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Hirsutismus bei Frauen: Ursachen, Symptome & Hormone
PCOSFeb 2, 20269 min read

Understanding Hirsutism in Women: Causes & Hormonal Background

Übermäßiger Haarwuchs an Kinn, Oberlippe oder Bauch ist kein kosmetisches Detail. Er ist häufig das sichtbarste Zeichen eines hormonellen Ungleichgewichts. Und er ist häufiger, als die meisten Frauen denken.

Key takeaways
  • Hirsutismus ist ein männlicher Behaarungstyp bei Frauen und betrifft etwa 4 bis 11 Prozent der Frauen.
  • Mehr als 80 Prozent der Frauen mit Hirsutismus haben PCOS. Rund 10 Prozent haben idiopathischen Hirsutismus.
  • Die Blutwerte sagen wenig über den Schweregrad aus. Die Empfindlichkeit der Haarfollikel entscheidet mit.
  • Insulinresistenz senkt SHBG und erhöht damit freies Testosteron. Das verstärkt den Haarwuchs.
  • Schnell fortschreitender Hirsutismus mit Virilisierung gehört zeitnah ärztlich abgeklärt.

Teil unseres PCOS Guides

Hirsutismus, also ein männlicher Behaarungstyp bei Frauen, betrifft mehr Frauen als gedacht, bleibt aber oft tabuisiert oder falsch eingeordnet. Dabei ist übermäßiger Haarwuchs an Kinn, Oberlippe oder Bauch nicht nur ein kosmetisches Phänomen, sondern häufig ein Zeichen für hormonelle Dysbalancen. Hier erfährst Du, was hinter Hirsutismus steckt, welche hormonellen Prozesse beteiligt sind, welche Rolle PCOS und Testosteron spielen und wann eine ärztliche Abklärung wichtig ist.

Was ist Hirsutismus überhaupt?

Hirsutismus bezeichnet bei Frauen einen übermäßigen, männlichen Behaarungstyp. Medizinisch definiert ist er als das Auftreten vermehrter Terminalhaare, also dicker, pigmentierter Haare, im Gesicht und am Körper einer Frau. Die Verteilung ähnelt der typischen Behaarung von Männern. In der Allgemeinbevölkerung sind je nach Studie etwa 4 bis 11 Prozent der Frauen betroffen. Das übliche Kriterium ist ein Ferriman-Gallwey-Score von 8 oder mehr, wobei die Dunkelziffer höher liegt.

Wichtig ist die Abgrenzung zur Hypertrichose. Bei der Hypertrichose handelt es sich um generalisierten übermäßigen Haarwuchs, der unabhängig von Androgenen auftritt und zum Beispiel genetisch oder durch Medikamente wie Phenytoin oder Ciclosporin ausgelöst sein kann. Hypertrichose betrifft vorwiegend nicht androgensensitive Regionen wie Unterarme oder Unterschenkel und ist kein hormonelles Geschehen.

Hirsutismus dagegen ist hormonell bedingt und kein rein kosmetisches Problem. Meist liegt ein Überschuss an Androgenen vor, oder die Haarfollikel reagieren überempfindlich auf normale Androgenspiegel. Androgene, vor allem Testosteron, wandeln in den Haarfollikeln feine Vellushaare in grobe Terminalhaare um. Bei Hirsutismus geschieht das verstärkt in typisch männlichen Zonen. Kurz gesagt: Hirsutismus ist ein Anzeichen eines hormonellen Ungleichgewichts und sollte nicht als bloßes kosmetisches Anliegen abgetan werden.

Wie erkenne ich, ob ich Hirsutismus habe?

Das klinische Bild zeigt sich vor allem an androgenabhängigen Körperregionen, die bei Frauen normalerweise nur wenig Terminalhaar aufweisen. Typische Areale sind die Oberlippe, das Kinn und die Wangen, der Hals, die Brust, der Rücken, der Bauch, insbesondere entlang der Linea alba zwischen Nabel und Schambein, das Gesäß sowie Oberschenkel und Leistenregion.

Zur objektiven Beurteilung des Schweregrads wird häufig der modifizierte Ferriman-Gallwey-Score herangezogen. Dabei wird in neun androgensensitiven Körperarealen die Behaarung von 0 (keine Terminalhaare) bis 4 (ausgeprägter Haarwuchs) bewertet und summiert. In mitteleuropäischen Populationen gilt ein Gesamtscore ab 8 Punkten als auffällig. Die Schwellenwerte variieren jedoch deutlich nach ethnischer Herkunft, weshalb der Score immer im Kontext gelesen werden muss und nicht isoliert.

