du nicht den Einzelwert, sondern das Paket aus Entnahmeset, Versand, Auswertung und Einordnung.
Sind Hormontests für zu Hause sinnvoll?
Das hängt an drei prüfbaren Kriterien, nicht am Preis. Erstens das Probenmaterial: Kapillar- oder Trockenblut liegt näher an den Serumwerten, auf denen alle Referenzbereiche beruhen. Bei Speichel zeigte eine Auswertung von über 1.200 Frauen und mehr als 9.500 Messzeitpunkten für Östradiol nur eine unzureichende Validität mit systematisch nach oben verzerrten Werten. Zweitens das Labor: Nennt der Anbieter es beim Namen, oder bleibt die Auswertung anonym? Drittens die Einordnung: Ein PDF mit Ampelfarben beantwortet Deine Frage nicht, ein ärztliches Gespräch schon. Genau diese drei Punkte nennt auch die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie in ihrer Kritik an vielen kommerziellen Selbsttests. Wer hormonell verhütet, sollte zusätzlich prüfen, ob der Test dafür überhaupt geeignet ist. Bei den meisten Speicheltests ist er es laut Anbietern nicht.

Quellen

  • § 12 SGB V: Wirtschaftlichkeitsgebot der gesetzlichen Krankenversicherung
  • § 18 Abs. 8 Bundesmantelvertrag Ärzte (BMV-Ä): Voraussetzungen der privatärztlichen Leistungserbringung, dargestellt von der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein
  • § 5 Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ): Punktwert 5,82873 Cent und Steigerungssätze, Abs. 4 für Laborleistungen
  • Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe: Euro-Gebührenordnung für die Regelversorgung, Stand 1. Juli 2025
  • Bundesärztekammer, GOÄ-Ratgeber: Individuelle Gesundheitsleistungen, Rechnung nach GOÄ
  • Medizinischer Dienst Bund: IGeL-Report 2024, wissenschaftliche Leitung Prof. Dr. Jonas Schreyögg
  • IGeL-Monitor (Medizinischer Dienst Bund): Blutuntersuchung zur Früherkennung von Schilddrüsenfunktionsstörungen, Stand 31.07.2024
  • DEGAM-Leitlinie Nr. 18 / AWMF 053-046: Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis, S2k, Stand 2023
  • Beyer M, Erler A, Saal K, Petersen JJ: IGeL kritisch betrachtet, Hormonspiegelbestimmung bei beschwerdefreien Frauen in der Postmenopause. Zeitschrift für Allgemeinmedizin 2009;85:371
  • Informationsportal Kinderwunsch des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Das übernimmt die Krankenkasse
  • Labor Leipzig: Preisliste ausgewählter Parameter, IGeL und Privat, Stand 01.01.2025
  • synlab Labor München Zentrum: IGeL-Katalog, Stand 01/2024
  • Arslan RC et al.: Not within spitting distance, salivary immunoassays of estradiol have subpar validity for predicting cycle phase. Psychoneuroendocrinology 2023;149:105994
  • Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie: Bequem, aber unsicher, DGE rät von Hormon-Selbsttests für zu Hause ab. Pressemitteilung vom 30.10.2024
  • Zimmerman Y, Eijkemans MJC, Coelingh Bennink HJT, Blankenstein MA, Fauser BCJM: The effect of combined oral contraception on testosterone levels in healthy women, a systematic review and meta-analysis. Human Reproduction Update 2014;20(1):76-105
  • Hariton E et al.: Anti-Müllerian hormone levels among contraceptive users, evidence from a cross-sectional cohort of 27.125 individuals. American Journal of Obstetrics and Gynecology 2021;225(5):515.e1-515.e10
  • U.S. Food and Drug Administration: The FDA Warns that Biotin May Interfere with Lab Tests, Safety Communication 2017, aktualisiert 2019
  • Segerer S, Sonntag B, Gutensohn K, Keck C: Hormonanalytik, was der Frauenarzt wissen muss. Der Gynäkologe 2018;51(10):891-909
  • Bull JR et al.: Real-world menstrual cycle characteristics of more than 600.000 menstrual cycles. npj Digital Medicine 2019;2:83
  • Techniker Krankenkasse und forsa: Befragung von 1.410 gesetzlich Versicherten zu Facharztterminen, Feldzeit September bis Oktober 2025
  • Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi): Terminvermittlung über die Terminservicestellen 2025, Grafik des Monats Februar 2026
  • Bundesärztekammer: Telemedizin und Fernbehandlung, § 7 Abs. 4 Musterberufsordnung für Ärzte, seit dem 121. Deutschen Ärztetag 2018

About the Author

Lisa Maria Emmer

Lisa Maria Emmer

Gründerin · Ärztin · Hormonic

Lisa Maria Emmer ist Mitgründerin und medizinische Leiterin bei Hormonic. Sie begleitet Frauen mit hormonellen Beschwerden tagtäglich und hat sich auf Zyklusgesundheit, PCOS und die Wechseljahre spezialisiert.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf aktuellen Leitlinien, Gebührenordnungen und wissenschaftlichen Arbeiten (Stand 2026). Preisangaben können sich ändern und dienen der Orientierung. Der Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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