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Haut & HaareJul 13, 20268 min read

Haarausfall in den Wechseljahren: Ursachen und was wirklich hilft

Dieser Artikel ist Teil von: Menopause & Perimenopause: The Complete Medical Guide

Wenn in den Wechseljahren plötzlich mehr Haare in der Bürste liegen und der Scheitel breiter wirkt, ist das für viele Frauen ein Schock. Dieser Artikel erklärt, warum das mit den Hormonen zusammenhängt, was Du zuerst abklären lassen solltest und was wirklich hilft, ehrlich und ohne falsche Versprechen.

Das Wichtigste in Kürze

  • In den Wechseljahren fällt das Östrogen, das die Haare schützt, und androgene Einflüsse treten stärker hervor. Die Folge ist oft ein dünner werdender Scheitel.
  • Bevor Du es allein den Hormonen zuschreibst, sollten Eisen, Schilddrüse und Vitamin D geprüft werden, denn diese Ursachen sind behandelbar.
  • Am besten belegt ist äußerlich aufgetragenes Minoxidil. Es braucht Monate und muss dauerhaft angewendet werden.
  • Zink und Selen tragen zur Erhaltung normaler Haare bei. Biotin dagegen hilft bei Haarausfall nur bei einem echten Mangel und kann Bluttests verfälschen.
  • Kein Nahrungsergänzungsmittel behandelt Haarausfall. Plötzlicher, kreisrunder oder vernarbender Haarausfall gehört rasch zur Hautärztin.

Letzte Woche habe ich mich viel mit dem Thema beschäftigt, da meine Mutter seit dem Beginn der Wechseljahre stark von dünner werdendem Haar plagt. Damit ist sie nicht alleine. Studien zeigen, dass über die Hälfte der Frauen nach der Menopause von dünner werdendem Haar betroffen ist. Das ist keine Einbildung und kein Grund für Scham, sondern ein hormoneller Vorgang, den man verstehen und angehen kann. Ich möchte Dir hier ehrlich erklären, was dahintersteckt, was zuerst überprüft gehört und welche Mittel wirklich etwas bringen, statt nur teuer zu sein.

Wusstest Du?

Das oft empfohlene Biotin bringt bei Haarausfall nur dann etwas, wenn ein echter, seltener Mangel besteht. Hoch dosiert kann es sogar Bluttests verfälschen, etwa den Herzinfarkt-Wert Troponin oder die Schilddrüsenwerte. Mehr Haare macht es bei normaler Versorgung nicht.

Warum die Haare in den Wechseljahren dünner werden

Der Kern ist hormonell. Über die fruchtbaren Jahre schützt das Östrogen die Haare, indem es die Wachstumsphase verlängert. In den Wechseljahren fällt der Östrogenspiegel deutlich, während die männlichen Hormone, die Androgene, relativ stärker ins Gewicht fallen. An empfindlichen Haarfollikeln führt das dazu, dass die Haare feiner werden und langsamer nachwachsen. Fachlich spricht man dann vom weiblichen Haarausfallmuster. Ehrlich bleibt aber: Der genaue Ablauf im menschlichen Haar ist noch nicht restlos geklärt, und meist wirken mehrere Ursachen zusammen.

Wichtig ist, zwei Muster zu unterscheiden, weil sie unterschiedlich verlaufen:

Weibliches Haarausfallmuster Diffuser Haarausfall (telogenes Effluvium)
langsam, über Monate bis Jahre plötzlich, meist zwei bis drei Monate nach einem Auslöser
Ausdünnung am Scheitel, breiter werdender Mittelscheitel, Haaransatz bleibt gleichmäßiges Ausdünnen am ganzen Kopf
chronisch, braucht dauerhafte Behandlung meist reversibel, sobald der Auslöser weg ist

Häufig überlagern sich beide: Auf dem hormonell bedingten, dünner werdenden Haar liegt zusätzlich ein diffuser Schub, etwa durch Stress, eine Diät oder einen Nährstoffmangel. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf die behandelbaren Ursachen. Eine ausführliche Übersicht zu allen Formen findest Du in unserem Beitrag zu Haarausfall bei Frauen.

Was Du zuerst abklären lassen solltest

Bevor Du den Haarausfall allein den Wechseljahren zuschreibst, sollten ein paar behandelbare Ursachen ausgeschlossen werden, denn sie lassen sich oft einfach beheben. Sinnvoll ist ein Blutbild mit Eisenspeicherwert (Ferritin), den Schilddrüsenwerten und Vitamin D. Ein Eisenmangel ist gerade in der Perimenopause mit noch starken Blutungen häufig, eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse kann diffusen Haarausfall auslösen, und auch ein deutlicher Vitamin-D-Mangel wird damit in Verbindung gebracht.

Ehrlich dazugesagt: Rund um den Eisenwert wird viel mit festen Grenzwerten hantiert, etwa Ferritin über 40 oder 70. Diese Zahlen sind aber nicht durch hochwertige Studien belegt, sondern eher Erfahrungswerte. Sinnvoll ist, einen echten Mangel auszugleichen, nicht, einem bestimmten Wunschwert hinterherzujagen. Der Punkt bleibt: erst prüfen, dann gezielt handeln.

