Folat ist ein B-Vitamin (B9), das der Körper unter anderem für die Zellteilung und die früheste Entwicklung des Kindes braucht. Folsäure ist die synthetische, besonders gut untersuchte Form, die in Nahrungsergänzungsmitteln steckt. Rund um den Kinderwunsch ist ausreichend Folat wichtig, weil sich das Neuralrohr des Embryos schon in den ersten Wochen der Schwangerschaft schließt – oft, bevor eine Frau überhaupt weiß, dass sie schwanger ist.
- Fachgesellschaften empfehlen bei Kinderwunsch die Supplementation von Folsäure zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung.
- Am besten schon mindestens 4 Wochen vor der Konzeption beginnen und bis zum Ende des 1. Trimenons (ca. Woche 12) weiterführen.
- Der Grund ist die frühe Entwicklung des Neuralrohrs, das sich rund um Tag 21 bis 28 schließt – häufig vor der positiven Schwangerschaft.
- Die Evidenz zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten stützt sich vor allem auf Folsäure; Methylfolat (5-MTHF) ist eine mögliche Alternative.
- Ein MTHFR-Gentest wird von den Leitlinien nicht routinemäßig empfohlen.
- Höhere Dosen (3–5 mg) sind nur nach ärztlicher Empfehlung bei erhöhtem Risiko vorgesehen – niemals selbst dosieren.
Als Ärztin werde ich in kaum einer Lebensphase so oft nach einem einzelnen Nährstoff gefragt wie beim Thema Kinderwunsch – und fast immer geht es um Folsäure. Die gute Nachricht: Hier ist die Wissenschaft ungewöhnlich klar, und die wichtigste Maßnahme ist zugleich eine der einfachsten.
Gleichzeitig kursieren viele Halbwahrheiten – von Panik rund um Gentests bis zu der Vorstellung, Folsäure mache „fruchtbarer“. In diesem Artikel ordne ich ein, was wirklich belegt ist, wann und wie viel Du nehmen solltest und wo ich als Ärztin zur Zurückhaltung rate.
Wann und wie viel Folsäure bei Kinderwunsch?
Die kurze Antwort: 400 µg Folsäure pro Tag, idealerweise ab mindestens 4 Wochen vor der geplanten Konzeption und weiter bis zum Ende des ersten Trimenons (etwa Schwangerschaftswoche 12). Diese Empfehlung gilt für gesunde Frauen mit unkompliziertem Kinderwunsch und deckt sich mit den Handlungsempfehlungen deutscher Fachgesellschaften. Wer die Pille absetzt oder aktiv plant, startet also am besten schon, bevor es "so weit" ist – denn die entscheidenden Wochen liegen ganz am Anfang der Schwangerschaft.
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Ab wann? | Mindestens 4 Wochen vor der geplanten Konzeption, besser schon bei konkretem Kinderwunsch. |
| Wie viel? | 400 µg Folsäure pro Tag zusätzlich zur Ernährung. |
| Wie lange? | Bis zum Ende des 1. Trimenons (ca. Schwangerschaftswoche 12). |
| Welche Form? | Folsäure ist am besten untersucht; Methylfolat (5-MTHF) ist eine Alternative. |
| Ernährung | Blattgemüse, Hülsenfrüchte und Brokkoli liefern Folat – ein Präparat wird zusätzlich empfohlen. |
Das Neuralrohr – die Anlage von Gehirn und Rückenmark – schließt sich bereits rund um Tag 21 bis 28 nach der Befruchtung. Das ist oft, bevor eine Frau überhaupt weiß, dass sie schwanger ist. Genau deshalb setzt die Empfehlung schon vor der Konzeption an: Damit der Folatspeicher gefüllt ist, wenn es darauf ankommt.
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Wissenschaftliche Quellen
- MRC Vitamin Study Research Group (1991). Prevention of neural tube defects: results of the Medical Research Council Vitamin Study. Lancet, 338(8760), 131-137. PMID: 1677062
- De-Regil, L. M. et al. (2015). Effects and safety of periconceptional oral folate supplementation for preventing birth defects. Cochrane Database of Systematic Reviews, 12, CD007950. doi:10.1002/14651858.CD007950.pub3
- Czeizel, A. E. & Dudás, I. (1992). Prevention of the first occurrence of neural-tube defects by periconceptional vitamin supplementation. New England Journal of Medicine, 327(26), 1832-1835. PMID: 1307234
- EFSA NDA Panel (2009). Scientific Opinion on the substantiation of health claims related to folate. EFSA Journal, 7(9), 1213.
- Netzwerk Gesund ins Leben / DGE (2018). Handlungsempfehlungen: Ernährung vor und in der Schwangerschaft — 400 µg Folsäure/Tag ab mind. 4 Wochen vor der Konzeption bis Ende des 1. Trimenons.
- World Health Organization (2015). Periconceptional folic acid supplementation to prevent neural tube defects.
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