Neulich lag mein Blutbild vor mir, und zwischen all den Werten stand ein Wort, das ich zwar ständig benutze, aber selten wirklich erkläre: Östradiol. Daneben eine Zahl und ein Referenzbereich, der so breit war, dass ich erst einmal stutzte. War das jetzt gut? Zu viel, zu wenig? Wenn es Dir mit Deinen Hormonwerten ähnlich geht, bist Du hier richtig. Denn Östradiol, auch Estradiol geschrieben, ist das wichtigste Östrogen der Frau, und ein einzelner Wert sagt fast nichts, solange man nicht weiß, wann im Zyklus er gemessen wurde.
Östradiol (Estradiol, E2) ist das stärkste und wichtigste Östrogen der Frau. Es wird vor den Wechseljahren vor allem in den Eierstöcken gebildet, steuert den Zyklus mit und wirkt auf Gebärmutter, Knochen, Haut, Stimmung und Schleimhäute.
Das Wichtigste in Kürze
- Östradiol ist das wichtigste Östrogen und ein zentraler Taktgeber des Zyklus.
- Ein einzelner Wert ist nur mit dem Zyklustag und Deinen Beschwerden sinnvoll deutbar.
- Hohe Werte sind oft der normale Anstieg vor dem Eisprung, niedrige stehen häufig für die Wechseljahre.
- Referenzbereiche unterscheiden sich je nach Labor und Zyklusphase deutlich.
- Beeinflussen kannst Du vor allem den Rahmen: Gewicht, Ballaststoffe, Alkohol und einen gesunden Eisprung.
Wusstest Du?
Rund um den Eisprung kann Dein Östradiol auf ein Vielfaches des Werts aus der frühen Zyklushälfte ansteigen. Genau deshalb ist ein einzelner Laborwert ohne Zyklustag kaum zu deuten: Dieselbe Frau kann an Tag 3 und an Tag 13 völlig unterschiedliche, aber jeweils völlig normale Werte haben.
Was ist Östradiol?
Östradiol ist das aktivste der Östrogene, also der weiblichen Geschlechtshormone. Vor den Wechseljahren wird es hauptsächlich in den heranreifenden Eibläschen der Eierstöcke gebildet, ein kleinerer Teil entsteht im Fettgewebe. Es sorgt in der ersten Zyklushälfte für den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, hält Knochen und Gefäße mit gesund und beeinflusst Haut, Schlaf und Stimmung.
Man findet den Wert auf dem Laborzettel oft als Estradiol oder E2, meist in Pikogramm pro Milliliter (pg/ml) oder in Pikomol pro Liter (pmol/l). Beide meinen dasselbe Hormon, nur in unterschiedlichen Einheiten. Umrechnen kannst Du grob, indem Du pmol/l durch 3,67 teilst, um auf pg/ml zu kommen.
Über das Leben hinweg verändert sich Östradiol deutlich. Ab der Pubertät steigt es an und schwankt dann rhythmisch mit jedem Zyklus. In der Perimenopause, den Jahren vor der letzten Regel, werden diese Schwankungen unregelmäßiger, bevor der Wert nach den Wechseljahren dauerhaft niedrig bleibt. Genau diese Lebensphasen erklären die meisten Fragen rund um zu hohe oder zu niedrige Werte.
Östradiol im Zyklus: die normalen Werte
Weil Östradiol im Verlauf des Zyklus stark schwankt, gibt es nicht den einen Normalwert, sondern Bereiche je nach Phase. Die folgende Tabelle gibt Dir eine grobe Orientierung. Entscheidend bleibt der Referenzbereich Deines Labors und der Zyklustag, an dem gemessen wurde.
| Zyklusphase | Östradiol (ungefähr, pg/ml) |
|---|---|
| Frühe Follikelphase | ca. 30 bis 120 |
| Kurz vor dem Eisprung | ca. 130 bis 500 |
| Gelbkörperphase | ca. 70 bis 250 |
| Nach den Wechseljahren | meist unter 30 |
Diese Werte sind bewusst als Spanne angegeben, denn je nach Messmethode und Labor fallen die Grenzen unterschiedlich aus. Ein Wert am unteren oder oberen Rand ist deshalb kein Grund zur Sorge, solange er zum Zyklustag und zu Deinem Befinden passt.
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Häufige Fragen zu Östradiol
Welcher Östradiol-Wert ist normal?
Was bedeutet ein zu niedriger Östradiolwert?
Was bedeutet ein zu hoher Östradiolwert?
Wie wird Östradiol gemessen?
Wissenschaftliche Quellen
- Verdonk, S. J. E. et al. (2019). Estradiol reference intervals in women during the menstrual cycle, postmenopausal women and men using an LC-MS/MS method. Clinica Chimica Acta. doi:10.1016/j.cca.2019.04.062
- AWMF (2020). Peri- und Postmenopause: Diagnostik und Interventionen. S3-Leitlinie 015-062 (Kurzfassung: Archives of Gynecology and Obstetrics). doi:10.1007/s00404-020-05682-4
- Fitz, V. et al. (2024). Inositol for polycystic ovary syndrome: a systematic review and meta-analysis to inform the 2023 international evidence-based PCOS guidelines. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism. doi:10.1210/clinem/dgad636
- Bahramrezaie, M. et al. (2023). Effects of resveratrol supplementation in women with polycystic ovary syndrome: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Endocrine. doi:10.1007/s12020-023-03479-4
- Tin Tin, S. et al. (2024). Alcohol intake and endogenous sex hormones in women: a meta-analysis of cohort studies and Mendelian randomization. Cancer. doi:10.1002/cncr.35391
- EFSA NDA Panel (2009). Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to zinc, including normal fertility and reproduction. EFSA Journal. doi:10.2903/j.efsa.2009.1229
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