Weitere Symptome, die begleitend auftreten können:

  • Menstruationsstörungen: Viele betroffene Frauen haben unregelmäßige Zyklen bis hin zur Amenorrhö, insbesondere wenn ein PCOS vorliegt.
  • Hautveränderungen: Akne und fettige Haut treten häufig gemeinsam mit Hirsutismus auf, da Testosteron auch die Talgdrüsen stimuliert. Mitunter kommt es zu androgenetischer Alopezie.
  • Virilisierungszeichen: Selten, bei sehr hohem Androgenspiegel etwa durch hormonaktive Tumoren, entwickeln sich Zeichen wie eine tiefere Stimme, vermehrte Muskelmasse oder Klitorishypertrophie. Bei mildem Hirsutismus oder PCOS sind diese üblicherweise nicht vorhanden.
  • Psychische Belastung: Obwohl primär körperlich sichtbar, kann Hirsutismus psychisch sehr belastend sein. Studien berichten von vermindertem Selbstwertgefühl, Scham und sozialem Rückzug. Viele Frauen empfinden bereits milden Haarwuchs als belastend.

Die hormonellen Ursachen von Hirsutismus

Hirsutismus entsteht in den meisten Fällen durch ein Übermaß an Androgenen, bekannt als Hyperandrogenismus, oder durch eine verstärkte Wirkung dieser Hormone an den Haarfollikeln. Um die Ursachen zu verstehen, lohnt ein Blick auf die beteiligten Hormone.

Die Rolle von Androgenen und Testosteron

Androgene sind die männlichen Sexualhormone, zu denen vor allem Testosteron und seine Abkömmlinge zählen. Frauen produzieren natürlicherweise geringe Mengen in Eierstöcken und Nebennieren. Testosteron zirkuliert teils frei, teils gebunden im Blut und kann in den Zielgeweben zu Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt werden, einem Androgen, das noch potenter an den Androgenrezeptoren wirkt. Haarfollikel in bestimmten Regionen reagieren empfindlich darauf: Erst durch diese Hormone entwickeln sich in der Pubertät aus feinen Vellushaaren die groben Terminalhaare. Bei übermäßigem Androgeneinfluss verstärkt sich das Haarwachstum in männlichen Mustern.

Wichtig zu wissen: Die Laborwerte korrelieren nur schlecht mit dem Ausmaß des Hirsutismus. Viele Frauen mit Hirsutismus haben erhöhte Testosteronspiegel. Es gibt aber auch Frauen mit normalen Androgenwerten, die dennoch deutlich betroffen sind, und umgekehrt Frauen mit hohem Testosteron und wenig äußeren Zeichen. Der Grund liegt in der unterschiedlichen Empfindlichkeit der Haarfollikel. Genetische Faktoren beeinflussen, wie stark die Haarwurzel auf eine gegebene Androgenmenge reagiert. Eine erhöhte lokale Aktivität der 5-alpha-Reduktase oder mehr Androgenrezeptoren in der Haut können zu starkem Haarwuchs führen, obwohl die Blutspiegel kaum erhöht sind. Dieser Fall wird als idiopathischer Hirsutismus bezeichnet und macht rund 10 Prozent der Fälle aus.

SHBG und Insulin: warum Insulinresistenz den Haarwuchs verstärkt

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG). SHBG bindet im Blut Androgene und reguliert damit die Menge des frei verfügbaren Testosterons. Nur freies Testosteron kann in die Zellen gelangen und wirken. Insulin spielt hier eine indirekte, aber entscheidende Rolle: Hohe Insulinspiegel, wie sie bei Insulinresistenz häufig sind, senken die SHBG-Produktion in der Leber. Weniger SHBG bedeutet mehr freies Testosteron. Frauen mit Insulinresistenz, wie sie bei PCOS typisch ist, weisen daher oft niedrige SHBG-Werte und erhöhtes freies Testosteron auf. Insulin kann zusätzlich die Androgenproduktion in den Eierstöcken ankurbeln und so den Kreislauf schließen. Umgekehrt führen insulinsenkende Maßnahmen häufig zu einem Anstieg des SHBG und einer Abschwächung des Hirsutismus, wenngleich meist nicht als alleinige Therapie ausreichend.