Was wirklich hilft, ehrlich nach Evidenz sortiert

Am besten belegt für das weibliche Haarausfallmuster ist äußerlich aufgetragenes Minoxidil, eine Lösung oder ein Schaum zwei- oder fünfprozentig, den es rezeptfrei in der Apotheke gibt. In einer großen Studie mit über 380 Frauen verbesserte es die Haardichte deutlich stärker als ein Scheinpräparat. Drei Dinge solltest Du dabei wissen: Es wirkt erst nach mehreren Monaten, Du musst es dauerhaft anwenden, weil der Effekt sonst wieder verschwindet, und in den ersten Wochen kann es sogar kurz vermehrt haaren. Das ist normal und kein Grund, sofort aufzuhören.

Darüber hinaus gibt es verschreibungspflichtige Optionen wie niedrig dosiertes Minoxidil zum Einnehmen oder bestimmte Antiandrogene. Die gehören in ärztliche Hand und sind eine Sache für die Hautärztin. Wenn ein Eisenmangel, eine Schilddrüsenstörung oder ein Vitamin-D-Mangel gefunden wird, ist deren Behandlung der wirksamste Hebel, weil die Haare dann oft von selbst nachkommen. Und die Frage, die viele stellen: Hilft eine Hormonersatztherapie? Ehrliche Antwort: Sie ist keine Haarausfall-Behandlung, die Datenlage dazu ist schwach. Manche Frauen bemerken unter einer Hormontherapie gegen Wechseljahresbeschwerden nebenbei eine Besserung, aber allein wegen der Haare sollte man sie nicht beginnen.

Nährstoffe: Zink, Selen und der Biotin-Mythos

Bei den Nährstoffen lohnt der ehrliche Blick. Zink und Selen tragen laut EFSA zur Erhaltung normaler Haare bei, und ein echter Zinkmangel kann Haarausfall verstärken. Bei Selen ist allerdings Vorsicht geboten, denn nicht nur ein Mangel, sondern auch eine Überdosierung führt zu Haarausfall. Mehr ist hier also ausdrücklich nicht besser, weshalb es auf eine sinnvolle, moderate Dosierung ankommt. Wie wichtig Zink für Haut, Haare und Hormone ist, liest Du im Beitrag zu Zink bei Frauen.

Und dann der große Klassiker: Biotin. Ehrlich gesagt ist der Ruf viel besser als die Studienlage. Biotin hilft bei Haarausfall nur, wenn tatsächlich ein Mangel besteht, und der ist selten. Hoch dosiert kann es sogar Laborwerte verfälschen, unter anderem den Herzinfarkt-Wert und die Schilddrüsenwerte. Deshalb setzen wir bei Hormonic bewusst nicht auf Biotin-Megadosen. Wichtig ist der Rahmen: Nährstoffe können die Haargesundheit unterstützen, aber kein Nahrungsergänzungsmittel darf und kann Haarausfall behandeln.

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Wann Du rasch zur Hautärztin solltest

Das langsame, gleichmäßige Ausdünnen in den Wechseljahren ist zwar belastend, aber selten gefährlich. Hellhörig werden solltest Du dagegen bei plötzlichem, kreisrundem Haarausfall mit kahlen Stellen, denn das kann eine Autoimmunreaktion sein, die abgeklärt gehört. Besonders wichtig: Wenn die Kopfhaut gerötet, schuppig oder schmerzhaft ist, kann eine vernarbende Form dahinterstecken, bei der Follikel dauerhaft zerstört werden. Hier zählt jede Woche, weil eine frühe Behandlung bleibenden Verlust verhindern kann.

Ärztlich abklären lassen solltest Du außerdem sehr raschen oder starken Haarausfall, Haarausfall zusammen mit anderen Beschwerden wie Müdigkeit oder Zyklusveränderungen, sowie Anzeichen eines Übergewichts männlicher Hormone wie starke Akne oder vermehrte Körperbehaarung. Generell gilt: Beim weiblichen Haarausfallmuster lohnt es sich, früh anzusetzen, weil Follikel, die einmal völlig verkümmert sind, nicht zurückkommen. Wenn Du unsicher bist, wie Du Deinen Haarausfall in den Wechseljahren einordnen sollst, kannst Du das in einem kostenlosen Erstgespräch mit einer unserer Ärztinnen besprechen, ganz unverbindlich.

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Fazit

Haarausfall in den Wechseljahren ist ein häufiger, hormonell mitbedingter Vorgang: Das schützende Östrogen fällt, androgene Einflüsse treten stärker hervor, und das Haar wird am Scheitel dünner. Meist wirken aber mehrere Ursachen zusammen, und einige davon sind gut behandelbar. Deshalb lohnt es sich, zuerst Eisen, Schilddrüse und Vitamin D prüfen zu lassen, statt alles den Hormonen zuzuschreiben.