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PCOS als häufigste Ursache

Die mit Abstand häufigste Ursache für Hirsutismus ist das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS). Dabei handelt es sich um eine endokrine Störung, die durch chronische Hyperandrogenisierung und Eisprungstörungen gekennzeichnet ist. Nach den Rotterdam-Kriterien liegen typischerweise mindestens zwei der drei folgenden Merkmale vor:

  1. klinische oder biochemische Zeichen von Hyperandrogenismus, etwa Hirsutismus, Akne oder erhöhtes Testosteron
  2. seltene oder ausbleibende Ovulationen
  3. ein polyzystisches Ovarialbild im Ultraschall

Mehr als 80 Prozent der Frauen mit Hirsutismus haben PCOS. Umgekehrt zeigen etwa 65 bis 75 Prozent der PCOS-Patientinnen Hirsutismus als sichtbares Zeichen des Androgenüberschusses. PCOS ist insgesamt häufig und betrifft je nach Kriterien und Population einen erheblichen Anteil der Frauen im gebärfähigen Alter. Dennoch hat nicht jede Frau mit Hirsutismus automatisch PCOS. Andere Ursachen auszuschließen ist wichtig.

Weitere mögliche Ursachen

  • Idiopathischer Hirsutismus: rund 10 Prozent der Fälle. Normale Hormonspiegel und regelmäßiger Zyklus, aber genetisch bedingte hohe Empfindlichkeit der Haarfollikel. Gemeinsam machen PCOS und idiopathischer Hirsutismus etwa 90 bis 95 Prozent aller Fälle aus.
  • Nicht-klassisches adrenogenitales Syndrom (AGS): mildere Form der angeborenen Nebennierenhyperplasie, häufig durch 21-Hydroxylase-Defekt. Kann Hirsutismus, Akne und Zyklusstörungen verursachen.
  • Androgen-sezernierende Tumoren: sehr selten, aber wichtig auszuschließen. Führen zu rasch fortschreitendem Hirsutismus mit Virilisierung. Testosteronwerte über etwa 150 ng/dL gelten als Warnsignal.
  • Cushing-Syndrom: ein Überschuss an Cortisol kann Hirsutismus begünstigen, meist verbunden mit Stammfettsucht, Bluthochdruck und Insulinresistenz.
  • Medikamente: anabole Steroide, Danazol, bestimmte Gestagene mit androgener Partialwirkung oder Valproat wurden mit Hirsutismus in Verbindung gebracht. Minoxidil und Phenytoin verursachen eher eine Hypertrichose.
  • Genetische und ethnische Faktoren: die Ausprägung der Körperbehaarung ist stark genetisch beeinflusst. Frauen mediterraner, nahöstlicher oder südasiatischer Herkunft haben von Natur aus stärkere Behaarung. Die Übergänge zum idiopathischen Hirsutismus sind fließend.

Diese Ursachen können auch kombiniert auftreten, etwa familir stärkere Behaarung bei gleichzeitig leichtem PCOS. Eine sorgfältige ärztliche Abklärung ist daher wichtig.

Wann Du Hirsutismus abklären lassen solltest

Grundsätzlich gilt: Jeder klinisch relevante Hirsutismus sollte zumindest einmal ärztlich untersucht werden. In diesen Situationen ist eine Abklärung besonders wichtig:

  • Schneller Beginn oder rasche Zunahme: wenn innerhalb von Monaten starke Behaarung entsteht, besonders mit Virilisierungszeichen wie tiefer Stimme. Hier sollte zeitnah eine hormonelle Diagnostik erfolgen.
  • Ausgeprägter Hirsutismus vor dem 25. Lebensjahr: kann auf ein nicht-klassisches AGS hinweisen. Eine Bestimmung von 17-Hydroxyprogesteron ist dann sinnvoll.
  • Hirsutismus mit Zyklusstörungen: diese Konstellation spricht für PCOS. Da PCOS auch langfristige Stoffwechselrisiken birgt, sollte die Diagnose gestellt werden.
  • Starker Leidensdruck: unabhängig von Laborwerten. Wenn der Haarwuchs Dich belastet, ist das Grund genug für eine Abklärung.