Am besten belegt ist äußerliches Minoxidil, das Geduld und Ausdauer braucht. Zink und Selen können die Haargesundheit unterstützen, Biotin dagegen ist überschätzt und in hohen Dosen sogar heikel. Kein Nahrungsergänzungsmittel behandelt Haarausfall, und bei plötzlichem, kreisrundem oder vernarbendem Verlust ist der schnelle Weg zur Hautärztin richtig. Mit einem klaren Kopf und dem richtigen Vorgehen lässt sich für Dein Haar in dieser Phase viel erreichen.

Häufige Fragen zu Haarausfall in den Wechseljahren

Warum bekomme ich in den Wechseljahren Haarausfall?

Weil das Östrogen fällt, das über die fruchtbaren Jahre die Wachstumsphase der Haare verlängert und sie schützt. Gleichzeitig treten die männlichen Hormone relativ stärker hervor, was an empfindlichen Follikeln zu feiner werdendem Haar und einem dünner werdenden Scheitel führt. Meist wirken aber mehrere Ursachen zusammen, etwa zusätzlich ein Eisenmangel, eine Schilddrüsenstörung oder Stress.

Was hilft wirklich gegen Haarausfall in den Wechseljahren?

Am besten belegt ist äußerlich aufgetragenes Minoxidil, das allerdings Monate braucht und dauerhaft angewendet werden muss. Wichtig ist außerdem, behandelbare Ursachen wie Eisenmangel, Schilddrüsenstörungen oder einen Vitamin-D-Mangel auszugleichen. Zink und Selen tragen zur Erhaltung normaler Haare bei. Eine Hormonersatztherapie ist keine Haarausfall-Behandlung. Kein Nahrungsergänzungsmittel kann Haarausfall behandeln.

Hilft Biotin gegen Haarausfall?
Nur bei einem echten Biotinmangel, und der ist selten. Bei normaler Versorgung gibt es keine überzeugenden Belege, dass Biotin gegen Haarausfall hilft. Hoch dosiert kann es außerdem Laborwerte verfälschen, unter anderem den Herzinfarkt-Wert Troponin und die Schilddrüsenwerte. Sinnvoller ist es, echte Ursachen wie Eisenmangel oder eine Schilddrüsenstörung abzuklären. Kein Nahrungsergänzungsmittel behandelt Haarausfall.
Welche Blutwerte sollte ich bei Haarausfall prüfen lassen?
Sinnvoll sind ein Blutbild mit dem Eisenspeicherwert Ferritin, die Schilddrüsenwerte und Vitamin D. Ein Eisenmangel ist gerade in der Perimenopause mit starken Blutungen häufig, eine Schilddrüsenstörung kann diffusen Haarausfall auslösen, und ein deutlicher Vitamin-D-Mangel wird damit in Verbindung gebracht. Diese Ursachen sind behandelbar. Feste Wunsch-Grenzwerte beim Ferritin sind allerdings nicht gut belegt, wichtig ist, einen echten Mangel auszugleichen.

Wissenschaftliche Quellen

  • Chaikittisilpa, S. et al. (2022). Prevalence of female pattern hair loss in postmenopausal women. Menopause, 29(4), 415-420. PMID: 35357365
  • Carmina, E. et al. (2019). Female Pattern Hair Loss and Androgen Excess (AE-PCOS Society). J Clin Endocrinol Metab, 104(7), 2875-2891. doi:10.1210/jc.2018-02548
  • Lucky, A. W. et al. (2004). A randomized, placebo-controlled trial of 5% and 2% topical minoxidil in female pattern hair loss. J Am Acad Dermatol, 50(4), 541-553.
  • Kanti, V. et al. (2018). Evidence-based (S3) guideline for the treatment of androgenetic alopecia in women and men. JEADV.
  • Trost, L. B., Bergfeld, W. F., Calogeras, E. (2006). Iron deficiency and its potential relationship to hair loss. J Am Acad Dermatol, 54(5), 824-844.
  • Iron Deficiency and Nonscarring Alopecia in Women: Systematic Review and Meta-Analysis (2022). PMC8928181.
  • Update on Biotin Therapy in Dermatology: Time for a Change. J Drugs Dermatol.
  • U.S. FDA (2019). Biotin Interference with Troponin Lab Tests: Safety Communication.
  • Verordnung (EU) Nr. 432/2012; EFSA Journal 2010;8(10):1819 (Zink, Erhaltung normaler Haare) und Selen, Erhaltung normaler Haare.
  • Civas, E. et al. (2024). Selenium as a probable cause of hair loss. J Cosmet Dermatol. doi:10.1111/jocd.15902

About the Author

Amelie Weiss

Amelie Weiss

Research Fellow, PhD · Hormonic

Amelie Weiss ist Research Fellow bei Hormonic und beschäftigt sich mit wissenschaftlicher Recherche rund um hormonelle Gesundheit, Mikronährstoffe und evidenzbasierte Frauengesundheit.

Hinweis: Dieser Artikel basiert auf aktuellen Leitlinien und wissenschaftlichen Arbeiten (Stand 2026). Er dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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