Eine Abklärung umfasst in der Regel Anamnese, körperliche Untersuchung und eine Laboruntersuchung. Relevante Blutwerte sind Gesamttestosteron und berechnetes freies Testosteron über SHBG, DHEA-Sulfat, Androstendion, gegebenenfalls 17-Hydroxyprogesteron sowie orientierend LH und FSH. Die Fachgesellschaften empfehlen, bei auffälligem Hirsutismus-Score das Testosteron zu bestimmen, bei normalem Zyklus und normalem Score dagegen auf eine Hormonbestimmung zu verzichten.

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Fazit

Hirsutismus ist kein kosmetisches Randthema, sondern in den meisten Fällen das sichtbarste Zeichen eines hormonellen Ungleichgewichts. Mehr als 80 Prozent der betroffenen Frauen haben PCOS. Gleichzeitig gilt: Deine Blutwerte allein erzählen nicht die ganze Geschichte, denn wie stark Deine Haarfollikel auf Androgene reagieren, ist individuell und genetisch mitbestimmt.

Das bedeutet zwei Dinge. Erstens: Wenn Deine Werte normal sind, Du aber trotzdem betroffen bist, bildest Du Dir nichts ein. Zweitens: Weil Insulinresistenz über den SHBG-Mechanismus direkt mitspielt, ist der Blutzuckerstoffwechsel einer der Hebel, an denen sich überhaupt etwas bewegen lässt. Der erste Schritt bleibt aber immer, die Ursache sauber einordnen zu lassen.

Häufige Fragen zu Hirsutismus

Was ist der Unterschied zwischen Hirsutismus und Hypertrichose?

Hirsutismus bezeichnet männlichen Haarwuchs bei Frauen in androgenabhängigen Zonen wie Kinn, Brust oder Bauch und weist auf ein hormonelles Ungleichgewicht hin. Hypertrichose betrifft dagegen nicht hormonell bedingten Haarwuchs am ganzen Körper, auch in Regionen wie Unterarmen, und ist meist genetisch oder durch Medikamente bedingt.

Welche Hormone sind bei Hirsutismus beteiligt?

Vor allem Androgene wie Testosteron und Dihydrotestosteron (DHT) spielen eine zentrale Rolle. Auch ein niedriger SHBG-Spiegel und eine Insulinresistenz können Hirsutismus verstärken, weil dadurch mehr freies Testosteron verfügbar ist. Wichtig: Die Höhe der Blutwerte sagt nur begrenzt etwas über den Schweregrad aus.

Kann Hirsutismus auf PCOS hinweisen?
Ja. Hirsutismus ist eines der häufigsten sichtbaren Zeichen bei PCOS, und mehr als 80 Prozent der Frauen mit Hirsutismus haben PCOS. Allerdings ist nicht jede Frau mit Hirsutismus automatisch betroffen. Rund 10 Prozent haben einen idiopathischen Hirsutismus bei normalen Hormonwerten und regelmäßigem Zyklus.
Welche Blutwerte sollte man bei Hirsutismus prüfen lassen?
Relevant sind vor allem freies und gesamtes Testosteron, SHBG, DHEA-S, Androstendion und gegebenenfalls 17-Hydroxyprogesteron sowie LH und FSH. Die Fachgesellschaften empfehlen eine Testosteronbestimmung bei auffälligem Hirsutismus-Score. Bei normalem Zyklus und unauffälligem Score wird davon eher abgeraten. Eine ärztliche Einordnung ist in jedem Fall sinnvoll.

Wissenschaftliche Quellen

  • Martin KA, Anderson RR, Chang RJ, et al. Evaluation and Treatment of Hirsutism in Premenopausal Women: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline. J Clin Endocrinol Metab. 2018;103(4):1233-1257. doi:10.1210/jc.2018-00241
  • Spritzer PM, Marchesan LB, Santos BR, Fighera TM. Hirsutism, Normal Androgens and Diagnosis of PCOS. Diagnostics (Basel). 2022;12(8):1922. doi:10.3390/diagnostics12081922
  • Rosenfield RL. Approach to the Patient: Hirsutism. J Clin Endocrinol Metab. 2025;110(10):e3503.

About the Author

Amelie Weiss

Research Fellow, PhD · Hormonic

Amelie Weiss is a Research Fellow at Hormonic and conducts scientific research on hormonal health, micronutrients, and evidence-based women's health.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf aktuellen Leitlinien und wissenschaftlichen Arbeiten (Stand 2026). Er dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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